Das Bauvorhaben in der Hannes-Strehly-Straße - es sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit 20 Wohnungen entstehen - sorgt nach wie vor in der Öffentlichkeit für Diskussionsstoff. Im Interview äußert sich nun Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) zu dem Projekt, für das in der jüngsten Stadtratssitzung die Weichen gestellt worden sind. Die hatte krankheitsbedingt nicht er, sondern sein Stellvertreter, Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok (CSU), geleitet. Der Stadtrat hat da zwar keine Baugenehmigung erteilt, er hat aber die Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans sowie die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit auf den Weg gebracht. Im nicht öffentlichen Teil wurde dann das Grundstück auch an den Investor verkauft.

Herr Lehmann, das Bauvorhaben in der Hannes-Strehly-Straße erhitzt nach wie vor die Gemüter. In der Kritik stand zuletzt allen voran ihr Stellvertreter, Zweiter Bürgermeister Franz Wilzok. Er hat die Januar-Sitzung im Stadtrat gehalten, weil Sie im Krankenstand waren. Ihm wird in der Öffentlichkeit vorgeworfen, er habe die Chance genutzt, um das Bauvorhaben auf den Weg zu bringen. Dabei hat Wilzok nur die Beschlussvorlagen der Verwaltung in der Sitzung eingebracht. Kann man ihm irgendetwas vorwerfen?

Ingo Lehmann: Der Tagesordnungspunkt war bereits vor meiner krankheitsbedingten Abwesenheit für die Januarsitzung vorgesehen. Natürlich wird im Rahmen der Sitzungsvorbereitung in den Ausschüssen über die vorgesehenen Themen gesprochen und diskutiert. Hier hat sich Frank Wilzok aber in erster Linie als Sitzungsleitung und Moderator eingebracht und seine eigene Meinung zurückgestellt. Von einer Beeinflussung kann keinesfalls gesprochen werden. Dass er dann in der Stadtratssitzung, auch aufgrund einiger Nachfragen und Unklarheiten, seinen persönlichen Standpunkt zu dem Thema dargestellt hat, ist sein gutes Recht. Auch als Oberbürgermeister oder Stellvertreter darf man Stellung beziehen.

Sowohl in der Ältestenratssitzung wie auch in der Sitzung des Bauausschusses wurde von keiner Fraktion beantragt, dass der Punkt von der Tagesordnung genommen werden soll. Verwundert es Sie nicht, dass nun gerade Ihre Fraktion in der Stadtratssitzung die Abstimmung verhindern wollte? Zumal die Umwidmung des Schul- und Sportgeländes in ein Areal für Wohnbebauung im November 2020 mit großer Mehrheit beschlossen wurde, auch mit Ihrer Stimme und Stimmen der Sozialdemokraten.

Der SPD-Fraktion ging es wohl in erster Linie um das noch nicht vorliegende Lärmschutzgutachten. Sie wollte ihre Zustimmung erst geben, wenn alle einzubindenden Institutionen eine Stellungnahme zu dem Vorhaben abgegeben haben. Selbstverständlich wird das Gutachten vor Fertigstellung der Pläne für eine Veröffentlichung eingeholt und beachtet werden. Außerdem ist es durchaus üblich, dass sich Fraktionen erst durch die Informationen aus dem Bauausschuss eine abschließende Meinung bilden oder, wie in diesem Fall, noch Informationsbedarf besteht.

Das artenschutzrechtliche Gutachten liegt vor. Das Fazit des Geologen: Aus Sicht des speziellen Artenschutzes steht dem Projekt nichts entgegen. Von einem schützenswerten Biotop, das viele Bürger sehen, ist nicht die Rede. Frank Wilzok hat erklärt, dass er als Stadtrat auf die Expertise der Experten vertrauen müsse. Wie beurteilen Sie die Einschätzung der Fachleute?

Da stellt sich für mich keine Frage. Die eingeholten Stellungnahmen stammen von staatlich geprüften Gutachtern und Fachleuten, die eine hohe fachliche Expertise vorweisen und auf derartige Prüfungen spezialisiert sind.

Vor der Umwidmung war das Gelände im Bebauungsplan nicht für Wohnbebauung vorgesehen, sondern für eine Schul- und Sportanlage frei gehalten worden. Wären auf dem Areal nicht noch mehr Flächen versiegelt worden, wenn etwa die Awo eine Turnhalle hätte errichten wollen?

Da die Awo in den letzten Jahren signalisiert hat, keinen Bedarf für eine bauliche Erweiterung zu haben, gab es natürlich auch keine Pläne für dieses Vorhaben. Aus diesem Grund ist ein Vergleich nur schwierig zu ziehen. Fakt ist aber, dass bei dem geplanten Bauvorhaben die Versiegelungsfläche so gering wie möglich gehalten werden soll. Die Natur ist sicherlich keinem Stadtratsmitglied egal - wir achten schon darauf, dass trotz eines Neubaus die Natur entsprechend Beachtung findet.

Die Sorge der Bewohner der Fröbelstraße ist, dass die Hochwasserproblematik verstärkt werden könnte. Es gibt aber eine Stellungnahme der Stadtwerke, die diese Befürchtung nicht teilen. Durch den Bau des Regenrückhaltebeckens, so heißt es, würde sich die Situation eher sogar verbessern. Können auch Sie die Bürger beruhigen?

Aus diesem Grunde wurden unsere Stadtwerke beauftragt, eine Stellungnahme abzugeben und die Einbindung des Bauvorhabens in diesem Bereich zu prüfen. Keiner möchte, dass sich die Hochwassersituation in der Fröbelstraße verschlechtert. Daher wollten wir im Vorfeld die Gewissheit haben, dass es technische und bauliche Möglichkeiten gibt, dem entgegenzuwirken und die Lage sogar zu verbessern. Würden hier noch ernsthafte Bedenken aus fachlicher Sicht bestehen, so hätte ich darauf gedrängt, Alternativen zu finden oder das Vorhaben abzusagen.