Der Notfall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Selbst das ARD-Magazin "Panorama" wollte über die Geschichte berichten, die deutlich gemacht hat, dass es im Thurnauer Oberland eine Versorgungslücke gibt: Es war im März 2015, als dort ein Rentner einen Schlaganfall erlitten hatte. Der Rettungswagen traf erst 26 Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort ein. Die Zwölf-Minuten-Frist, die im Freistaat in der Rettungskette gilt und statistisch gesehen in 80 Prozent der Fälle eingehalten werden muss, war längst überschritten.


Über 24 Kilometer

Die Retter kamen aus dem 24 Kilometer entfernten Waischenfeld, denn die Einsatzwagen aus Hollfeld und Kulmbach waren bereits anderorts eingesetzt. Und die Thurnauer BRK-Kräfte, die am schnellsten im Oberland gewesen wären, konnten nicht zu Hilfe kommen, denn der Vorfall ereignete sich in der Nacht - und da ist die dortige Rettungswache nicht besetzt.

Der Schlaganfall-Patient ist eine Woche später in der Hohen Warte in Bayreuth verstorben. Ob er bei einer schnelleren Erstversorgung eine Überlebenschance gehabt hätte, weiß niemand. In der Folge wurde aber mehr und mehr die Forderung laut, dass die Thurnauer Rettungswache auch nachts besetzt sein muss.


Die Trend- und Strukturanalyse

Die Notwendigkeit einer Rund-um-die-Uhr-Besetzung sieht auch BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold. Ob diese aber kommt? Dippold blickt gespannt nach München. Am Institut für Notfallmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität wird nach seinen Worten ein "Gutachten für eine bedarfsgerechte Vorhalteplanung im Rettungsdienst" erstellt.

Das Ergebnis werde darüber entscheiden, was passiert. Das Kulmbacher BRK habe die für eine Trend- und Strukturanalyse wichtigen Daten wie Rettungs- und Transportzeiten nach München gemeldet, so Dippold. "Ich hoffe, dass daraus ersichtlich wird, dass eine Betriebsausweitung für Thurnau wichtig ist."

Wann mit der Entscheidung zu rechnen ist? Der BRK-Kreisgeschäftsführer schätzt, dass diese im Laufe des Jahres fällt. Das Institut für Notfallmedizin werde dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayreuth/Kulmbach eine Empfehlung geben. Es sei dann die Aufgabe des Verbandes, mit den Kostenträgern wie den Krankenkassen über die nächtliche Bereitschaft in Thurnau zu entscheiden.


Entscheidung wohl im Herbst

Daran, dass der Zweckverband die 24-Stunden-Bereitschaft "mit großer Wahrscheinlichkeit" zustimmt, glaubt Landrat Klaus Söllner (FW). Söllner ist nicht nur BRK-Kreisvorsitzender, sondern gleichzeitig auch stellvertretender Verbandsvorsitzender. Er hofft, dass im Herbst aus München mit dem Gutachten ein positives Signal kommt und die Neuregelung zeitnah umgesetzt werden kann. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Rettungswache nachts besetzt werden muss. "Wir würden das lieber heute als morgen umsetzen", so Söllner.


Unternehmer hat investiert

Für Unternehmer Hans Schwender ist es keine Frage, dass die Rettungswache über 20 Uhr hinaus besetzt werden muss. "Wenn nur ein Mensch gerettet werden kann, hat sich das doch schon gelohnt." Schwender war es, der für 700 000 Euro das Gebäude an der Kirschenallee gebaut hat, in das das BRK als Mieter eingezogen ist. Der Platz für einen zweiten Rettungswagen wurde dort bereits geschaffen.