469 Männer und Frauen haben sich gegen die drei im Regionalplan vorgesehenen Vorranggebiete ausgesprochen, in denen landkreisübergreifend bis zu 20 Windräder entstehen könnten. 201 Unterschriften stammen aus Thurnau selbst, 142 aus dem benachbarten Neustädtlein und 126 aus dem weiteren Umkreis. "Die Wirkung der Windräder ist ja auch nicht auf eine einzelne Gemeinde begrenzt", sagte Veit Pöhlmann, der als Sprecher der Bürger deutlich machte, dass die stolze Unterschriftenzahl in nur fünf Tagen erreicht worden ist. Weitere Listen seien im Umlauf.

"Das wäre eine Katastrophe"

Die Kritiker lehnen Windkraft nicht generell ab, sprechen aber von völlig überdimensionierten Plänen, die bei Kleetzhöfe und Alladorf je fünf und weitere Windräder an der Landkreisgrenze zu Bayreuth vorsehen.
So fürchten die Lochauer, dass ihr Ort durch den Windpark Busbach-Nord durch bis zu zehn Anlagen beeinträchtigt wird. "Das wäre eine Katastrophe", sagen Roland und Andrea Balzer, die ihr 100 Jahre altes Haus erst saniert haben und um die Lebens-, Wohn- und Freizeitqualität fürchten. Dass er mit dem Gedanken spielt, nach Lochau zu ziehen, der Windpark aber bei der Suche nach einem Bauplatz ein Ausschlusskriterium wäre, stellte Stephan Otte aus Kulmbach fest. Die Lochauer sprechen von nicht hinnehmbaren Beeinträchtigungen, die dadurch entstünden, "dass so viele Vorranggebiete im Oberland mit vielen gigantischen, 200 Meter hohen Industrieanlagen bebaut werden sollen".

Das sind die Forderungen

Die Unterzeichner widersprechen den Änderungen im Regionalplan sowie der "damit verbundenen Aushebelung der gemeindlichen Planungshoheit". Der Markt wird aufgefordert, die Änderung der Fläche Nummer 97 Busbach-Nord auf Thurnauer Gebiet gänzlich abzulehnen. Die Gegner wollen, dass die Fläche bei Lochau aus der Änderung des Flächennutzungsplans herausgenommen, die anderen Vorranggebiete in ihrer Größe drastisch reduziert werden und die Fläche 96 bei Tannfeld gestrichen wird.

Sondersitzung der Räte?

Veit Pöhlmann forderte die Gemeinde auf, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen und die Einwände in die Stellungnahme des Marktes an den Regionalen Planungsverband einfließen zu lassen. Neben einer Bürgerversammlung sollte kurzfristig eine Sondersitzung des Gemeinderats einberufen werden. Er wünschte sich, dass sich die Räte "differenzierter als bisher" mit der Materie befassen. Zynisch nannte er das Argument, dass "vorbelastete Flächen" entlang der Autobahn für die erneuerbaren Energien prädestiniert seien. Es sei ein Unding, dass dort, wo die Belastung schon groß ist, diese bis zum Unerträglichen gesteigert wird, während das Alpenvorlandgebiet zur windkraftfreien Zone erklärt werde.

Fristverängerung?

Dass das Busbacher Projekt maßgeblich von Eckersdorfer Seite vorangetrieben wird und der Gemeinderat seine Stellungnahme zu den Windparks Kleetzhöfe und Alladorf schon verabschiedet hat, stellte Bürgermeister Dietmar Hofmann fest. Eine Sondersitzung sei so kurzfristig nicht möglich, führte Verwaltungsleiter Hans-Peter Ströbel an. Hofmann teilte mit, dass sich die Räte in einer Sitzung am 18. Februar mit dem Bürgerprotest befassen werden. Sollten sie den Einwänden zustimmen, werde man das dem Planungsverband mitteilen. Weil die Stellungnahme dort bereits am 15. Februar vorliegen muss, werde er, so der Bürgermeister, für diesen Fall um eine Fristverlängerung bitten.

Nur drei Windräder: "Unrealistisch"

Hofmann machte deutlich, dass der Wunsch der Bürger, nur drei Windräder im Gemeindegebiet aufzustellen, nicht zu realisieren sei. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit würden die Projektanten auf die Bündelung der Energieanlagen setzen. Diese werde ja auch von der Regierung eingefordert, die so einer "Zerspargelung" der Landschaft entgegentreten wolle.

"Das Auge gewöhnt sich dran"

Den Vorwurf, dass die Bürger nicht in den für die Entwicklung der Gemeinde wichtigen Prozess eingebunden worden sind, wies der Bürgermeister zurück. Anders als die Kritiker fürchtet Hofmann auch keine große Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. "Das Auge gewöhnt sich dran", sagte Hofmann.