In Marktschorgast wird es definitiv einen neuen Bürgermeister geben, denn Hans Tischhöfer (Freie Wähler) tritt nicht mehr an. Wer sein Nachfolger wird? Marc Benker (CSU/43), der seit 18 Jahren Gemeinderat ist und zum dritten Mal für das Bürgermeisteramt kandidiert, oder Dieter Zeidler (49), der für die SPD antritt und ein politischer Newcomer ist? Beim Redaktionsgespräch der Bayerischen Rundschau wurde deutlich: Die Kontrahenten favorisieren unterschiedliche Projekte. Gewerbegebiet

In der Erschließung eines Gewerbegebietes an der A 9 sieht Marc Benker eine "Riesenchance". Bei Kosten von vier bis fünf Millionen Euro sei es aber auch eine gewaltige Herausforderung. Die Flächen an der Autobahn seien "ein Filetstück". Die Zeit dränge, denn es gebe einen Investor, der seine Pläne schon 2020 umsetzen wolle. Auf die Frage, ob dieser auch ein Hotel und eine Tankstelle errichten will, sagt Benker: "Das wird in der Öffentlichkeit kolportiert. Ich möchte das nicht dementieren."

Von einer "großen Chance" für den Markt spricht auch Dieter Zeidler. Die A 9 sei für Gewerbetreibende ein attraktiver Standort. Es könnten Arbeitsplätze geschaffen werden, so Zeidler, der sich die Ansiedlung kleiner und mittelständischer Firmen wünscht. Ein Augenmerk sollte bei der Erschließung auf die Nutzung erneuerbaren Energien gelegt werden. Remise am Rathaus

Ein Projekt, das Dieter Zeidler vorantreiben will, ist die Sanierung und der Umbau der Remise am Rathaus. Er sprach davon, dass es schon seit den 90er Jahren ein Nutzungskonzept gebe, dessen Umsetzung wegen der hohen Kosten immer wieder verworfen worden sei. Bei einer Förderquote von 90 Prozent sei es jetzt Zeit, die Maßnahme zu starten. Bei der Frage der Nutzung will er die Bürger einbinden.

Dass die Remise ein wichtiges Projekt ist, das zeitnah umgesetzt werden muss, stellt Marc Benker fest, der, was die Nutzung betrifft, konkrete Vorstellungen hat. Im unteren Bereich könnte die Bücherei, im oberen das Archiv untergebracht, oder auch ein Büro für den Jugendpfleger geschaffen werden. Damit würde mehr Platz für die Verwaltung im Rathaus frei. Goldbergsee

Naturbad oder Erlebnisbad? "Der Goldbergsee soll ein Naturbad für alle Generationen sein", sagt Marc Benker, nach dessen Worten die Gemeinde Geld in die Hand nehmen muss, um die Freizeitanlage attraktiv zu gestalten. Da der Sprungturm aus Sicherheitsgründen abgerissen werden müsse, biete sich eine Chance für neue Elemente. Benker kann sich eine Sprungalternative in einer Holzvariante vorstellen, auch eine Rutsche. Beim Kassen- und Wasserwachtgebäude sei ein Neubau erforderlich, der Kiosk müsse barrierefrei gestaltet werden.

"Wir lieben den See so, wie er ist", entgegnet Dieter Zeidler, der zu Bedenken gab, dass mehr Personal zur Verfügung gestellt werden muss, wenn mehr Geräte aufgestellt werden. Viele würden die Ruhe am Naherholungsbad schätzen. Seine Devise lautet "weniger ist oft mehr". Zeidler will aber bauliche Verbesserungen etwa am Kassenhäuschen in Angriff nehmen. Senioren Der SPD-Kandidat kann sich eine Senioreneinrichtung beim ehemaligen Gasthof "Goldener Löwe" vorstellen. Das Projekt sei eines seiner Steckenpferde, so Zeidler. Er freue sich, dass sich nun auch die CSU dem Thema widme. Zeidler schwebt ein "belebtes" Haus vor, in dem Pflegebedürftige ebenso ihr Zuhause finden wie Senioren, die noch rüstig sind und in Wohngemeinschaften leben könnten. Ein Projekt wie am "Mainpark" in Kulmbach ist nach seinen Worten denkbar.

