Waltraud Hartmann gibt es tatsächlich - allerdings will sie aus ihrem Eigenheim in einem Michelauer Ortsteil keinesfalls wegziehen. Dennoch hat sie am 19.Juli an alle Gemeinden im Landkreis Kulmbach ein Maile geschrieben und nach Bauland gefragt.

Tatsächlich hat sie nur ihren Namen für einen Test hergeben, den diese Zeitung gemacht hat, um einen Aspekt der Bürgerfreundlichkeit der Kommunen zu testen. Wie schnell und umfassend würden die Gemeinden antworten? - Gefragt war nach Bauland (gemeindliches und von Bauträgern), nach Angeboten für altersgerechtes Wohnen und nach Kleinkinderbetreuung für die Enkel.

Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus - oder im Fall von fünf Gemeinden leider ganz. Auch die Qualität war sehr unterschiedlich - und die Reaktionszeit:

Kulmbach (Antwort am 20.Juli, 8.32 Uhr): Die Kreisstadt sichert sich ein doppeltes "Daumen hoch" - denn sie reagiert in Person von Doris Foerster aus der Bauverwaltung nicht nur am schnellsten, sondern auch am umfassendsten. Ein Überblick über alle Bauplätze, der Hinweis auf die sofortige Bebaubarkeit im Bereich ehemaliges VfB-Sportplatzgelände, der Blick auf die Planungen in Forstlahm sowie der Link zu Kindertageseinrichtungen - flink, vollständig, kompetent und freundlich.

Untersteinach mit Guttenberg, Kupferberg und Ludwigschorgast (20.Juli, 8.43 Uhr): Am zweitschnellsten ist die Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach, die bürgerfreundlich antwortet, auch wenn sie wegen des Urlaubs des Zuständigen keine Auskunft geben kann. Schade, dass das versprochene Melden in der ersten August-Woche ausgeblieben ist.

Neudrossenfeld (20.Juli, 9.06 Uhr): Schnell, kurz und kompetent die Antwort aus Neudrossenfeld - ein Grundstück im Baugebiet "An der Schule", zur Frage nach freien Plätzen im benachbarten Kindergarten wird an die evangelische Kirchengemeinde verwiesen.

Marktschorgast (20.Juli, 9.10 Uhr): Auf das persönliche Gespräch setzt der Markt Marktschorgast. "Wäre es Ihnen möglich, dazu zu uns nach Marktschorgast zu kommen? Hierbei könnten wir Ihnen auch die freien Bauplätze, Kindertageseinrichtung, Schule etc. zeigen", schreibt Geschäftsleiter Karl-Heinz Münch.

Mainleus (20.Juli, 9.39 Uhr): Auch der Markt Mainleus verweist auf die Information, die man sich vor Ort holen kann, antwortet insgesamt aber mit am umfassendsten und kompetentesten. Im Baugebiet "Rothe Kelter" gebe es noch freie Plätze in Privatbesitz - die Gemeinde könne aber vermitteln. Bei der Frage nach altersgerechtem Wohnen wird auf zwei laufende Planungen verwiesen - und was die Kinderbetreuung betrifft, macht Bauamtsleiter Hans-Georg Busch auf das umfassende Angebot aufmerksam.

Wirsberg (20.Juli, 10.18 Uhr): Sehr nett, umfassend und kompetent ist auch die Antwort aus Wirsberg. Hier verweist Bauamtsleiter Norbert Specht auf das Baugebiet "Sonnenleite" und einen Bauplatz in Cottenau. In der "Sonnenleite" sei die Grundstücksgröße noch frei wählbar - "außerdem liegen uns hierfür 14 baureife Entwurfs-Planungen (auch barrierefrei) von der Bautechniker-Fachschule Kulmbach vor, die diese für ihre Facharbeit angefertigt haben." In Vorplanung ist zudem ein seniorengerechtes Mehrfamilienwohnhaus - und eine Tagesstätte mit neuer Kinderkrippe.

Himmelkron (20.Juli, 12.19 Uhr): Auch aus Himmelkron ist die Antwort nett und umfassend. Der Hinweis auf das Neubaugebiet "Weißmaintal" in Lanzendorf, der Link zur gemeindlichen Homepage mit Übersicht und Baulückenkataster und die Infos über die Kindertagesstätten vervollständigen die Fakten, die Melanie Dohlus aus der Bauverwaltung gibt.

Stadtsteinach mit Rugendorf (22.Juli, 10.44 Uhr): Aus Stadtsteinach kommt ebenfalls eine sehr ausführliche, freundliche und hilfreiche Auskunft. Geschäftsleiter Florian Puff verweist auf das Baugebiet "Eichelberg", wo die Stadt und private Eigentümer freie Grundstücke haben. Weiter informiert er über die Kinderbetreuungsmöglichkeit und die Fachklinik vor Ort. Der Verwaltungsleiter informiert auch über unerschlossene Grundstücke in Rugendorf. "Es verfügt ebenfalls über Kinderkrippe und Kindergarten und eine Mittagsbetreuung an der Grundschule. Weiterhin gibt es einen Allgemeinarzt und eine Zahnärztin sowie einen Dorfladen mit den Waren des täglichen Bedarfs."

Kasendorf mit Wonsees (22.Juli, 15.35 Uhr): Die Auskunft aus Kasendorf ist umfassend - verwiesen wird auf Kinderkrippe und -hort und auf zwei frei Bauplätze in Heubsch, die allerdings reserviert seien. Weiter gibt es einen angehängten Lageplan zu Baugrundstücken in Peesten. - Zu Wonsees, das zur Verwaltungsgemeinschaft gehört, erfolgt keine Auskunft.

