Das Schloss steht in Thurnau und es haben jene von Giech gebaut. Typisch fränkisch. Aber nach 90 Minuten meinte man, in irgendeinem Castle bei Connemara oder Galway zu sein. Dank Andy Lang, dem deutschen Iren, der mit seinem irischen Konzert im Kutschenhaus für kurze Zeit die Welt im Kleinen veränderte. Mit seinen unaufdringlichen, prophetischen Botschaften, die für die meiste Zeit zu einer andachtsvollen Stille im zahlreichen Publikum führten. Von der ersten Sekunde, vom ersten Ton an, breitete sich diese eigentümliche Schwere, dieses Träumen aus, das auch Verzweiflung beinhaltete. Wo sofort das Herz ergriffen wird, tief bewegend.


Weinend und jubilierend

Es sind die Balladen, vom Songwriter Andy geschrieben, der die Insel von außen betrachtet und ihr doch ganz verfallen ist. In seinem kehligen, gutturalen Gesang, den er an Harfe, Gitarre und Kalimba begleitet, spürt man auch die Gischt der Irischen See, das Rauh-Sanfte, die Melancholie eines Volkes, das, wie Heinrich Böll es in seinem "Irischen Tagebuch" notierte, vor allem Pfarrer, Nonnen und Prostituierte exportierte. Selbst Geistlicher, vermag Lang in die Seele und Mentalität der Iren zu schauen, die Songs sind davon beredter Ausdruck.

Neben ihm Sibylle Friz am Cello und an der Querflöte, die der Sehnsucht ein Gesicht geben. Besonders wenn sie zur Tin-Whistle greift, bringt sie das kleine Instrument zum Weinen, lässt es aber auch strahlend jubilieren. Und Wolfgang Rieß (Bass) hätte nicht einfühlsamer und behutsamer die Saiten liebkosen können.

Man schlenderte mit dem Trio durch wunderschöne Parks, erlebt auch schottische Impressionen, der Segenswusch von Andy senkt sich wie ein Gebet auf die Zuhörer. Die das Mediative voll genießen, weil es ein Abend zum In-sich-Gehen, In-sich-Hineinhorchen ist.

Der Sonnengesang von Franz von Assisi gerät zur Ode an die Natur, die Flöte steigert sich beschwörend, fast anklagend. Der bewussten Ruhe und dem dezenten Rhythmus folgt nur gelegentlich Dynamik, Aufstampfen der Füße, Tanzlust. Das wollten die drei so. Wie in Zeitlupe bewegen sie zuweilen ihre Instrumente, den auslaufenden Wellen am Strand gleichend, ehe eine frische Brise den Takt verändert, Salz in die Augen treibt. Harmonie und Disharmonie halten sich die Waage, unberechenbar wie das Land selbst.


Weltmeisterlicher Steptanz

Wunderschön das Gedicht über die Freiheit, den unbegrenzten Flug des Adlers in schwindelnde Höhen. Später der mitreißende Song "Lord of dance", wozu Lysann Rücker, eine Fränkin und - man glaubt es kaum - eine veritable Weltmeisterin im Steptanz, Kostproben ihres Könnens gibt. Eine Ballerina auf Klangmetallschuhen in wirbelnder Dichte und atemberaubenden Trittfolgen. Dennoch Grazie und Noblesse.

Die seelische Steigerung des Abends, der Ausdruck des zweieinhalbstündigen Auftritts: Als alle aufstehen, sich an den Händen fassen, im Takt wiegen und das bekannte Lied "Nehmt Abschied, Brüder ... lebt wohl, auf Wiedersehen" im Chor singen.


Neue Freunde

Ein Stück Friede im Kutschenhaus für die, die gekommen waren, ein Stück menschliche Nähe. Andy Lang, der Mann mit Suggestionskraft und Charisma, hat in Thurnau neue Freunde gewonnen.