Der Tennis-Club Rot-Weiß steckt in finanziellen Schwierigkeiten, hat hohe Schulden. Die Probleme des Kulmbacher Traditionsvereins haben zuletzt für wilde Gerüchte gesorgt, wie zum Beispiel, die Stadt Kulmbach habe das Gelände gekauft. Tatsache ist: "Wir sind nicht zahlungsunfähig, und es droht auch nicht morgen die Insolvenz. Wir sind nur einfach einer großen Belastung ausgesetzt", stellt der Vorsitzende Hans-Dieter Ernst klar. Deshalb hat er zusammen mit seinem Team in den vergangenen Jahren ein Sanierungskonzept erstellt und mit viel Fingerspitzengefühl vorangetrieben. In der Kulmbacher Bürgerhospitalstiftung hat er einen möglichen Partner gefunden. Sie wäre bereit das Grundstück samt Clubhaus zu übernehmen. Eine entsprechende Entscheidung wurde bereits in nicht-öffentlicher Sitzung besiegelt.

"Wenn das Konzept greift, hätten wir pro Jahr etwa 6000 Euro mehr zur Verfügung trotz Miete. Das wäre für uns wichtig", skizziert Ernst. Der Tennis-Club wäre mit einem Schlag einen Großteil der drückenden Schulden los. "Die Kulmbacher Bank hat schon signalisiert, dass sie uns einen Erlass gewähren würde. Aber eben unter der Voraussetzung, dass der Bayerische Landessportverband mitmacht", sagt Ernst.

Im Gegenzug würde der Tennisverein sich verpflichten, die Anlage in Schuss zu halten. In nicht-öffentlicher Sitzung hat dieses Sanierungskonzept schon den Segen der Stadt. Dann wurde die Entscheidung an den Bayerischen Landessportverband weitergereicht. Und von dort soll nun eine Entscheidung kommen. Seit März warten die Kulmbacher nun schon darauf.

"Das Problem ist, dass wir zwar die bearbeitende Stelle sind, aber nicht die entscheidende", erklärt Markus Ott, beim Bayerischen Landessportverband zuständig für Sportstättenbau. "Die Anlage ist top-gepflegt, der Verein steht gut da und wir würden gerne helfen", sagt Ott und spricht damit seinen Kollegen aus dem Herzen, die vor Ort waren und dem Verein gute Noten ausgestellt haben. Doch eigentlich hat das Kultusministerium zu entscheiden. Denn im Zuge des Clubhausneubaus sind Fördermittel gewährt worden. Und um genau die geht es. "Wir haben es hier nicht nur mit einer formellen Umschreibung zu tun, wir haben es mit einem Erlass zu tun. Der Freistaat müsste auf Fördermittel verzichten und das ist nicht so einfach", sagt Ott. "Auch die staatlichen Stellen müssen sich absichern. Alles muss geprüft werden", so Ott.

Doch wie konnte der TC Rot-Weiß überhaupt in diese Schieflage geraten? Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre erlebte Deutschland dank Boris Becker und Steffi Graf einen wahren Tennis-Boom. Auch der TC Rot-Weiß befand sich im steilen Aufwärtstrend. Allein im Jahre 1995 konnte der Club 86 Neumitglieder verbuchen. Jeder wollte Tennis spielen, auch die Kulmbacher.

Bereits 1991 hatte der Verein die alte Eishalle abgerissen und an deren Stelle eine Zweifeldtennishalle mit eigener Heizanlage gebaut. Die Zahl der Außenspielplätze wurde, wegen des anhaltenden Booms, von sieben auf neun erweitert. Schon damals stemmte der Traditions-Club finanzielle Kraftakte. Millionenschulden - allerdings noch in Deutschen Mark - belasteten den Club trotz der öffentlichen Zuschüsse vom Bayerischen Landessportverband, von Stadt und Landkreis. Doch immer wieder verblüffte die Spendenbereitschaft einiger Mitglieder. Und schließlich war das Schlimmste überwunden. Der Club stand wieder auf soliden Füßen.

Die Anlage platzte bald aus allen Nähten. So war es nur logisch, dass der Verein 1996 das Clubhaus in Angriff nahm - ein Prunkstück, das bereits Ostern 1997 eingeweiht werden konnte. Damit hatte der Verein nun die direkte Anbindung an die Tennishalle. Vom Kaminstübchen aus konnten Tennis-Freaks und Youngsters endlich durch die Fenster den Spielbetrieb in der Halle verfolgen. Zwei Terrassen laden seither zum Relaxen nach dem Spiel ein. Die Tribüne wurde umgestaltet: schöner, größer, besser - war das Motto. Doch noch vor der Jahrtausendwende war alles vorbei: Sowohl Steffi Graf als auch Boris Becker traten vom Profisport zurück. Ende des Booms.

Das bekamen die Vereine schnell zu spüren. Erst in den Städten, dann auf dem Land. Die Mitgliederzahlen schwanden - auch beim TC Rot-Weiß. Die Investitionen waren aber noch lange nicht abbezahlt und wurden mehr und mehr zur Belastung, weil die Einnahmen sanken.

Mit 195 Mitgliedern steht der Verein heute auf gesunden Füßen. Mehr als fünfzig Jugendliche gehören dazu - die Zukunft ist also gesichert, so Hans-Dieter Ernst. Er ist auch zuversichtlich, dass sich Tennis wieder im Aufwärtstrend befindet, auch wenn Sabine Lisicki jetzt das Finale nicht für sich entscheiden konnte.

Doch Hans-Dieter Ernst ist Optimist und überzeugt, dass es sich lohnen wird, für den TC Rot-Weiß zu kämpfen. Und weil er sich - frei nach dem Motto "Totgesagte leben länger" - nicht unterkriegen lässt, findet am 21. Juli um 11 Uhr eine große Vernissage mit Künstlern aus Bulgarien von der nationalen Kunstschule Tsanko Lavrenov aus Plovdiv statt. Ljubka zu Guttenberg und einige Mitglieder ihres Orchesters werden die Vernissage musikalisch ausgestalten.