Einen Ghostwriter? Braucht Willy Astor nicht, sagt er. Bei ihm kommt der Humor "direkt vom Erzeuger". Wer sich überzeugen möchte, der hat am morgigen Donnerstag ab 20 Uhr in der Dr.-Stammberger-Halle dazu Gelegenheit. Dann gastiert der Münchner mit seinem neuen Programm "Reim Time". Im Interview spricht der Münchner über die Notwendigkeit des Witzes in Zeiten von Mord und Totschlag, wie im Hause Astor Komponieren en passent zum Kindererziehen vonstatten geht, und weshalb die "Nautilus" immer noch in seinem Programm auftaucht.

Vor 30 Jahren standen Sie erstmals mit eigenen Stücken auf einer Bühne. Wenn Sie Ihr neues Programm einordnen sollen: Darf man den Willy Astor des Jahres 2015 als politischer werten als den von 1985?
Es gibt eine Nummer im Programm, die ich vergangene Woche aktuell reingenommen habe. Dabei geht es um die Waffenlobby. Das streift das momentan alles beherrschende Thema des Terrors.
Aber das soll nicht bedeuten, dass ich mit der Brechstange plötzlich als gesellschaftskritischer Kabarettist daherkommen will. Ein kritischer Geist bin ich als Privatmensch sowieso - auf der Bühne pflege ich die Figur des Komödianten. Ich möchte da nicht auf Biegen und Brechen einen Imagewechsel vollziehen.

Sind Themen wie die Anschläge von Paris überhaupt für einen "witzigen" Auftritt verwertbar?
Ich halte mich für so reif, dass ich selber entscheide, ob ich etwas zu dieser Situation sage oder nicht. Grundsätzlich aber bin ich nicht auf der Bühne, um den Leuten nochmals den Schrecken in die Glieder fahren zu lassen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin dazu da, einen Schabernack zu machen und mein Publikum mit Humor aus dem Alltag zu entführen. Ob da jetzt kurz zuvor Schreckliches geschehen ist wie in Paris: Meine Aufgabe als Humorist ist es, die Leute zum Lachen zu bringen.

Humor ist also lebens- und vielleicht auch überlebenswichtig?
In jedem Fall. Mein Motto ist: Albernheit verhindert den Ernst der Lage. Die Menschen brauchen den Humor, um über schwierige Situationen des Lebens hinwegzukommen.

Kommen wir aufs aktuelle Programm zu sprechen. Sie haben in einem Interview gesagt: Man muss irgendwann auch mal seine "Darlings" killen. Welche haben denn überlebt?
Ich streue, wie andere Kollegen auch, Klassiker ein. Das Repertoire ist in 30 Jahren wahnsinnig angewachsen. Die Leute freuen sich, wenn sie Nummern hören, die sie schon kennen. Aber natürlich gibt es viel Neues.

Was gibt es Neues beim Privatmann Willy Astor?
Ich bin relativ junger Vater einer relativ jung gegründeten Familie. Allein das hält mich manchmal mehr, als ich will, auf Trab. Quasi nebenbei bin ich noch auf Deutschlandtour. Ich will mich aber nicht beklagen, ich bin halt zurzeit extrem gefordert als Mensch. Ich führe schon lange nicht mehr das Leben des Bohemiens, der früh um 10 Uhr aufsteht, ins Caféhaus geht und die Welt verbessert.

Die Sicht auf die Dinge haben sich bei Ihnen geändert?
Ja, manchmal wird man durch eine Familie auch richtiggehend mitten reingeworfen. Da gibt es keine Routine bei zwei kleinen Kindern. Ich liebe meine Kinder über alles. Aber ich habe auch den Vergleich zu dem Leben, das ich vorher gehabt habe - und das war ungleich bequemer, entspannter und leichter.

In Kulmbach kennen Sie die Auftrittsorte Stadthalle und Plassenburg. Gibt es für Sie als Künstler einen Unterschied?
Eigentlich nicht. Wobei: So ein lauschiger Sommerabend auf der Plassenburg ist schon großartig. Wir haben da ganz tolle Vorstellungen gehabt, an die Kulmbacher Burg habe ich nur die besten Erinnerungen.

Viel Neues bei Astor - da bleibt die Frage nach einem alten Bekannten: Gibt es das Schluss-Stück "Nautilus" noch?
Ja, das ist sozusagen eines meiner groß gewordenen Kinder. So etwas wie ein Talisman. Ich spiele das Stück nach wie vor, es wäre fast undenkbar, eine solche Nummer an einem Live-Abend wegzulassen. Sie hat offenbar auch nach mehr als 20 Jahren noch eine unglaubliche Frische. Das ist wie ein schönes warmes Bad für die Seele der Zuschauer - und meine auch.

Das Lied vom U-Boot ist ja ein Instrumentalstück aus Ihrer Akustik-Reihe "Sound of Islands". Gibt es da eine Fortsetzung?
In diesem Jahr haben wir zwei Mal im Juni mit dem Rundfunkorchester, also 70 Mann hoch, einen Instrumental-Abend gemacht. Das war der Hammer, aber jetzt pausiere ich erst einmal. Aber die "Sound of Islands" werden eine Renaissance erleben. Ich werde ein sehr reduziertes, reines Gitarren-Album machen. Ich hoffe, dafür meine Lieblingsgitarristen um mich scharen zu können. Es wird eine Platte für Trio werden, eine sehr ruhige Fingerstyle-CD. Zurück zu den Wurzeln, und das ist bei mir die Gitarrenmusik. Nächstes Jahr wird es soweit sein. Ich fange jetzt an zu komponieren - mal schauen, wie weit mich meine Kinder kommen lassen.