Holger Knörrer steht in einem Maisfeld. Mitte August hat der Mais normalerweise dicke Kolben. In diesem Jahr bietet sich ein anderes Bild: Die Pflanzen sind vertrocknet, nur jede dritte trägt nach der Dürre der letzten Wochen überhaupt eine Frucht. "Wir werden bei der Maisernte heuer wohl mindestens 40 Prozent Verlust machen", sagt Knörrer, der im Neudrossenfelder Ortsteil Pechgraben einen Milchviehbetrieb bewirtschaftet.

50 Kühe stehen in seinem Stall - und die brauchen viel zu fressen. Mais wird er heuer für seine Tiere nicht viel einlagern können. Und auch nicht viel Grünschnitt. "Der erste Schnitt hat in diesem Jahr 75 Prozent der sonstigen Menge gebracht, der zweite 50 Prozent." An einen dritten oder gar vierten Schnitt sei derzeit nicht zu denken, sagt der Landwirt, der wie alle Bauern sehnlichst auf Regen wartet.


"Dann wird es eine Katastrophe"

"Es geht heuer nicht um den Preis, den wir bekommen, sondern darum, dass wir die Tiere über den Winter bringen", betont Wilfried Löwinger. Wie der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) mitteilt, haben im Landkreis Kulmbach gerade Bauern, die sandige und steinige Böden bearbeiten, große Probleme. Löwinger kann sich an kein Jahr erinnern, in dem die Landwirtschaft so gebeutelt wurde.

Dabei seien die regionalen Unterschiede groß. "Im Frankenwald sieht es ganz anders aus." Sein Blick nach vorn zeichnet ein düsteres Bild: "Wenn wir 2016 noch einmal ein ähnliches Jahr bekommen, wird es gerade für Viehbetriebe eine Katastrophe." Da viele seiner Kollegen schon jetzt in eine Notlage gerieten, baue der BBV in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring eine Futterbörse auf, bei der Landwirte aus ertragsreicheren Gebieten ihr Futter den Kollegen, die unter Ernteeinbußen leiden, anbieten könnten.


Forderungen an die Politik

Der Bauernverband nimmt die Politik in die Pflicht. "Es darf jetzt nicht um EU-Vorschriften gehen. Es muss um die Tiere gehen", erklärt Löwinger. Er fordert, dass auf ökologischen Vorrangflächen Zwischenfrüchte angebaut werden dürfen, die für Futterzwecke verwendet werden können. Gefährdete Betriebe sollten zudem über eine Liquiditätshilfe auf Bundesebene unterstützt werden.


Sinkende Erzeugerpreise

Die Trockenheit ist ein großes Problem der Landwirtschaft - aber auch die sinkenden Preise für Milch und Fleisch stellen die Bauern vor eine Herausforderung. Preise von um die 30 Cent pro Liter seien viel zu wenig, sagt Milchviehwirt Harald Unger aus dem Thurnauer Ortsteil Leesau.

Dass auch die Preise für Fleisch im Keller sind, stellt der Vorsitzende der Kreiszuchtgenossenschaft, Thomas Erlmann, heraus. Wie Wilfried Löwinger appellieren beide an die Politik, hier gegenzulenken. Das Russland-Embargo führe insbesondere bei Milch und Fleisch zu massiven Marktproblemen. Die Landwirte hätten die wirtschaftlichen Folgen außenpolitischer Entscheidungen zu tragen und würden allein gelassen.


"Ruinöse Preispolitik"

Berlin sei auch gefordert, Maßnahmen "gegen die ruinöse Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels zu ergreifen", erklärt BBV-Obmann Löwinger. Außerdem sollten die über 900 Millionen Euro, die als Superabgabe geleistet wurden, etwa als Hilfszahlung je Milchkuh direkt an die Milcherzeuger fließen.

Über diese finanzielle Hilfe würde sich auch Holger Knörrer freuen. Er sorgt sich aber vor allem um seine Kühe. Um diese füttern zu können, greift er auch auf die Vorräte aus 2014 zurück. Nach den verheerenden Einbußen in diesem Jahr könnte es in seinem Milchviehbetrieb 2016 eng werden.