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Kulmbach
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Turbinenhaus: Konzept fehlt

Die Stadt Kulmbach macht sich mit den Kulturschaffenden auf die Suche nach einem Fortführungskonzept.
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Stillstand im ehemaligen Turbinenhaus der Spinnerei: Bei der Besichtigung mit Vertretern der Kulmbacher Kulturszene erklärte die Stadt, dass der Innenausbau erst erfolgen kann, wenn es ein Konzept gibt. Mit im Bild Oberbürgermeister Ingo Lehmann (Zweiter von rechts) und 2. Bürgermeister Frank Wilzok (rechts). Foto: Stephan Tiroch
Stillstand im ehemaligen Turbinenhaus der Spinnerei: Bei der Besichtigung mit Vertretern der Kulmbacher Kulturszene erklärte die Stadt, dass der Innenausbau erst erfolgen kann, wenn es ein Konzept gibt. Mit im Bild Oberbürgermeister Ingo Lehmann (Zweiter von rechts) und 2. Bürgermeister Frank Wilzok (rechts). Foto: Stephan Tiroch
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Im Herbst durfte die Turbine schon mal leuchten: Das denkmalgeschützte Gebäude war illuminiert, und bei einer Partynacht im November 2019 ging die Post ab.

Jetzt ist im ehemaligen Turbinenhaus der Kulmbacher Spinnerei Tristesse eingekehrt. Die äußere Hülle des markanten Bauwerks neben dem Busbahnhof ist weitgehend fertiggestellt, aber der Innenausbau stagniert. Denn es fehlt ein Konzept für die Kunst- und Kulturhalle.

Über zwei Millionen investiert

Die Stadt Kulmbach hat das Gebäude 2013 gekauft. Bisher wurden über zwei Millionen Euro investiert für statische Sicherung, Schutträumung, Sanierung der äußeren Hülle und der Außenanlagen. Die Arbeiten, die gefördert wurden, sind fast abgeschlossen.

Ideen für ein Konzept erhofft sich die Stadt von "der starken Kulmbacher Kulturszene", die Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen hatte. "Sie sollen einen Eindruck von der tollen Location bekommen. Das Turbinenhaus gibt viel her", sagte er. Das Ziel der Stadt sei es, für jede Nutzung eine Grundlage zu schaffen.

Viel zerstört worden

Was im Detail geplant ist und wie es weitergehen soll, erläuterte Hochbauamtsleiter Bernd Ohnemüller. Das 1928 erbaute Turbinenhaus - einer der ersten Betonbauten in Kulmbach - sei in den 1950er Jahren das größte Industriekraftwerk Oberfrankens gewesen und 1994 stillgelegt worden.

Bei den folgenden Abrissarbeiten sei der Innenraum vom Vorbesitzer weitgehend zerstört worden. Der Denkmalschutz habe die älteste Turbine aus dem Jahr der Inbetriebnahme und den originalen Brückenkran gerettet. "Diese Einbauten sollen auch verbleiben und dem Gebäude den Charme eines Indus-triedenkmals geben", sagte er.

Im Inneren des Gebäudes, so Ohnemüller, seien Galerien und Treppen aus Stahlbeton verbaut worden, die einer Nutzung als Klub oder Diskothek dienen sollten. Neben den Vorplanungen des Architekturbüros Schäfer & Zink seien Fachbüros und die Hochschule Coburg im Rahmen einer Studienarbeit einbezogen worden. "Sie sollten Ideen für den Komplettausbau beziehungsweise Konzepte für die Nutzung entwickeln."

Kernaussage sei jeweils gewesen, dass das Turbinenhaus zweigleisig betrieben werden sollte: mit einem Tagesgeschäft wie Bistro oder Café und einem Eventgeschäft an Wochenenden mit Tanz und Musik. "Keiner dieser Konzeptvorschläge wurde jedoch weiterverfolgt."

Nutzung völlig offen

Aktueller Stand: "Es gibt für den Innenraum kein Konzept. Die Nutzung ist völlig offen", erklärte Ohnemüller. "Bevor wir den Innenraum weiterentwickeln, brauchen wir Ideen." Ohne ein Konzept könne die Stadt auch keinen Förderantrag stellen. Er ging davon aus, dass man noch zwei Jahre brauchen werde.

Im Innenbereich ist nach seinen Angaben vorgesehen, die Backsteinwand herzurichten und sichtbar zu lassen. Auch die Turbine solle saniert werden. Ansonsten fehle nahezu alles: Heizung, Elektrik, Fußböden, Toiletten, Brandschutz, Verbesserung der Akustik und gegebenenfalls ein Aufzug.

Kommentar von Stefan ("Das Eich") Eichner: "Wir suchen also die eierlegende Wollmilchsau auf kulturellem Sektor." Jedenfalls hielt es Vorsitzender Karl-Heinz Greim vom Kunstverein Kulmbach für eine sehr gute Idee, dass die Kulturschaffenden von Anfang eingebunden werden und mitarbeiten dürfen.

"Räume, die wir suchen"

Nach Ansicht seiner Stellvertreterin Cornelia Morsch könne der Kunstverein bereits im jetzigen Zustand des Turbinenhauses Ausstellungen veranstalten. "Das sind Räume, die wir suchen", meinte sie. Eine Anregung, die sich aber nicht verwirklichen lassen wird. Denn es gibt baurechtliche Einwände. Eine Nutzung der Baustelle sei nicht zulässig, sagte Bernd Kolb vom Stadtbauamt.