So etwas hat Wonsees noch nicht erlebt. Bei der Sitzung des Gemeinderats, die wegen des großen Interesses der Bevölkerung nicht im Rathaus stattfand, platzte der Saal der Gaststätte "Zur Krone" am Mittwoch fast aus allen Nähten. Weit über 100 Besucher waren gekommen. Nicht nur Bürger aus Wonsees, sondern auch aus Thurnau, Kasendorf und Weismain, die gespannt auf Tagesordnungspunkt 4 warteten.

Da mussten die Räte entscheiden, ob sie den großen Windpark bei Schirradorf im Zuge der Fortschreibung des Regionalplans Oberfranken-Ost auf den Weg bringen oder ob sie sich gegen das 70 bis 80 Millionen Euro schwere Projekt aussprechen.


Drei stimmen nicht mit ab

Abgestimmt wurde über den Antrag der Bürgerinitiative, die die Räte aufgefordert hatte, die beiden auf dem Gemeindegebiet vorgesehenen Vorranggebiete 93 und 95 abzulehnen.
Als es zur Entscheidung kam, verließen Bürgermeister Günther Pfändner sowie die Gemeinderäte Thomas Schmeußer und Matthias Schirmer den Sitzungstisch. Da die Drei selbst Grundstücke in den beiden Vorranggebieten besitzen, stimmten sie nicht mit ab. Die Sitzungsleitung übernahm zweiter Bürgermeister Wolfgang Schubert, der daran erinnerte, dass es bei der ersten Stellungnahme der Gemeinde zum Regionalplan 2011 keinerlei Einwände gegeben hatte.

Nachdem aber in der Folge bekannt geworden sei, welche Dimensionen der Windpark annehmen könnte - auf einem 430 Hektar großen Areal plant die Firma Prokon 16 Windräder - habe sich großer Widerstand in der Bevölkerung entwickelt. Die gegründete Bürgerinitiative habe eine Unterschriftenliste übergeben, mit der 440 wahlberechtigte Bürger den Gemeinderat aufgefordert hätten, gegen die Windparkpläne zu stimmen.


8:0 gegen den Windpark

Eine Beratung in der öffentlichen Sitzung fand nicht statt. Die Materie sei vom Gremium in stundenlangen Treffen vorbesprochen worden, sagte Schubert, ehe es zur mit Spannung erwarteten Entscheidung kam. Da zwei Räte krankheitsbedingt fehlten und sich die drei genannten enthielten, gab es acht Stimmberechtigte. Alle lehnten die Vorranggebiete ab. Aus den Reihen der Windpark-Gegner gab es für diesen einstimmigen Beschluss großen Beifall.

"Wir sind froh, dass der Gemeinderat unserer Forderung gefolgt ist", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Hans-Peter Zahner. Zahner hofft, dass die Gemeinde ihre Stellungnahme rechtlich fundiert abgibt und der Planungsverband bei seiner Entscheidung dem Willen der Bürger und des Marktgemeinderates Folge leistet. Er kündigte an, dass die Bürgerinitiative das Gespräch mit Landrat Klaus Peter Söllner suchen wird, der stellvertretender Vorsitzender des Planungsverbandes ist.


Sorge um das Landschaftsbild

Die Stellungnahme wurde gestern an den Verband versandt. Wie Bürgermeister Günter Pfändner mitteilte, sei man in der Erklärung auf die seit 2011 veränderte Situation eingegangen. Damals sei nicht absehbar gewesen, dass Windräder in so großer Anzahl entstehen könnten, auch nicht, dass die Mühlen Höhen von 220 bis 230 Meter erreichten.

Im Falle von Wonsees müsse man auch beachten, dass im angrenzenden Planungsverband West auf Weismainer Seite viele weitere Windräder denkbar sind. Der Rat folge den Bedenken der Bürgerinitiative, weil sich im Nahbereich von Wonsees bis zu 50 Mühlen drehen könnten.


Die Sorge um das Landschaftsbild

Die Gemeinde sorge sich mit Blick auf das kulturhistorisch bedeutsame Sanspareil sowie auf das Landschaftsschutzgebiet bei Wonsees um das Orts- und Landschaftsbild, auf das laut Vorgabe der Staatsregierung bei der Ausweisung von Vorranggebieten zu achten sei. Das besonders schützenswerte Orts- und Landschaftsbild würde durch die Windparks beeinträchtigt beziehungsweise "in gewichtiger Weise negativ verändert", sagte Pfändner.

Die Gemeinde verweist in ihrer Stellungnahme auch darauf, dass sich im Marktgebiet 40 Hektar Photovoltaik-Freiflächenanlagen und weitere 60 im Umfeld befinden und Wonsees so schon einen großen Beitrag zur Energiewende geleistet hat.


Das sagt der Landrat

Dass der Planungsverband alle Stellungnahmen behandeln wird, stellte Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) gestern fest. Eine Aussage, ob sich bei Wonsees Windräder drehen werden oder nicht, könne man derzeit aber noch nicht treffen, sagte der Landrat, nach dessen Worten solche Projekte gegen die Bevölkerung nur schwer zu realisieren sind.

Wann der Planungsverband entscheide, stehe noch nicht fest. Ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss, so Söllner weiter, sei aber schon durchaus ein Aspekt, "den man in einer Entscheidung stark einbeziehen muss".
Abgelehnt hat der Wonseeser Gemeinderat in einer Stellungnahme in seiner Sitzung am Mittwochabend gegen die Stimmen von Günther Pfändner und Thomas Schmeußer auch die beiden im Thurnauer Gebiet geplanten Windparks Alladorf und Kleetzhöfe.