Marc Benker zeigt sich überrascht, dass Dieter Zeidler der CSU hier Untätigkeit vorwirft. Er habe seit 2008 beim "Goldenen Löwen" eine Senioreneinrichtung im Blick, sei vom SPD-Mann Nikolaus Ott dafür belächelt worden. Sinn mache das Projekt nur, wenn auch die "Werksküche" erworben werden könne, so der CSU-Kandidat, der darauf verweist, dass er andere Nutzungsvorstellungen hat. Er wolle, bevor konkrete Pläne geschmiedet werden, die Senioren befragen. Er könne sich auch eine Tagespflegeeinrichtung vorstellen. Bahnhofsgebäude

Der Umbau des Bahnhofsgebäudes sei wichtig, habe für ihn aber nicht oberste Priorität, erklärt Marc Benker. Laut einer Machbarkeitsstudie müssten 1,6 bis 1,8 Millionen Euro investiert werden. Er wünscht sich, dass die Rolle Marktschorgasts bei den Pfingstdampftagen gewürdigt wird, die in Neuenmarkt über die Bühne gehen. "Denn zur Schiefen Ebene gehört auch ein Bergbahnhof, und den haben wir." Eine Aufwertung des Vorplatzes hält er für wichtig. Benker spricht von einer Maßnahme, die im dritten Drittel der nächsten Legislaturperiode in Angriff genommen werden könnte.

Dass der Bahnhof aufgewertet werden muss, steht für Dieter Zeidler außer Frage. Man müsse die Chance zur Umgestaltung nutzen, wenn Fördermittel da sind, so der SPD-Kandidat, der sich eine WC-Anlage wünscht, sich einen Mehrzweckraum vorstellen kann, der von der VHS oder für Kunstausstellungen genutzt werden kann. Auch die Schaffung eines Büros oder einer Wohnung sei denkbar.

Benker weist Zeidler darauf hin, dass es bereits eine fertige Planung gibt, in der ein Mehrzweckraum vorgesehen ist. "Und das war meine Idee." Neubaugebiet

"Wir brauchen Wohnraum", betont Marc Benker, der ein besonderes Augenmerk auf die Leerstandsbekämpfung legen will. "Junge Familien wollen nicht alle in ein Neubaugebiet. Wir haben Potenzial in der Verdichtung", erklärt der CSU-Gemeinderat, der sich nur die Ausweisung eines kleinen neuen Baugebiets vorstellen kann. Um einen Anreiz zu schaffen, in Marktschorgast zu bauen, könnte die Gemeinde die Heizungen finanzieren. "Bei nur zehn Parzellen wäre das möglich."

Dass die vorhandenen Baulücken oft in Privatbesitz seien und die Gemeinde keinen Einfluss auf die Nutzung habe, stellt Dieter Zeidler fest, der sich anders als Benker die Ausweisung eines größeren Baugebietes mit bis zu 50 Grundstücken vorstellen kann. "Die Infrastruktur ist da. Wir haben alles zu bieten", stellt der SPD-Bewerber fest, der so Neubürger werben will. Einkaufsmarkt Ein großer Einkaufsmarkt im Gewerbegebiet an der A 9 ist für Dieter Zeidler keine Option. Er sei gegen eine große Flächenversiegelung, zumal es in den Nachbargemeinden schon viele Vollsortimenter gebe. Er wolle zudem die Kleinstbetriebe, die in Marktschorgast die Dinge des täglichen Bedarfs bereitstellen, schützen. Zeidler wünscht sich "mobile Händler", die mit ihrem Warenangebot ein oder zwei Mal in der Woche im Ort Halt machen.

Marc Benker hat auch die heimischen Händler im Blick, macht sich über einen CAP-Markt Gedanken, glaubt aber, dass ein Einkaufsmarkt im Außenbereich ein Gewinn wäre. Um dort allen Marktschorgastern den Einkauf zu ermöglichen, sollte man dem Gedanken näher treten, einen autonom fahrenden Bus einzusetzen.