George Alarbaje ist ein ruhiger, sympathischer Typ. Einer, der gerne arbeitet und der handwerkliches Geschick hat. Solche Leute brauchen die Handwerksbetriebe. Im Landkreis Kulmbach wie fast überall leiden die Unternehmen unter dem Fachkräftemangel und der Tatsache, dass geeignete Azubis schwer zu finden sind.

George kam vor fünf Jahren als Bürgerkriegsflüchtling aus Syrien nach Deutschland. Er konnte damals kein Wort Deutsch. Also absolvierte er erst einmal einen Sprachkurs und war glücklich, als er dann 2017 die Chance bekam, bei der Firma Dörnhöfer Stahl - Metallbau eine Ausbildung als Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik, beginnen zu dürfen. Bernd Dörnhöfer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens und Obermeister der Metall-Innung, ist sehr zufrieden mit dem 27-Jährigen: "Solche Kräfte brauchen wir in unseren Unternehmen."

In seiner Heimat hatte George schon eine Ausbildung als Friseur abschlossen, "aber ich wollte gerne Metallbau lernen", erzählt er. An seinem Arbeitsplatz fühlt er sich wohl, kommt mit seinen Kollegen und Vorgesetzten gut aus.

Fleiß und Einsatzbereitschaft bringt der 27-Jährige mit, lobt Ausbildungsmeister Andreas Geiger: "Er hat Durchhaltevermögen, macht seine Sache gut und ist sehr hilfsbereit."

Inzwischen versteht der Syrer recht gut Deutsch, kommt in der Berufsschule ohne große Probleme zurecht. Mittlerweile im vierten Ausbildungsjahr ist die Gesellenprüfung in greifbare Nähe gerückt. Hat ihm seine Arbeitsstelle geholfen, sich in Deutschland wohl zu fühlen. "Ja", nickt George, "das ist sehr wichtig für mich".

Richtige Freunde hat er zwar noch nicht gefunden, was auch daran liegt, dass seine Mitschüler in der Berufsschule deutlich jünger sind als er. Aber er kommt gerne auf die Arbeit, mag seine Kollegen.

Für Handwerksbetriebe sind Zugewanderte wie der junge Syrer eine Chance. "Unsere Branche hat ein gravierendes Problem, das symptomatisch für den gesamten Bereich des Handwerks ist, sagt Bernd Dörnhöfer. "Es wird immer schwieriger, ausbildungswillige junge Leute zu finden." Deshalb müssen wir als Unternehmen neue Wege gehen." So bemühe man sich beispielsweise, Frauen für die einst als Männerdomäne geltenden Berufe zu gewinnen. Durchaus mit Erfolg. "Wir haben da sehr positive Erfahrungen."

Die Probleme sind lösbar

Ein gewisses Potenzial für das Handwerk sieht der Innungsobermeister in der Integration von Flüchtlingen. In seinem Unternehmen hat er bereits mehreren interessierten jungen Leuten aus Syrien, Eritrea und Afghanistan die Chance gegeben, ein Praktikum und auch eine Ausbildung zu machen. "Sprachprobleme sind da durchaus eine gewisse Herausforderung, aber lösbar. Unsere Azubis wollen lernen, und die Mitarbeiter helfen ihnen, erklären halt bei Bedarf auch zwei oder drei Mal, was beim ersten Mal nicht verstanden wurde."

Die Dörnhöfer-Belegschaft sei ziemlich multikulturell, so der Geschäftsführer. Unser den rund 175 Mitarbeitern seines Unternehmens sind viele Nationalitäten vertreten. Herkunft, Hautfarbe, Religion - die spielen für den Chef keine Rolle: "Gegenseitiger Respekt ist mir wichtig, ein gutes Miteinander und dass jeder seine Arbeit gut macht."

Während Unternehmer in den letzten Jahren oft befürchten mussten, dass ihre frisch ausgebildeten Kräfte wieder in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden, ist die Rechtslage nun geklärt. "Aktuell heißt es: Wenn die Auszubildenden übernommen werden, dürfen sie auch bleiben."

Für Bernd Dörnhöfer ist diese Gewissheit wichtig: "Wir investieren viel in die Ausbildung. Die kostet mit allen Aufwendungen mehr als ein Facharbeiter. Aber wir machen das gern, denn die Azubis von heute sind die Facharbeiter von morgen."

Schwierig sei es vor allem, Mitarbeiter zu finden, die auf Montage gehen wollen. "Da muss man als Unternehmen einiges bieten, und das tun wir auch." Übertarifliche Bezahlung gehört dazu, Wohnungen an den Einsatzorten, die einen gewissen Komfort bieten, damit sich die Mitarbeiter dort wohlfühlen. "Wir haben Standorte in Berlin, Frankfurt und München, sind deutschlandweit auf großen Baustellen tätig."

Der Innungsobermeister bedauert, dass Handwerksberufe beim Nachwuchs nicht das Image haben, das sie verdienen. Hoffnungen setzt der 52-Jährige auf den bevorstehenden Tag der Ausbildung, der am 17. Oktober anstelle der coronabedingt abgesagten Ausbildungsmesse stattfindet: An diesem Tag öffnen wir von 8 bis 13 Uhr unseren Betrieb für die Öffentlichkeit. "Das ist eine gute Gelegenheit, unser Unternehmen kennenzulernen - für Schüler, aber auch für alle, die sich für unsere Arbeit interessieren."

