Die Einkaufsstadt Kulmbach verliert ein Zugpferd, das über viele Jahre Kunden ins Zentrum gelockt hat: Die Filiale der Drogeriemarktkette Müller in der Webergasse ist am Freitag letztmals geöffnet. Müller zieht in die Albert-Ruckdeschel-Straße um und wird dort direkter Nachbar des dm-Drogiermarktes. Die Nachbarschaft zu dm stellt für Müller "keine Einschränkung dar", wie eine Nachfrage in der Firmenzentrale ergeben hat. Die Neueröffnung in dem Gebäude, in dem sich früher der Netto-Markt befand und das in den vergangenen Monaten ausgebaut wurde, findet am 25. Februar statt.


Jetzt Firma eingeschaltet

Was aus dem Geschäft in der Innenstadt wird, in dem einst das Textilhaus Meisel und zuletzt über 20 Jahre der Müller-Markt beheimatet war? "Wir sind noch dabei, eine Nachfolge-Nutzung zu suchen", sagt Hauseigentümer Jochen Müller. Er hat die Vermarktung an die Firma Jöna übergeben, nachdem seine privaten Initiativen nicht von Erfolg gekrönt waren.


"Ernsthafte Verhandlungen"

Wie Matthias Koch von Jöna mitteilt, laufen "ernsthafte Verhandlungen" mit auswärtigen Kapitalanlegern. Zudem gebe es zwei Interessenten, die eine Eigennutzung im Visier hätten. Eine Vermietung sei möglich, Priorität werde aber dem Verkauf eingeräumt, so Koch.


920 Quadratmeter Fläche

Jochen Müller weiß, dass es nicht einfach ist, einen Laden zu veräußern, der auf drei Etagen einschließlich der Nebenräume 920 Quadratmeter Fläche bietet. Sein großer Wunsch ist es nach wie vor, wieder einen Nahversorger in die Innenstadt zu holen, mit dem man gerade auch älteren Menschen die Möglichkeit bieten könne, Produkte des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Müller hat eine Vision, die etwa in Stammbach schon in die Tat umgesetzt wurde. Dort gibt es einen zentrumsnahen Lebensmittelmarkt unter dem Namen "CAP", in dem auch Menschen mit Behinderung arbeiten. In Stammbach sind ein Metzger, eine Postfiliale und ein Lieferservice integriert.

Nach dem Vorbild der CAP-Märkte, ein Social Franchising der gdw süd aus Stuttgart, könnte ein solcher Markt auch in Kulmbach realisiert werden. Er selbst würde da keinen großen Gewinn machen, so Müller: "Wenn ich Null auf Null rauskomme, dann bin ich zufrieden. Es wäre ein Leuchtturm-Projekt, mit dem man Gutes tun kann." Ob sich seine Pläne realisieren lassen? "Ich hoffe es", sagt Müller, der als einen potenziellen Betreiber den BRK-Kreisverband im Visier hat.


Das sagt das BRK

Dass Märkte, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten, einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten, weiß BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold. Dippold macht deutlich, dass so ein Projekt natürlich auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden müsse. Über einen Laden in der Webergasse habe sich das BRK noch keine Gedanken gemacht. Jürgen Dippold: "Uns liegt da auch keine offizielle Anfrage vor."