Die Gaststätten auf den Dörfern sterben aus - und mit ihnen die geselligen Stammtisch-Runden, die dann, wenn Wirte ihre teils über Jahrzehnte geführten Familienbetriebe dicht machen müssen, ihre Heimat verlieren. In jeder vierten Gemeinde im Freistaat, so sagen die Statistiker, gibt es heute schon kein Wirtshaus mehr.

Über Gott und die Welt

Im kleinen Thurnauer Ortsteil Tannfeld gibt's noch eins, und dort treffen sich jeden Donnerstag die "Lustigen Zehn" zu ihrer Schafkopfrunde. "Seit mittlerweile 40 Jahren", betont Hans Schwarz (73), der mit Andreas Hofknecht (79) und Helmut Amschler (62) zu den Gründungsmitgliedern des Männerstammtisches gehört.

"Wir trinken unser Seidla Bier, spielen Schafkopf und waafn über Gott und die Welt", sagt Schwarz, der sich noch gut an den Auftritt der Zentbach-Flippers im Wirtshaussaal erinnert, der 1972 den Anstoß zur Vereinsgründung gegeben hatte. "Wir haben da ein paar Mark eingenommen und uns dann entschlossen, den Verein aus der Taufe zu heben." Zehn Männer waren es, und so hat sich die heitere Runde folgerichtig "Die lustigen Zehn" genannt.

Politiker bekommen ihr Fett ab

Frauen sind bei den Herrenabenden in der Gaststube von Karl Passing nicht erwünscht. "Die haben in Tannfeld ja am Mittwoch ihr eigenes Wirtshaustreffen", sagt Hans Schwarz, der darauf verweist, dass es sich bei den "Lustigen Zehn" zwar um keine politische Vereinigung handelt, am Stammtisch natürlich aber Politik gemacht wird.

"Wir schimpfen über die große und die kleine Politik", erklärt Helmut Täuber (76). Auch wenn die Runde "schwarz geprägt ist", seien Männer jedweder politischer Couleur willkommen. Auch ein SPDler dürfte seine Meinung äußern. "Recht bekommt er bei uns aber mit Sicherheit nicht", sagt Hans Schwarz mit einem Schmunzeln.

Die Abholzaktion

Es ist ein hartgesottener Haufen, der immer wieder auch eine soziale Ader gezeigt hat. Als ein Tannfelder schwer erkrankt war, sind die Stammtischmitglieder mit Schleppern und Wagen ausgerückt und haben im Wald einen Tag lang Holz gemacht. "Damit er genug Brennholz für den Winter hatte", berichtet Hans Schwarz, der mit Karl Passing auch gerne an das Fußballspiel gegen eine Mannschaft der Tannfelder Damenwehr zurückdenkt. Das hat in den achtziger Jahren über 500 Zuschauer auf den Fußballplatz in Thurnau gelockt. "Du musst heute ja schon in der Regionalliga sein, um vor einer so großen Kulisse zu spielen", meint Karl Passing. Die "Lustigen Zehn" haben das Gaudispiel zwar 2:3 verloren, aber kein Trübsaal geblasen. Denn gekickt wurde ja für einen guten Zweck. Hans Schwarz: "Die 735 Euro, die wir eingenommen haben, haben wir für die Aktion ,Sorgenkind' gespendet."

Über 2000 Mal hat sich der Stammtisch schon getroffen, auch viele Ausflüge ins In- und Ausland unternommen. In besten Zeiten hatte man 13 Mitglieder. "Weniger als zehn waren wir nie", sagt Hans Schwarz, der weiß, dass vielerorts nicht nur Gaststätten, sondern auch Stammtische vom Aussterben bedroht sind.

Froh ist er deshalb, dass die "Lustigen Zehn" immer wieder von Auswärtigen Unterstützung erhalten. So kommt Helmut Täuber, ein gebürtiger Tannfelder, der heute in Bayreuth wohnt, immer wieder zur Kartenrunde. Im Schlepptau hat er den Bayreuther Uwe Natzi. Was den an Tannfeld reizt? "Das Schafkopfen und die urige Runde", sagt der 49-Jährige, der weiß, dass im Thurnauer Ortsteil noch ein besonderes Stück Wirtshauskultur gelebt wird.