Die Taten liegen fast dreieinhalb Jahre zurück. Seitdem schwebte das Damoklesschwert über dem Mann (28), für einige Jahre ins Gefängnis einrücken zu müssen. Die Vorwürfe im Prozess vor dem Landgericht Bayreuth waren schwerwiegend: Er soll seine Ex-Freundin in Kulmbach vergewaltigt und misshandelt haben. Am Mittwoch verkündete die Strafkammer das Urteil.

Die Beziehung, die der Angeklagte als "unerklärliche Hassliebe" bezeichnete, dauerte nur etwa ein Jahr. Streit sei an der Tagesordnung gewesen, so der Mann. Man habe sich gegenseitig bespuckt, beschimpft und geschlagen.

Sie wollte keinen Sex: Mann vergewaltigt Freundin

Der Tiefpunkt war an einem Wochenende im April 2017 erreicht. Nachdem der Angeklagte die Frau zuvor schon mehrmals misshandelt hatte, eskalierten die Gewalttätigkeiten. Laut Anklage habe er seine damalige Freundin in deren Wohnung besucht. Obwohl sie sich krank fühlte und keinen Sex wollte, habe er seine Hose runtergezogen und der Geschädigten, die sich wehrte, den Mund zugehalten und ihr die Beine auseinandergedrückt. Beim Geschlechtsverkehr habe er kein Kondom benutzt. Danach ging die Frau zur Polizei und zeigte ihren Ex-Freund an.

Im Prozess legte der Mann zunächst ein Teilgeständnis ab. Die Körperverletzungsdelikte gab er zu. Aber "die andere Sache" habe er nicht gemacht.

Bevor die Nebenklägerin vom Gericht befragt wurde, redete Vorsitzender Richter Bernhard Heim dem Angeklagten ins Gewissen. Angesichts der im Raum stehenden Freiheitsstrafe sei es verständlich, die Vergewaltigung nicht zugeben zu wollen. Aber wenn es etwas zu gestehen gibt, sei es sinnvoller, gleich mit offenen Karten zu spielen. Heim riet dem Mann auch, über einen Täter-Opfer-Ausgleich nachzudenken.

Angeklagter legt Geständnis ab: Bewährungsstrafe und Schmerzensgeld

Die Ansprache des Richters verfehlte ihre Wirkung nicht. "Das ging ihm nahe", sagte der Verteidiger, Rechtsanwalt Bernd Ostheimer aus Hof, über die Reaktion seines Mandanten. Dieser legte schließlich ein umfassendes Geständnis ab und war bereit, Schmerzensgeld zu bezahlen. Das anfängliche Leugnen des 28-Jährigen erklärte das Gericht damit, "dass er panische Angst vor dem Strafvollzug hatte". Das Prozessverhalten des Angeklagten wirkte sich entscheidend auf das Urteil aus. Die Strafkammer fällte einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit drei Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung.

Dafür gab es eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die aufgrund einer günstigen Sozialprognose auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der Vorsitzende begründete das Urteil damit, dass durch das Geständnis und den Täter-Opfer-Ausgleich mit dem vereinbarten Schmerzensgeld von 15.000 Euro eine Verschiebung des Strafrahmens für Vergewaltigung von zwei bis 15 Jahren möglich gewesen sei. Für den Angeklagten spreche auch, dass sich sein Bewährungshelfer äußert positiv äußerte und bestätigte, dass der Mann sozial eingeordnet lebt und es keine Probleme bei der Arbeitsstelle gibt.

Langes Vorstrafenregister - Angeklagter erlebte selbst Gewalt

Negativ bewertete das Gericht das Vorstrafenregister mit elf Verurteilungen und die laufende Bewährung zur Tatzeit. Außerdem habe der Angeklagte das Opfer körperlich und seelisch misshandelt. Heim: "Er flößte der Frau massive Angst ein. Sie fühlte sich schutzlos." Ein Kontaktverbot sei nicht verhängt worden, so der Richter, "aber wir gehen davon aus, dass Sie die Frau künftig in Ruhe lassen."

Als wichtigsten Baustein der Bewährungsauflagen bezeichnete der Vorsitzende die Weisung, an einer Therapie für Gewaltstraftäter teilzunehmen. "Da liegt der Schwerpunkt, weil sie als Kind Gewalterfahrungen machten mussten", sagte Heim und stellte fest: "Die Gefahr weiterer Straftaten sehen wir bei Ihnen nicht."

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Der Angeklagte und sein Verteidiger nahmen das Urteil an. Die Nebenklagevertreterin, Rechtsanwältin Doris Benker-Roth aus Bayreuth, und Staatsanwalt Jan Köhler erklärten ebenfalls, dass sie auf Rechtsmittel verzichten.