Als Ronald Röttgen aus Stadtsteinach vor einigen Wochen eine Anfrage der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bekam, traute er erst seinen Ohren erst nicht. Denn die Gruppe um Robert Thiele vom Kunsthaus Dresden und um den syrischen Künstler Manaf Halbouni interessierte sich für gebrauchte Busse und wollte daraus ein riesiges Kunstobjekt machen. "Wir sind auf den bayerischen Busunternehmer gestoßen, weil es in diesem Bereich gar nicht so viele Unternehmen gibt", erklärt Thiele auf Nachfrage dieser Zeitung.
Platziert werden sollten die Busse auf dem Neumarkt in Dresden - direkt vor der berühmten Frauenkirche. Schon der Transport der Busse nach Dresden war spektakulär. Dann mussten die Busse vorbereitet werden, um sie auch wirklich vertikal aufstellen zu können.
Seit heute sind die Busse tatsächlich Kunst. Der syrische Künstler Manaf Halbouni will mit diesem unübersehbaren Kunst-Objekt ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit setzen. Das Motiv der aufgerichteten Busse greift ein Bild aus Aleppo auf, das bereits im März 2015 durch die Medien gegangen ist, erklärte der Künstler bei der Eröffnung des Kunstwerkes. Das Motiv, das damals um die Welt ging, zeigt eine Straße im Ostteil der Stadt, abgeschirmt durch drei Buswracks, die notdürftig mit Drahtseilen zwischen den Häusern verspannt wurden. Die Barrikade war eine von unzähligen Straßensperren, die Zivilisten während der Kampfhandlungen in der Stadt errichtet haben, um das Leben von Menschen zu schützen.


Sinnbild für Leid und Hoffnung

Manaf Halbouni möchte mit dem Bild der aufgestellten Busse mitten in Dresden jetzt eine Verbindung zwischen der Situation der Menschen im Nahen Osten und in Europa schaffen: Er will das Leid der Menschen in Aleppo darstellen, ihre unaussprechlichen Verluste, aber auch ihre Hoffnung auf Wiederaufbau und Frieden nach Deutschland bringen. Das Kunstprojekt der besonderen Art trägt übrigens den Titel "Monument".
Insgesamt ist das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Dresden entstanden. Viele Sponsoren haben sich an der Realisierung beteiligt. Und die war alles andere als einfach. Denn die Künstler haben eine Extra-Konstruktion erstellt, damit die Busse auch wirklich standfest sind. Ein Betonsockel und eine eigene Konstruktion im Untergrund halten das rund 12,5 Meter hohe Bus-Kunstprojekt. Das Innenleben der Busse ist übrigens nahezu komplett entfernt worden.

Proteste bei der Einweihung

Bei der Einweihung des Denkmals kam zu zu Störungen durch Demonstranten. Wie verschiedene Medien berichteten, störten die Gegner des Projekts die Eröffnungsreden mit lauten Buhrufen und Parolen wie "Haut ab" oder "Schande". Nach Angaben der Polizei waren es etwa 60 Gegner, die ihrem Unmut gegen das Bus-Projekt Luft machten. Die Busse waren mehrere Jahre für die VAG Nürnberg in Betrieb und wurden vergangenes Jahr ausgemustert.