Harald Schmidt hat im Rathaus nicht nur eine Liste mit 88 Unterschriften dabei, sondern auch Bilder von seinem Keller. Auf den Fotos sieht man, wie seine Waschküche unter Wasser steht. "So eine Überschwemmung hatten wir schon mehrmals. Und wenn da oben in der Hannes-Strehly-Straße alles zugebaut wird, dann kommt noch mehr Wasser runter zu uns in die Fröbelstraße", sagt er.

Damit will er sich nicht abfinden. Und so wie er denken viele Nachbarn in dem Viertel. Sie haben in der Liste unterschrieben, um den Stadtrat zu überzeugen, dass "die zwei Betonklötze", wie Schmidt sagt, nicht genehmigt werden.

20 Wohnungen geplant

Wie berichtet, sollen die umstrittenen Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohnungen auf einem 2700 Quadratmeter großen städtischen Grundstück neben der Awo-Förderschule in der Hannes-Strehly-Straße errichtet werden. Dort durfte sich die Natur 40 Jahre lang ungestört ausbreiten, und es entstand ein Wildwuchs, wo es kreucht und fleucht und sich auch geschützte Tierarten wie Kröten, Molche und seltene Vögel tummeln.

Nachdem die Awo erklärt hatte, dass sie für die Schule keine Erweiterungsfläche mehr benötigt, leitete der Stadtrat im November ein Verfahren ein, um dort eine Wohnbebauung zu ermöglichen. Im Stadtrat wird morgen über die Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans abgestimmt.

Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD), der nach einer Knieoperation in der Reha an seiner Genesung arbeitet, nimmt nicht teil. Er wäre Befürworter einer Reihenhausbebauung gewesen. "Und dagegen hätte keiner was", so Schmidt.

Die Mehrheit in der Sitzung des coronabedingt halbierten Stadtrats haben weiterhin CSU, WGK und FDP. Sie hatten schon im November zu erkennen gegeben, dass sie die Pläne der Projektgruppe um den Kulmbacher Architekten Stephan Häublein befürworten. Die Sitzung am Donnerstag in der Stadthalle leitet Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok (CSU). Er nahm gestern die Unterschriftenliste entgegen.

"Das nehme ich ernst"

Wilzok erklärte, dass er jeden verstehen könne, der seit 30 Jahren in dem Viertel wohnt und seine gewohnten Umgebung behalten will. "Ich bin froh um jeden Bürger, der sich engagiert und sagt, dass wir noch mal genauer hinschauen sollen. Das nehme ich ernst", erklärte er.

Auf der anderen Seite gebe es aber ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (Isek), das eine Innenverdichtung vorsieht, statt Neubaugebiete im Außenbereich auszuweisen mit dem entsprechenden Flächenverbrauch. Der Stadtrat müsse bei seiner Entscheidung eine Abwägung der Interessen vornehmen. Nach dem Stadtratsbeschluss sei es dann vier Wochen lang möglich, die geänderten Pläne im Stadtbauamt in Augenschein zu nehmen und Einwände geltend zu machen.

Abgekartetes Spiel?

Zu dem Projekt liegt laut Wilzok bereits ein naturschutzfachliches Gutachten vor. Außerdem hätten die Stadtwerke die Entwässerungssituation geprüft. Tatsächlich hieß es bereits im November, dass der Bauherr möglicherweise auf seine Kosten ein Regenrückhaltebecken errichten muss. Damit könnten die Wassermassen bei einem Starkregenereignis zurückgehalten und später kontrolliert in den Kanal eingeleitet werden.

"Den Stadtwerken glaub' ich eh nichts mehr. Die haben schon vor zwölf Jahren versprochen, dass der Kanal vergrößert werden soll - und nichts ist passiert", konterte Schmidt, der ein abgekartetes Spiel vermutet. Denn den Investoren seien offenbar schon vor geraumer Zeit weitreichende Zusagen gemacht worden, wie er im Stadtbauamt erfahren haben will.