Sind Flüchtlinge die Lösung?

Der Mangel an Nachwuchs beschäftigt die Handwerkskammer für Oberfranken intensiv. Der Bedarf ist in nahezu allen Gewerken groß, ganz besonders im Bauhauptgewerbe und in den Lebensmittelhandwerken.

Kann die Ausbildung von Geflüchteten das Problem entschärfen? Das alleine ist nicht genug, sagt Udo Pfadenhauer, HWK-Akquisiteur für Geflüchtete. Er sieht darin nur einen von vielen Bausteinen, um den Fachkräftebedarf zu decken. Wichtiger sei hier die weitere Stärkung der beruflichen Bildung insgesamt. Ganz besonders auch vor dem Hintergrund des Rückgangs der Ausbildungszahlen aufgrund des Corona-Lockdowns. "Die von der Bundesregierung beschlossene Ausbildungsprämie war hier ein richtiger Schritt, greift aber zu kurz. Zu viele Betriebe werden aus der Förderung ausgeschlossen. Hier wäre ausnahmsweise eine Förderung nach dem Gießkannenprinzip die bessere Wahl gewesen."

Bei der Ausbildung Geflüchteter sei nach wie vor die Sprachbarriere die größte Hürde. Ohne gute Deutschkenntnisse (Minimum Sprachniveau B1) ist es kaum möglich, eine Berufsausbildung erfolgreich zu absolvieren. "Daher bleibt nach wie vor das Angebot an Deutschkursen entscheidend."

Und wie gut gelingt aus Sicht des Experten die Integration der Flüchtlinge in den Betrieben? "Die klappt von Jahr zu Jahr besser. Jedoch müssen Förderangebote flankierend angeboten werden und auch Ansprechpartner da sein, die die Betriebe unterstützen. Den Betrieben muss klar sein, dass diese Ausbildung anspruchsvoller ist, dass man sich den jungen Menschen stärker widmen muss. Die Fachbegriffe sind oft nicht bekannt und müssen erst erlernt werden."

Dazu müsse der Betrieb jeweils klären, wie die rechtlichen Voraussetzungen sind, um überhaupt eine Ausbildung machen zu dürfen. "Ist der Geflüchtete anerkannt, dann hat er freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Wenn er nur eine Duldung vorweisen kann, muss bei der zuständigen Ausländerbehörde eine Antrag gestellt werden." Dabei können Willkommenslotsen oder Akquisiteure für Geflüchtete der Handwerkskammer helfen.

Gibt es noch Sorgen, ob die ausgebildeten Fachkräfte nach erfolgreicher Ausbildung auch bleiben dürfen oder ob sie vielleicht wieder abgeschoben werden? Dass die Mühe dann umsonst war? "Diese Ängste gibt es", bestätigt Pfadenhauer. Aber selbst bei abgelehnten Asylbewerbern besteht die Möglichkeit, dass eine Ausbildungsduldung beantragt werden kann. Diese Ausbildungsduldung gibt dem Geflüchteten und auch dem Betrieb die Sicherheit, dass die drei Jahre der Ausbildung plus zwei Jahre Gesellentätigkeit vor einer Abschiebung schützen.

Kommentar: Die unterschätzte Chance

Kind, mach Abitur und geh studieren. Dann hast die besten Chancen im Leben! Es gab eine Zeit, in der Eltern mit diesem Rat Recht hatten. Mühsam war in den 80er und 90er Jahren der Weg, nachträglich einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen.

Glücklicherweise sind diese Zeiten inzwischen vorbei. Wer einen Quali hat und ein Handwerk lernt, hat danach nicht weniger Möglichkeiten als Absolventen von Realschule oder Gymnasium. Wer will, kann die Meisterprüfung machen, fachbezogen studieren oder die allgemeine Hochschulreife erwerben. Unser Bildungssystem ist durchlässig geworden.

Gleichzeitig ist ein Hochschulstudium längst keine Garantie mehr für einen gutbezahlen Job. Nichts gegen die Geisteswissenschaften. Die brauchen wir auch. Aber müssen wir alle Kopfarbeiter sein wollen? Schon jetzt haben wir eine Schieflage in der Arbeitswelt. Sich die Hände schmutzig zu machen, ist nicht so beliebt. Aber wenn wir so weiter machen, dann wartet bald ein Heer von schlauen Studierten auf eine Handvoll Handwerker, die ihr Dach flicken oder den Rohrbruch reparieren. Die könnten sich das dann fürstlich bezahlen lassen.

Worauf kommt es bei der Berufswahl an? Erstens sollte die Arbeit Freude machen, denn man verbringt viel Zeit damit. Zweitens sollte man ein ordentliches Einkommen erzielen können. Da wird die Chance im Handwerk oft unterschätzt. Es gibt viele arbeitslose Akademiker und solche, die in ihrem Spezialgebiet nicht unterkommen. Aber Facharbeiter finden immer und überall einen Job. "Handwerk hat goldenen Boden", haben meine Großeltern immer gesagt. Das alte Sprichwort ist heute noch gültig.