Der DGB-Kreisverband lädt am 1. Mai wieder zur Maikundgebung (Beginn 10 Uhr) ins Mönchshof-Bräuhaus ein. Wie Ramming - beschäftigt bei der Firma Raps - im Gespräch mit inFranken.de betont, habe es viele Arbeitnehmer gestört, dass sich die Bundestagsabgeordneten eine zehnprozentige Diätenerhöhung genehmigt haben.

Was bedeutet der 1. Mai heute für die Gewerkschaften?
Detlef Ramming: Das ist immer noch unser Tag, den wir als ein Sprachrohr verstehen, um unsere Ziele und Vorstellungen öffentlich zu formulieren. Dieser Tag wird auch von den Politikern wahrgenommen, da können sie im Mönchshof-Bräuhaus die Stimmung unter den Arbeitnehmern live mitbekommen. Der Tag, von unseren Altvorderen mit Blut erkämpft, ist für die Gewerkschaft unverzichtbar.


Mit dem Mindestlohn gibt es heuer ganz aktuell ein Thema, für das sich die Gewerkschaften schon lange starkgemacht haben.
Stimmt, das Thema ist bei uns schon lange auf der Tagesordnung. Die Initiative der SPD war richtig und wichtig, aber die vorgeschlagenen 8,50 Euro reichen nach unserer Ansicht nicht aus. Denn damit kann kein Familienvater seine Familie ernähren. Wer Vollzeit arbeitet, der darf nicht Bittsteller bei den Behörden sein, um Zuschüsse zu bekommen, die wir alle finanzieren. Dadurch bereichern sich die Firmen, die ihre Leute nicht anständig bezahlen. Außerdem stört es die Gewerkschaften, dass die Bundesregierung die Umsetzung des Mindestlohns verzögert. Da waren die Politiker viel schneller bei der Sache, als sie sich eine großzügige Diäten erhöhung genehmigt haben. Diese zehn Prozent der Bundestagsabgeordneten müssen wegweisend sein für die nächsten Tariferhöhungen der Arbeitnehmer. Zehn Prozent mehr Lohn hätten wir auch alle gern. Und wir haben erheb liche Zweifel, dass bei den Plänen für die Rente mit 63 was Gescheites rauskommt. Wahrscheinlich werden nur wenige die Kriterien erfüllen, um mit 63 ohne Abschläge in Rente zu gehen.

Welche Probleme drücken die Gewerkschaften in Kulmbach?
Im DGB-Kreisvorstand sind alle Einzelgewerkschaften und die wichtigsten Betriebe vertreten. Hier werden örtliche Probleme diskutiert und überbetriebliche Aktionen - wie zum Beispiel der Protest gegen das braune Gesocks in unserer Region - organisiert. Was uns zurzeit am meisten auffällt, ist die Situation im Einzelhandel, wo viele Kolleginnen und Kollegen von ver.di arbeiten. Kleine Geschäfte werden immer weniger, viele Läden stehen leer. Nach wie vor sind wir auch dagegen, dass in Kulmbach vier verkaufsoffene Sonntage durchgeführt werden. Verkäuferinnen und Verkäufer haben schließlich auch Familie. Außerdem gibt es mehrere Großbetriebe, die ein Sechs-Tage-Schicht-System eingeführt haben: Das hat zwar Arbeitsplätze gebracht, ist aber für die Betroffenen und deren Familien eine große Belastung. Hier wird schleichend der Samstag im Interesse des Profits als Regelarbeitstag wieder eingeführt.
Wer ist der Hauptredner bei de Maikundgebung?
Er heißt Peter Schmidt, kommt aus Kempten und ist Geschäftsführer der NGG-Region Allgäu. Wir kennen ihn als Topredner, der die Leute begeistern kann und mutige politisches Statements abgibt, was man mitunter bei manchen Gewerkschaftern vermisst. Er wird zum Thema "Gute Arbeit. Soziales Europa" sprechen.

Gibt es heuer auch wieder einen regionalen Redner?
Ja, denn es hat sich seit Jahren bewährt, einen örtlichen Kollegen sprechen zu lassen. Heuer wird es Frank Wilzok sein, der Personalratsvorsitzende am Klinikum Kulmbach.