"Corona hat uns fest im Griff", so begrüßte Bürgermeister Werner Diersch (SPD-WG) den Gemeinderat in der geräumigen Turnhalle. Es war eine besondere Sitzung in einer besonderen Zeit - nicht nur wegen der ungewöhnlichen Lokalität. "Soweit mir bekannt ist, verabschieden wir heute den größten Haushalt, der je in der Gemeinde aufgestellt und eingebracht worden ist, ein ganz schöner Brocken", sagte Diersch.

Der Gemeinderat sei sich einig gewesen, bereits eingetaktete Maßnahmen nicht zu verzögern. Dazu gehören der Schulhausumbau und der Hortneubau. "Die Kommune hat hier an junge Familien und künftige Generationen gedacht und investiert dafür einen Haufen Geld. Auch die noch folgende Kita wird nicht zu einem Schnäppchenpreis zu bekommen sein."

Kämmerer Tobias Müller hatte alle im Finanzausschuss eingebrachten Faktoren zusammengefasst und eine Vorlage geliefert, in der alle wichtigen und bereits angestoßenen Projekte abgebildet waren.

Steigerung um 23,3 Prozent

Er erläuterte die Haushaltssatzung 2020 mit einem Gesamtvolumen von 5,78 Millionen Euro, das ist eine Steigerung von 1,09 Millionen Euro (23,3 Prozent). Die Investitionen liegen bei 2,69 Millionen Euro.

Mit dem Umbau der Grundschule und dem Anbau eines Hortes - mit erwarteten Ausgaben von 1,5 Millionen Euro - soll im Sommer begonnen werden. Die Abstimmung mit dem Architekten und der Schulleitung erfolgt in dieser Woche. Nach Beendigung des Bahnhofumbaus soll der Vorplatz asphaltiert werden. Im Weiherweg muss im Mai eine neue Brücke über die Trebgast gebaut werden. In der Planung sind ferner die Sanierungen der Straßen "Am Bühl" und "Alter Michelsreuther Weg". Für einen Wirtschaftsweg in Lindau werden Mittel für die Tiefbauarbeiten bereitgehalten.

Neues Feuerwehrauto

Einen wesentlichen Teil nimmt auch die Finanzierung des bereits eingetroffenen neuen Fahrzeugs für die Feuerwehr vom Typ LF10 ein. Die Wehrleute warten jetzt darauf, dass sie sich baldmöglichst mit der Technik vertraut machen können, denn vorher kann das neue Auto nicht eingesetzt werden.

Zur Finanzierung dieser Investitionen wird neben staatlichen Zuschüssen und Zuweisungen auch eine Entnahme aus der Rücklage von 790 000 Euro notwendig. Zur Sicherstellung der Liquidität ist ein Kassenkredit von 750 000 Euro erforderlich, da die Großmaßnahme Schule/Hort vorfinanziert werden muss.

Kreditaufnahme unumgänglich

Tobias Müller stellte fest, dass durch die für 2021 geplante Erneuerung der Wasserleitung am Bühl eine Kreditaufnahme unumgänglich sein wird, sofern alle veranschlagten und geplanten Projekte zur Ausführung kommen.

Parallel dazu werde man sich über die Hebesätze Gedanken machen müssen.

Im Verwaltungshaushalt sind Einnahmen und Ausgaben von 3,09 Millionen Euro aufgelistet. Auf der Einnahmeseite schwebt nach Aussage des Kämmerers ein "Corona-Fragezeichen" vor allem über den Positionen Badesee und Gewerbesteuer.

Ohne Diskussion wurde der Haushaltsplan samt Finanzplanung und Investitionsprogramm einstimmig verabschiedet. "Der neue Etat ist eine Herausforderung und kann durchaus als vorbildlich bezeichnet werden. Damit haben wir wirklich Mut bewiesen, Verantwortung übernommen und einen wichtigen, zukunftsführenden Beitrag zur Stabilisierung geleistet", war dann auch Bürgermeister Werner Diersch zufrieden.

