Nur noch vier Tage bis Heiligabend. Jetzt müssen schleunigst die letzten Geschenke her. Statistisch gesehen gibt ein Deutscher 280 Euro für Geschenke aus. Der mittelfränkische Einzelhandel erwartet für November und Dezember einen Umsatz von rund 1,95 Milliarden Euro - die Zahlen für Unter- und Oberfranken sind ähnlich. Da muss das Geschäft der Einzelhändler doch brummen, oder? "Man merkt auf jeden Fall, dass es auf Weihnachten zugeht", meint Christine Friedlein, Inhaberin der Buchhandlung Friedrich. Den richtigen Run erwarte sie ab dieser Woche.

Ein großer Teil der Weihnachtsgeschenke werde weiterhin im Internet bestellt. In Mittelfranken werden 240 Millionen Euro online umgesetzt - neun Prozent mehr als im Vorjahr. "Die meisten vergessen, dass fast jeder Einzelhändler vor Ort auch einen Onlineshop hat", sagt Friedlein, die für ihre Bücherei selbst einen betreibt. Da müsse man nicht bei den riesen Online-Konzernen aus den USA bestellen.


Läuft das Weihnachtsgeschäft in Kulmbach?

Im Schmuckladen gegenüber ging das Weihnachtsgeschäft schon Ende November los, erzählt Silvia Canola-Haußner, Inhaberin der "Sissis Schmückburg". Personalisierte Armbänder oder Ketten und Uhren seien dieses Jahr die Renner. Silvia Canola-Haußner scheint mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft zufrieden zu sein. Ganz anders ist die Stimmung in der Parfümerie Aurel ein paar Häuser weiter. Momentan sei es sehr ruhig. Filialleiterin Annette Spindler sucht nach Gründen: "Zu wenig Parkplätze, das Wetter oder vielleicht fahren viele lieber nach Bayreuth."

Die größten Schwierigkeiten machen für sie die ungleichen Öffnungszeiten in der Innenstadt. Erst vergangenes Wochenende kam eine Kundin aus Bayreuth in die Parfümerie, die noch in anderen Läden in Kulmbach - die bereits zu hatten - Geschenke kaufen wollte. Ihr Resümee: Das nächste Mal mache sie ihre Besorgungen lieber wieder in Bayreuth. "In Kulmbach gehört das allgemeine Konzept geändert", meint Spindler.


Ist das überhaupt möglich?

Doch wären einheitliche Öffnungszeiten überhaupt realisierbar? Wir haben bei Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) nachgefragt: "Einheitliche Öffnungszeiten wären sicher eine gute Sache, aber die finale Entscheidung, wie lange ein Einzelhändler sein Geschäft aufmacht, das kann nur er selbst, unter Einbeziehung geltender rechtlicher Vorschriften, entscheiden."

Claudia Eichhorn hat die Öffnungszeiten ihres Ladens "Ideenreich" an den Samstagen vor Weihnachten verlängert - von 14 auf 16 Uhr. Aber warum? "Weil man das halt so macht", scherzt Eichhorn, die in ihrem Laden Geschenke aus Stoff, Kinderbekleidung und Spielsachen anbietet. "Viel ist nach 14 Uhr nicht mehr los, aber dann arbeiten wir unsere Bestellungen ab und sticken, was das Zeug hält", ergänzt sie.

Alexandra Hofmann, Inhaberin der Parfümerie Benker und Vorsitzende der Händlervereinigung "Unser Kulmbach", kennt das Thema der Samstagsöffnungszeiten schon seit 30 Jahren. Sie hat ihre Parfümerie am Samstag bis 17 Uhr geöffnet. "Wenn jemand Mitarbeiter bezahlen muss, dann rechnet sich das nicht", meint sie. Die Weihnachtssamstage seien lange nicht mehr mit denen vor 20 Jahren zu vergleichen.


Besteht noch Hoffnung?

Trotz Bemühungen der Händlervereinigung sei die Innenstadt ab 13 Uhr leer. "Die Leute fahren nach Bayreuth, Nürnberg oder Bamberg, wenn das Wetter passt." Für Hofmann liegt das aber nicht an den Geschäften, die seien toll.

In das Weihnachtsgeschäft könnte laut Hofmann jedoch noch etwas Schwung kommen. "Es verschiebt sich alles weiter nach hinten. Die Leute können dieses Jahr schließlich noch bis Samstag einkaufen." Und das werden nach den Erfahrungen von Alexandra Hofmann auch viele nutzen. Geschenkesuche auf den allerletzten Drücker.