Presseck (23.Juli): In der Marktgemeinde ist das Antwortschreiben Chefsache - und das Informationsmaterial kommt per Post. In einem netten und umfassenden Brief geht Bürgermeister Siegfried Beyer (CSU) auf alle Fragen ein und verweist auf das Baugebiet "Am Pressecker Knock", Bebauungsplan-Unterlagen anbei. Informiert wird weiter über einen Arbeitskreis, der sich mit der Frage altersgerechten Wohnens befasst und gemeinsam mit einem Fertighaus-Anbieter Vorschläge für barrierefreie Häuser entwickelt hat. Schließlich gibt es in Presseck drei Pflegedienste - und Kindergarten mit -krippe.

Thurnau (24. Juli, 12 Uhr): Schließlich antwortet auch der Markt Thurnau, der auf sein Baulückenkataster verweist, mit dem man sich einen Überblick verschaffen kann. Darüber hinaus erwähnt Benjamin Wich von der Bauverwaltung drei Baulücken in Hutschdorf. Er schlägt einen Termin vor, bei dem man über alle Fragen noch einmal reden könnte.

Marktleugast mit Grafengehaig (keine Antwort): Warum es keine Rückmeldung gab, das konnte die Verwaltung in der Urlaubszeit nicht nachvollziehen. In der Regel sei es so, dass grundsätzlich Interessenten eine Liste mit allen Bauplätzen zugeschickt bekommen - inklusive einem Stadtplan, auf dem alle freien Parzellen markiert und mit Preisen versehen sind, erklärt Bauamtsleiter André Weber. Zwischen fünf und zehn Anfragen gibt es in der Verwaltungsgemeinschaft im Jahr. Als Konsequenz aus der unbeantworteten Mail will Bürgermeister Franz Uome (CSU) ein Auge auf das Thema haben und künftig alle Anfragen auch an sich weiterleiten lassen.

Trebgast mit Harsdorf und Ködnitz (keine Antwort): Aus Datenschutzgründen leitet die Verwaltungsgemeinschaft jede Anfrage an die jeweiligen Bürgermeister weiter, erklärt VG-Leiterin Karin Holzbecher. Das sei auch geschehen.
Warum er nicht geantwortet hat, kann Stephan Heckel-Michel (CSU, Ködnitz) nicht mehr nachvollziehen. "Es kann sein, dass die Mail untergegangen ist." Normalerweise stelle er den Kontakt zwischen Grundbesitzern und Bauinteressenten her. Die Gemeinde selbst habe keine Bauplätze im Angebot.
Das gilt auch für Harsdorf. "Ich kann kein Bauland zur Verfügung stellen", erklärt Bürgermeister Günther Hübner (CSU). Das könnte mit ein Grund sein, dass die Mail noch nicht beantwortete wurde und "sicher nicht aus böser Absicht".
Bürgermeister Werner Diersch (SPD, Trebgast) räumt ein, dass ihm das Schreiben "durchgerutscht" ist. In der Regel beantworte er die Anfragen. Die Verwaltung habe so gehandelt wie von ihr erwartet, sagt er. "Den Schuh muss ich mir anziehen."

Kommentar: Bedingt bürgernah

Den Gemeinden wie dem gesamten Landkreis Kulmbach ist eines gemeinsam: Angesichts der demographischen Lage hoffen sie auf Zuzüge. Was aber wird konkret unternommen, wenn jemand zuziehen will? - Unser kleiner Test - und sorry an alle Verwaltungen für den Undercover-Aspekt - hat es in Ansätzen gezeigt.

Da gibt es Rathäuser, die kompetent, klar und freundlich antworten - die Kreisstadt ist hier leuchtendes Vorbild, weitere, die eine Basisinformation schicken - und einige wenige, die die Mail gar nicht beantworten. Warum? - Dem Kunden ist's egal, er wird sich einfach anderswo orientieren.

Ins Leere führen freilich wohl auch Hinweise wie "Wir melden uns wieder" - vor allem, wenn man's dann nicht tut - oder die nette Einladung in die Gemeinde, wenn man vorher überhaupt keine Informationen herausrückt. Wer die Wahl hat, wird vermutlich einer anderen Kommune den Vorzug geben.

Den analogen (Post)Weg hat als einziges die Gemeinde Presseck gewählt. Ist für sich genommen sicher nicht schlecht - wenn auch naturgemäß ein wenig langsamer.

Erstaunlich das Ergebnis aus der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast: Da haben die Bürgermeister aus Harsdorf, Ködnitz und Trebgast solche Anfragen sogar zur Chefsache gemacht - und am Ende antwortet keiner? Selbst wenn man kein Bauland zur Verfügung hat, hätte ein Kunde doch wenigstens Aufmerksamkeit und eine nette Antwort verdient!

Freilich - unser Test ist eine Momentaufnahme, die keine generellen Rückschlüsse zulässt. In dem speziellen Fall, der genau so aber gar nicht so selten vorkommt, muss man einem Teil der Gemeinden attestieren, dass sie bedingt bürgernah sind - bei rund 350 Einwohnern, die der Kreis zwischen 2014 und 2015 netto verloren hat, wäre - um den Trend zu mildern - da durchaus noch Luft nach oben!