Dass hier Global Player am Werk sind, sieht man auf den ersten Blick nicht. Etwas versteckt zwischen den großen Nachbarn wie Raps, Saum & Viebahn oder Bayerische Rundschau hat der Ladenbauer Schrutka-Peukert in der E.-C.-Baumann-Straße sein Domizil. Doch die High-Tech-Ladeneinrichtungen aus Kulmbach sind weltweit begehrt.

Bäcker und Metzger von Hamburg bis Südtirol und von Australien bis Wladiwostok - ganz im Osten des russischen Riesenreichs - lassen in Kulmbach fertigen. "Wir machen inzwischen 25 Prozent unseres Umsatzes mit dem Auslandsgeschäft", sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Päsler.

Die Erfolgsgeschichte von Schrutka-Peukert ist auch Päslers Geschichte. Er hat Ladenbau Schrutka, spezialisiert auf Bäckereien, 1985 zusammen mit zwei Partnern gekauft. 2005 erfolgen die Neuausrichtung des Unternehmens und der Zukauf der Warmensteinacher Firma Ladenbau Peukert. "Die Übernahme des Marktführers für Metzgereien war ein Riesenschub für uns. Wir haben Mitarbeiter, Produkte und Knowhow übernommen und alles in Kulmbach konzentriert", so Päsler.

Von Software zu harter Ware
Der studierte Betriebswirt und Informatiker muss umlernen und sich in eine völlig andere Branche reindenken. Vorher hat er Software gemacht, jetzt ist es harte Ware: Ladentheken aus Holz, Edelstahl und Glas.

"Mit der Metzger-Sparte war der Lebensmittelmarkt für uns rund", sagt Päsler. Und seitdem geht es für Schrutka-Peukert stetig bergauf. "Es macht Spaß, wir sind richtig gut unterwegs", so der Geschäftsführer (nebenbei auch noch einer der führenden Köpfe bei der Kulmbacher Kommunbräu).

Belegschaft verdreifacht
Den Aufschwung kann er mit Zahlen untermauern. Die Belegschaft von seinerzeit 34 Mitarbeitern ist auf knapp 100 - davon zehn Lehrlinge - verdreifacht worden, der Umsatz sogar vervierfacht. Man plant weiteres nachhaltiges Wachstum. "Flächen für Expansion" sind laut Päsler noch da.

Schrutka-Peukert ist heute viel mehr als eine Schreinerei. Hier sind neben den Schreinern auch Schlosser, Elektriker, Kältetechniker, Innenarchitekten, technische Zeichner und kaufmännische Mitarbeiter beschäftigt. Diese Berufe werden gebraucht, um die komplexen Betriebsabläufe zu bewältigen.

"Wir bauen alle Ladeneinrichtungen rund um Lebensmittel, die man kühlen oder warmhalten muss", erklärt der Geschäftsführer. Man hat schon ganze Kantinen für Audi, Daimler-Benz oder Alpa-InnoTec (AIT) in Kasendorf eingerichtet. Rewe und Edeka ("Die Theke im Kulmbacher E-Center Seidel ist von uns") sind Kunden von Schrutka-Peukert. Doch das Hauptgeschäft wird mit Bäckereien, Konditoreien, Coffee- Shops und Metzgereien gemacht. "Der Fachmetzger oder Fachbäcker liefert den Geschmack, wir machen die Qualität in der Kühltheke oder Wärmetheke für Snacks und Imbiss sichtbar und erlebbar", so Päsler.

So haben die Kulmbacher für Bäcker eine variable Ladeneinrichtung entworfen. Man ist nicht mehr auf ein starres, waagerechtes Regalsystem festgelegt, sondern kann die Gestaltung problemlos verändern.

Zum Patent angemeldet
Besonders stolz ist Päsler auf die selbst entwickelte und zum Patent angemeldete Reifekammer für hochwertiges Rindfleisch. Durch den Einsatz einer Salzwand ("importiert aus Tibet") in der begehbaren Kühlkammer, die als Blickfang im Laden steht, werden beim Reifeprozess unerwünschte Nebeneffekte wie Schimmelbildung oder schmierige Oberfläche vermieden. "Bei der Dry-aged-beef-Methode geht unter 40 Euro pro Kilo gar nichts", weiß er.

Schrutka-Peukert ist seit zehn Jahren mit zwölf Außendienstmitarbeitern national tätig und seit fünf Jahren auch international - mit Kunden in Österreich, Südtirol, Osteuropa und sogar Australien. So ist Adelaide fest in Kulmbacher Hand. "Dort liebt man deutsche Qualität", berichtet Techniker René Beyerlein, der schon viermal in Down Under gearbeitet hat.

Auslandsaufträge werden immer in Kulmbach gefertigt und dann per Zug oder - wie nach Australien - per Schiff versandt. "Wir sind acht Wochen später zu zweit nach Adelaide nachgereist", sagt Beyerlein, der mit seinem Kollegen Aufbau und Einweisung des Personals erledigt. "Und nach der Montage haben wir eine Woche Urlaub rangehängt - auf eigene Kosten."

Strategie: Wachstum aus dem Ausland
Das internationale Geschäft dient aber nicht (nur) dazu, um den Mitarbeitern eine Freude zu machen. Es ist Teil einer Strategie. Päsler: "Wir wissen, dass das Bäcker- und Metzgerhandwerk in Deutschland schrumpft. Daher holen wir unser Wachstum aus dem Ausland."

Dafür wird in Kulmbach investiert. Für 300 000 Euro ist vor kurzem das zweite computergesteuerte CNC-Holzbearbeitungszentrum angeschafft worden. Und die Auftragsbücher sind voll. "Wir haben heuer im ersten Halbjahr mit unserem Auftragseingang bereits den Gesamtumsatz des vergangenen Jahres erreicht", sagt Päsler. "Unser Problem ist eher, die Vielzahl der Bestellungen abzuarbeiten." Solche Probleme hätten andere auch gerne.