Er hatte den Verantwortlichen bis zum heutigen Dienstag Zeit gegeben. Zeit, sich zu melden und zu bekennen, für welchen Schaden sie beim Abiturscherz am vergangenen Mittwoch verantwortlich sind. Hans-Werner Fischer, Direktor am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium, musste nicht so lange warten und zog gestern nach den unschönen Szenen eine tröstliche Bilanz: "Ich kann 90 Prozent der Namen von meiner Liste streichen. Diese Schüler haben sich gemeldet und sind bereit, für die Dinge, die sie getan haben, gerade zu stehen", sagte Fischer auf BR-Nachfrage.

Er könne nicht gänzlich ausschließlich, dass auch Gäste der misslungenen Veranstaltung von außerhalb mitverantwortlich sind für den einen oder anderen Schaden. Bei den "Feierlichkeiten" zur bestandenen Reifeprüfung waren unter anderem Dachziegel beschädigt und ein Loch in die Außenwand am neuen Anbau gebrochen worden.
"Die Fassade ist dort mit Schiefertafeln verkleidet", erklärt Fischer. "Offenbar hat jemand einen schweren Gegenstand dagegen geworfen, dadurch ging der Schiefer zu Bruch." Auf 10.000 Euro schätzt der Schulleiter die notwendigen Reparaturkosten.

Fischer stellte klar: Über den laufenden Etat der Schule werde die Begleichung der Summe nicht laufen. "Die betreffenden Personen haben mir zugesagt, dass sie sich gemeinschaftlich der Sache annehmen."
Eigentlich wollte der zum Monatsende scheidende Direktor des MGF_Gymnasiums die Sache nicht mehr "an die große Glocke hängen", wie er sagt. "Leider ist der ganze Abiturjahrgang, den ich für einen besonderen halte, durch das verhalten Weniger in Misskredit geraten. Das haben diese hoch motivierten jungen Frauen und Männer nicht verdient." Mit Wohlwollen habe Fischer deshalb auf die Einlassungen der Verursacher jetzt reagiert.

"Sie haben mein Tadeln offenbar richtig verstanden. Um es klar zu sagen: Ich bin den Schülern nicht mehr böse."
Was er allerdings nicht zurücknehme, dass sei der Begriff der "kleinen Idioten"; den hatte Fischer in seiner Rede bei der Verabschiedung der 70 Abiturienten gebraucht. "Die Kritik war hart, aber ich stehe dazu. Denn gemeint waren damit jene Schüler, die in der Nacht ausfällig geworden waren und sich lautstark und unflätig über Lehrer geäußert hatten. Für diese Art von schulischem Miteinander habe ich keinerlei Verständnis. Das hat mich, ehrlich gesagt, menschlich sehr enttäuscht."

Jahrgangssprecher Philipp Roth betont, dass er "die klaren Worte von Herrn Fischer" bei der Verabschiedung gut und richtig fand. "Wir rechnen es ihm hoch an, dass er auf eine Anzeige verzichtet hat und auch uns gegenüber versöhnliche Töne angeschlagen hat", sagt Roth. Er selber hatte sich dazu bekannt, einer der Schüler auf dem Dach gewesen zu sein. "Mittlerweile haben sich 21 Leute gemeldet. Da werden wir die Summe auf alle anteilig umlegen, das geht seinen Gang."

Kleinere Sachbeschädigungen wie zwei zu Bruch gegangene Lampenschirme und ein kaputter Bilderrahmen seien bereits beglichen, so Roth. "Es hat auch ein paar Graffiti-Schmierereien gegeben, die sind ebenfalls schon entfernt."

Bleibt noch der - neben dem Dach - zweite größere Batzen: das Loch in der Anbau-Wand. "Den Schaden in der Fassade konnten wir noch keinem zuweisen", sagt Roth. Man könne demjenigen anbieten, dass der Jahrgang solidarisch die Hälfte übernehme. "Vorausgesetzt, es war einer aus unseren Reihen. Das steht aber nicht fest, denn es gab Dutzende Schüler anderer Schulen aus Kulmbach, die beim Abischerz dabei waren, sogar Besucher aus Bayreuth."

Wenn es einer aus diesem Personenkreis war, der das Loch in die Wand schlug? Dann, sagt Roth, sei es schwierig, den MGFG-Absolventen zu vermitteln, für einen Schaden aufzukommen, den sie nicht verursacht haben. Deswegen soll es noch einmal ein Gespräch mit der Schulleitung geben, um eine Lösung zu finden.
Lobende Worte fand Roth auch für Oberbürgermeister Henry Schramm. Dieser hatte bei der Verabschiedung der Abiturienten und nach Roths Rede spontan zugesichert, sich persönlich zu beteiligen. "Die 500 Euro, die Unterstützung zugesagt hat, empfinde ich als eine überaus noble Geste", sagt der Jahrgangssprecher.

Schramm löst Diskussion aus

Eben jene 500 Euro sind es auch, die auf dem BR-Online-Portal www.infranken.de eine Diskussion ausgelöst haben. So fordert Karl-Heinz Weber, Henry Schramm solle die 500 Euro lieber an sozial Schwache spenden "als vor versammelter geistiger Elite Kulmbachs auf Stimmenfang zu gehen". Und in Anspielung auf Direktor Fischers Wortwahl von den "kleinen Idioten" fühgt der Internetkommentator hinzu: "Diese ,kleinen Idioten' werden schon noch erwachsen, aber nicht dadurch, dass sie für begangene Fehler auch noch belohnt werden. Ein tolles Abschiedsgeschenk für Herrn Fischer, Gratulation an die Abiturienten!"

Die Bayerische Rundschau hat gestern versucht, auch Oberbürgermeister Henry Schramm zum Thema zu hören. Er war allerdings bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.