Der Weltklasse-Geiger Professor Michael Grube gastiert am 14. September um 19.30 Uhr im Lindenhof Salem in Stadtsteinach und gibt dort ein Gratis-Konzert.

Wann haben Sie angefangen, Geige zu spielen?
Michael Grube: Ich habe im Alter von vier Jahren angefangen, Violine zu spielen. Mein Vater war der heute noch bekannte, aber leider längst verstorbene Geiger und Komponist Professor Max Ludwig Grube. Er war auch mein erster Lehrer. Meine Mutter war die Pianistin Helen Grube. Sie hat mich schon von Anfang an am Klavier begleitet.

Wie oft üben Sie heute und wie lange?
Mit der Violine sollte man leben, denn das ist es, was das Publikum spürt. Momentan bin ich auf Solotournee. Ich verbringe überhaupt sehr viel Zeit reisend.
Wenn ich zu Hause in Ecuador bin, übe ich - wie alle Geigensolisten - sechs bis sieben Stunden täglich.

Gab es einmal Krisen, so dass Sie den Bogen hinschmeißen wollten?
Nein. Aber es gab einmal eine Zeit, wo ich lieber Rock-Geiger werden wollte. Damals war ich so etwa 16 Jahre alt. Mein Vater leitete mich dann zunächst zum Jazz um. Heutzutage verehre ich allerdings alle guten Künstler und ich mag alle Stile.

Spielen Sie noch weitere Instrumente?
Ja, Klavier und Saxophon. Außerdem habe ich im Hauptfach Komposition studiert.

Wie sind Sie Sologeiger geworden und was reizt sie an solistischen Auftritten besonders?
Alles. Sologeiger bin ich seit 1967. Ich begann die Berufskarriere schon im Alter von 13 Jahren. Große Künstler, darunter der letzte Walzer-König Professor Robert Stolz aus Wien, meine Lehrer Henryk Szeryng und Max Rostal, beides weltberühmte Geigensolisten, unterstützten und ermutigten mich immer.

Warum spielen Sie alles auswendig?
Damit erwecke ich die Solowerke wirklich zum Leben. Es ist genau so, ob Sie frei sprechen können oder eine Rede ablesen würden - so ist das auch mit der Musik. Also, eine Liebes-Erklärung an meine Frau wollte ich jedenfalls nicht ablesen. Und Musik ist auch Liebe, das ist erwiesen.

Sie spielen auf einer besonderen Geige. Wie sind Sie zu Ihrer Amati gekommen?
Oh, die Amati ist das Erbe eines berühmten Geigers, der mich mochte. Ich habe diese Violine schon immer sehr verehrt. Sie hat eine Persönlichkeit und ist wie ein Mensch.

Was mögen Sie persönlich am Klang der Geige?
Diese Geige ist zärtlich. Sie spricht und bringt enorme, auch sehr dramatische Kontraste. Sie fördert wunderschöne Farben zu Tage und eignet sich speziell für französische Musik, für den Impressionismus. Aber auch für Johann Sebastian Bach.

Sie haben mit der Amati auch schon mal einen Schrecken erlebt?
Ja, schon mehrere. Ich habe viele Schrecken erlebt. Ich habe sie einmal verloren. Es gab einen gewaltsamen Überfall mit doppeltem Schädelbruch. Das war schlimm.

Was wird der Höhepunkt beim Konzert bei salem in Stadtsteinach?
Für mich wird der Höhepunkt das Schlusswerk, Chanconne d-moll von Johann Sebastian Bach. Das ist der Vater der Musik. Das Werk erklingt auch relativ selten. Insgesamt wird das Programm rund siebzig Minuten dauern und ist sehr abwechslungsreich.

Wie ist das für Sie, in so kleinem Rahmen zu spielen und wie erklären Sie sich den immer sehr intimen Kreis? Verstehen die Menschen von heute die klassische Musik nicht mehr?
So ein intimer Kreis ist besonders schön und wertvoll. Ich denke, die großen Komponisten spielten meist für einen sehr kleinen Hörer-Kreis.

Wie viele Stationen umfasst Ihre Europatournee in diesem Jahr?
Ich habe auf meiner Tournee in diesem Jahr rund einhundert Stätten in 17 Staaten. Besonders schön ist Wien, wo ich am 1.September gespielt habe und am 6. November wieder spielen werde. Wien ist nicht nur die Welthauptstadt der Musik, sondern so etwas wie meine zweite Heimat. Ich wurde dort geprägt. Denn eigentlich stamme ich aus Überlingen am Bodensee. Paris ist auch sehr wichtig für die Historie und Aktualität in meinem
Beruf. Sogar London. Und Berlin war und ist wertvoll.

Welche Verbindung haben Sie zu Salem?
Mit Salem verbindet mich eine echte Herzensliebe. Es ist eine uralte Freundschaft, die mein Leben geprägt hat. Ich bewunderte Gottfried Müller und seine Familie. Die Familie Müller brachte mich zu Konzerten nach Uganda, Kaliningrad und zur Famlie Olszewski bei Salem in Kovahl, die ich ebenso verehre. Die Salem-Kinder, die Salem-Ernährung, alles ist etwas ganz Besonderes.

Wo würden Sie gerne einmal auftreten?

Das kann ich ganz klar sagen. Ich würde gerne als Solist des großen Dirigenten Zubin Mehta einmal auftreten.

Welche Hobbys haben Sie sonst noch - außer Musik?
Das ist einfach: meine Familie, die Staaten Venezuela und Ecuador, wo ich seit Jahrzehnten lebe, und deren Natur-Schönheit. Aber ich liebe auch die Menschen Ecuadors und die Kunst.