Marktleugast mit den Nummern 50 (Nordost) und 55 (Hohenberg): endgültig rausgenommen. Hegnabrunn: Geschichte; Harsdorf ebenso. Schirradorf Nord-West: getilgt, Schirradorf-Nord: raus, jedenfalls auf Kulmbacher Landkreisseite... Die genannten Gebiete: Sie alle waren ursprünglich Vorrangflächen für künftige Windkraft anlagen - mit Betonung auf "waren". In einer mehrstündigen Sitzung hat gestern der Regionale Planungsverband Oberfranken-Ost in der Hofer Freiheitshalle die aktualisierte Liste der Gebiete beschlossen.
Es gab teils gravierende Veränderungen zum bestehenden Regionalplan vor dieser ersten Anhörungsphase. Aus Kulmbacher Sicht die vielleicht unerwartetste: Die mit den Nummern 93 und 95 gekennzeichneten Flächen Schirradorf-Nordwest (Markt Kasendorf und Wonsees) respektive Schirradorf-Nord (Wonsees/Hollfeld) wurden herausgenommen, nachdem sowohl Landrat Klaus Peter Söllner, zugleich stellvertretender Vorsitzender des
Planungsverbands, als auch Wonsees' Bürgermeister Günther Pfändner das Wort ergriffen und für eine Streichung der Gebiete plädiert hatten.

Friedliche Demonstration

Worte, die bei Hans-Peter Zahner auf Respekt stießen. "Mein großes Kompliment an die beiden Kommunalvertreter, das war ein ganz toller Einsatz für die Region", lobte der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Pro Heimat Fränkischer Jura". Er hatte sich mit rund 40 Gleichgesinnten am Morgen zu einer friedlichen Demonstration vor der Freiheitshalle eingefunden.

Noch aber wollen Zahner und seine Mitstreiter die Banner und Transparente nicht gänzlich einrollen. "Wir haben einen Etappensieg erzielt, aber es bleiben noch andere Baustellen." Nicht glücklich zeigte er sich darüber, dass die Gebiete Tannfeld-Nord und Alladorf-Nordwest weiterhin planungs revelevant sind. Und die Situation bei Lochau/Eckersdorf sei "auch noch nicht wirklich zu 100 Prozent zufriedenstellend".

Um den Ort Lochau und das ganze Gebiet Busbach-Nord (Nummer 97 in der Liste), zugeschlagen dem Thurnauer wie auch dem Eckersdorfer Gemeinde gebiet (Landkreis Bayreuth), entspann sich in der Sitzung eine längere Diskussion. Landrat Söllner gab Thurnaus Bürgermeister Dietmar Hofmann Recht. Der hatte vorgeschlagen, aufgrund der Lage der Ortschaft von den bisher kalkulierten drei Anlagenstandorten abzusehen. "Die Marktgemeinde Thurnau hat bereits drei Kerngebiete ausgewiesen und damit unter Beweis gestellt, dass wir die Energiewende mitgestalten", sagte Hofmann.

"Problematische Wirkung"

Söllner pflichtete dem Bürgermeister bei und sprach sich ebenfalls für eine Reduzierung von bisher fünf auf zwei Standorte aus. "Mit den sechs Anlagen auf Eckersdorfer Seite wären immer noch acht Windräder möglich. Wir haben bei Lochau eine exponierte Hangkante, auf der die Rotoren postiert würden. Ich kann mir vorstellen, dass die Wirkung auf das Dorf durchaus bedrohlich wäre. Zumal es sich hier laut Definition um ein Dorfmischgebiet handelt und deswegen lediglich ein Abstand von 700 Metern zur Bebauung eingehalten werden müsste."

Kein Verständnis zeigte der Landrat jedoch für Äußerungen von Kritikern, wonach der Planungsverband mit seiner Flächenausweisung schlafende Hunde wecke. "Das Gegenteil ist der Fall", sagte Söllner. "Die Energiewende soll umgesetzt werden, das ist breiter Konsens. Wir als Planungsverband wollen steuernd wirken, was die potenziellen Standorte für Winkraftanlagen betrifft." Man dürfe nicht außer Acht lassen: Windräder sind privilegierte Vorhaben, könnten also prinzipiell überall entstehen. "Wenn wir keine Vorgaben machen, dann provozieren wir doch gerade den absoluten Wildwuchs der Anlagen, den keiner von uns will."

Söllner: Planung schafft Ausgleich

Es sei ein Verdienst des Planungsverbands, so Söllner, dass schon heute durchgängige und verlässliche Kriterien für jeden potenziellen Standort definiert wurden. Das gelte unter anderem für Abstandsflächen zwischen Rotoren und Ortschaften. "Die haben wir sogar vergrößert. Zu reinen Wohngebieten sind es keine 800, sondern 1000 Meter. In Mischgebieten konnten wir die Distanz von 500 auf 700 Metern erweitern." Die Regionalplanung habe auch auf höherer Verwaltungsebene Beachtung gefunden und schaffe einen vernünftigen Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessenslagen. "Wir stellen genügend Flächen bereit für Windenergie - das aber gebündelt und auf rechtssicherer Grundlage."