Er hat die Kleingärtner am Güterbahnhofsgelände geplagt, aber auch belustigt: Der Biber hat in den Gärten entlang seines Reviers alles angefressen, was ihm vor die langen Zähne kam, Obstbäume gefällt, Beete untertunnelt. Aber er war auch ein spannendes und unterhaltsames Stück Naturbeobachtung, während er gegenüber Birgit Kemmelmeiers Gartenhütte wohnte.

Jetzt wird es dort allerdings einsam und ungemütlich. Die Gärten werden gerodet, die verbliebenen Bäume gefällt. Der Biber hat bald die Campus-Großbaustelle neben seinem Bau. Muss auch er sich eine neue Bleibe suchen? Braucht er dabei vielleicht sogar Hilfe?

Alexander Kusche von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Kulmbach hat die Situation im Blick, gibt aber fürs Erste Entwarnung. Die Tiere seien recht anpassungsfähig. "Der Biber hat sich von den bisherigen Baumaßnahmen in seinem Revier nicht beeindrucken lassen", sagt Kusche. "Wenn ihm die Umstände nicht mehr gefallen, wandert er in der Regel ab und sucht sich allein ein anderes Revier." Möglicherweise könnte er sich dann in die renaturierte Flutmulde zurückziehen, wo bislang noch kein Biber ansässig ist. "Vielleicht bleibt er aber auch und wird der Campus-Biber."

Zu Schaden kommen solle das Tier natürlich keinesfalls. Deshalb werde man die Entwicklung beobachten und den Biber notfalls umsiedeln.

Aufmerksam beobachtet wird auch die Population der bei uns seltenen Mauer-Eidechsen, die sich auf dem Güterbahnhof-Areal angesiedelt haben und geschützt sind. "Die sollen möglichst dort bleiben. Wir wollen verhindern, dass sie sich im freien Gelände ausbreiten und dort die ebenfalls geschützten Zaun- und Waldeidechsen verdrängen", so Kusche.

Im Zuge der Planung für den Universitätscampus wurden zahlreiche Gutachten in Auftrag gegeben, sagt Pressesprecher Jonas Gleich von der Stadt Kulmbach. "Uns liegt daher auch ein landschaftspflegerisches Gutachten vor, dass sich mit der dortigen Flora und Fauna befasst. Alle schützenswerten Arten werden auf entsprechende Ausgleichsflächen umgesiedelt. Diese Flächen werden sich ebenfalls auf dem Güterbahnhofsgelände befinden und den Tieren und Insekten als Rückzugsort und Lebensraum weiterhin zur Verfügung stehen."