Solides Fundament geschaffen

Der dritte Ausbau des Breitbandkabels werde bis 2022 erfolgen. "Das Investitionsprogramm zeigt, wo wir stehen. Der neue Gemeinderat muss die Gewichtung vornehmen. Das bisherige Gremium hat hierfür ein solides Fundament geschaffen."

Ein regelmäßiges wiederkehrendes Thema im Gemeinderat ist die Sanierung von Straßenrissen, Straßenschieberkappen, Bordsteinen und Schachtrahmen. Der Bauhof hat die Stellen definiert, die dringend repariert werden müssen.

Folgende Aufträge wurden jetzt vergeben: Verfugung von Rissen für 4046 Euro an ABS Meiller, Wernberg; 50 Straßenschieberkappen für 13 625 Euro an ABS Meiller, Wernberg; Bordsteinausbesserung für 2006 Euro an BST, Bad Schönbrunn; Schachtrahmensanierung für 16 065 Euro (jeweils brutto) an Vienna, Wallhausen.

Bauarbeiten beginnen im Sommer

Im Sommer soll mit dem Umbau der Grundschule und dem Anbau eines Hortes begonnen werden. Aufgrund verstärkter Hygienemaßnahmen in Corona-Zeiten kann auf der Baustelle kein sonst übliches Dixi-Klo aufgestellt werden. Stattdessen muss während der geplanten Bauzeit von 50 Wochen ein Sanitärcontainer vorgehalten werden. Aufgrund der Dringlichkeit wurde der Auftrag bereits an die Firma Lindner-Bau vergeben. Die entstehenden Zusatzkosten wurden nachträglich genehmigt.

Sein Einvernehmen erteilte der Gemeinderat für den Ausbau eines Dachgeschosses in Lindau.

Obwohl die Verabschiedung der ausscheidenden Gemeinderäte Helmut Küfner, Emil Lauterbach, Manfred Reitmeier und Mark Ständner erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann, kam bei Bürgermeister Werner Diersch am Schluss seiner letzten Sitzung schon ein wenig Abschiedsstimmung auf. Er richtete seinen Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen sechs Jahren an den Gemeinderat, die Verwaltung, die Bauhofmitarbeiter und alle ehrenamtlich tätigen Bürger.

"Wir können sehr zufrieden und stolz auf die geleistete Arbeit zurückblicken. Trebgast hat sich in dieser Zeit weiterentwickelt und wird im Landkreis wahrgenommen und geachtet. Die Bürger und unsere Gäste fühlen sich hier wohl. Die jungen Familien, die sich bei uns niederlassen, stärken auch unsere Vereine und die allgemeine Struktur. Ich übergebe ein gut bestelltes Haus und hoffe auf ein normales Leben in nicht allzu weiter Ferne. Bleibt engagiert und macht das Beste daraus."

Was ist am Badesee möglich?

Was ist in diesem Jahr am Badesee möglich? David Schielke vom Ordnungsamt verlas im Gemeinderat eine Stellungnahme des Innenministeriums: "Nachdem Bäder und Thermen schließen mussten, wird ebenso dringend davon abgeraten, am Badesee schwimmen zu gehen. Bitte denken Sie dabei auch an den Schutz der jeweiligen Einsatzkräfte."

Für Bürgermeister Werner Diersch ist das Anschwimmen der Wasserwacht Mitte Mai gefährdet. "Wir wollen abwarten, was bei der für den 30. April angekündigten Erklärung der Staatsregierung verkündet wird." Zur Sanierung des Rundwegs um den See wurde zwischenzeitlich der Untergrund vorbereitet und abgefräst. Diersch wies darauf hin, dass die Feinschicht derzeit noch nicht aufgetragen werden kann, weil es zu trocken ist. "Dafür brauchen wir erst zwei, drei Regentage", bat er die Spaziergänger noch um etwas Geduld.