Die Beiden haben im November 2003 in Trebgast das Grundstück Lohmühlgasse 4 erworben. Ihre große Leidenschaft sind Pferde. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände liefen ihre zwei, seit 2009 in Schlömen untergebrachten Tiere, auf das Gleis der direkt daneben vorbeiführenden Bahnlinie. Sie wurden vom Zug erfasst und getötet - für die Eheleute ein herber Schlag. "Mein ‚Sir‘ war speziell für das Westernreiten ausgebildet und hatte einen Wert von 10 000 Euro", sagt Jürgen Trambauer, "aber der emotionale Verlust wog viel schwerer."

Mehr als nur ein Hobby

Vor allem für seine Frau. Pferde sind für sie nicht nur Hobby, sondern auch so etwas wie ein Kinderersatz. Im April 2011 stieß sie im Internet auf "John Loui". Der hatte sich bei der Holzrücke-Arbeit im Wald verletzt. Die Wunde wurde weder behandelt noch gesäubert, das Bein entzündete sich und griff das Gelenk an. Carmen Trambauer nahm das Pferd auf, gab ihn in der Ortschaft Schaitz in Pension und rettete ihn dadurch vor dem Schlachter.
Aber "John Loui" akzeptierte nur ihren Mann. Carmen Trambauer kam nicht an ihn heran. Sie hatte wieder kein Pferd. Einen Monat später bot sich die Gelegenheit, Valeri zu erwerben, das Pferd einer Freundin. Im Juni 2011 waren sich die Eheleute einig: Wir holen unsere Pferde heim. Die Trambauers steckten in der Folgezeit viel Arbeit in die Instandhaltung ihres Grundstücks und taten alles, um ihren Tieren eine artgerechte Haltung zu gewähren und niemandem Anlass zu irgendwelchen Beschwerden zu geben.
Wegen der starken Beanspruchung des Bodens beauftragten sie einen Gartenbaufachbetrieb mit dem Anlegen eines "Paddock": Ein eingezäunter Auslauf für Pferde, der nicht als Weide bepflanzt ist und aus mehreren Schichten besteht, weil er besonders trittfest sein muss.
Alles war in Ordnung. Jürgen Trambauer hat beim Nachbar ein Garagentor eingebaut und auch schon mal einen Kratzer an dessen BMW ausgebessert. Der Nachbar holte die Hinterlassenschaften der Tiere mit dem Schubkarren ab und düngte damit seinen Garten. Die Kinder aus der benachbarten Siedlung kamen oft zu Besuch, durften im Hof eine Runde reiten. Regelmäßig kamen die Kindergartenkinder vorbei. Sie riefen die Pferde beim Namen, brachten ihnen Äpfel mit, malten die Pferde und sangen zum Abschluss noch ein Lied.
Bei "John Loui" schlugen jedoch die Behandlungen nicht an, so dass er immer mehr lahmte. Da die Trambauers nicht wussten, wie lange er noch durchhält, und man ein Pferd allein nicht halten kann, nahmen sie im Juli 2012 noch Charly auf, das Pferd einer Freundin. Ab Mai 2012 störte sich dann aber der Nachbar am Geruch von dem, was die Pferde auf dem Grundstück hinterließen.

"Wiese ist eine Kloake"

"Wenn ich am Sonntagnachmittag auf meiner Terrasse sitze, möchte ich mein Fleisch auf dem Grill riechen und nicht die Pferde", lässt er verlauten. "Es war eine riesengroße Geruchsbelästigung. Wir konnten kein Fenster aufmachen und draußen keine Wäsche aufhängen." Die Wiese sei eine Kloake, ein einziger Misthaufen. Das sei ihm nicht mehr zuzumuten.
Dazu Carmen Trambauer: "Natürlich schaut es schlammig aus, wenn es regnet, und die Pferde laufen dort herum. Und wenn mal Ostwind herrscht - was bei uns ja nicht so häufig vorkommt - kann es schon sein, dass man die Pferde auch mal etwas riecht." Selbst für den benachbarten Biergarten eines Gasthofs sei das kein Problem. Im Gegenteil: Für die Gäste mit Kindern war das sogar ein Anziehungspunkt.
Doch der Nachbar macht eine Rechnung auf: "Ein Pferd lässt am Tag etwa 20 Liter ab. Das sind bei drei Pferden rund 20 000 Liter Urin pro Jahr, die die Erde verseuchen." Und er wundert sich: "Jeder Landwirt muss eine Sickergrube haben, jeder muss seine Fäkalien in einen Kanal einleiten. Wieso muss das hier nicht auch so sein?"
Seine klare Meinung: "Ich habe nichts gegen Pferdehaltung, aber ein Pferd ist kein Haustier." Der Nachbar fragt sich, warum die Trambauers ihre Pferde zumindest tagsüber nicht auf der dafür vorgesehenen benachbarten, zum Grundstück gehörenden Koppel unterbringen. "Da hätten sie genug Auslauf und könnten auch mal einen Sprint hinlegen. Das verstehe ich unter artgerechter Haltung. Wir wollen keine Beeinträchtigung unserer Lebensqualität hinnehmen, nur weil jemand zwei oder drei Pferde halten will und fünf Kinder darauf reiten dürfen."
In der Folge wendet er sich wiederholt an das Landratsamt und verlangt, die aus seiner Sicht gegebenen Missstände abzustellen. Die Behörde riet den Trambauers im August 2012, einen Antrag auf Erlaubnis zur Pferdehaltung zu stellen. Die Gemeinde winkte im Dezember das Gesuch durch, der Veterinär hat eine artgerechte Haltung bestätigt. Die für das Immssionsrecht zuständigen Mitarbeiter des Landratsamts hatten auch keinen Anlass zu Beanstandungen.

Zulässig, aber mit Auflagen

Am 15. August lag der Bescheid des Landratsamts im Briefkasten. Die Trambauers hatten es schwarz auf weiß: "Die private Haltung von zwei Pferden wird bauaufsichtlich genehmigt." Beide waren zufrieden. Allerdings hieß es auf Seite zwei des Bescheids weiter: "Es ist sicherzustellen, dass der westlich gelegene Teil des Grundstücks bis zu einem Abstand von 25 Metern zum Wohngebäude des benachbarten Anwesens Nummer 5 nicht für die Pferdehaltung genutzt wird."
Die Eheleute verstanden die Welt nicht mehr. Damit konnten sie 18 laufende Meter - die Hälfte ihres insgesamt 35 Meter langen Areals - nicht mehr nutzen. Der Auslauf wäre künftig auf eine Länge von 17 mal zehn Meter begrenzt. Diese Fläche, wissen die Trambauers, reicht für eine artgerechte Haltung nicht aus. Vor allem nicht für "John Loui". Er muss langsam kontinuierlich durchlaufen können, sonst versteift sich sein Gelenk.
"Wo sind denn die Pferde?", fragten manche Anwohner, als sie mit ihren Kindern in den vergangenen Tagen wieder einmal den Weg am Bahndamm entlangliefen. Schweren Herzens mussten sich die Trambauers im Interesse ihrer Pferde der Realität stellen: "John Loui" und "Valeri" mussten in ein landwirtschaftliches Gehöft umziehen. "Charly ist auch mit, weil sich die Pferde vom Wesen her so gut verstanden haben", begründet Freundin Juliane diesen Schritt.

Todesurteil für John Loui?

Obwohl "John Loui" jetzt genug Platz zum Laufen hat, ergibt sich dort ein anderes Problem: "Der Tierarzt sagte uns gleich: Wenn ihr den von hier wegbringt, ist das sein Todesurteil. Hier in Trebgast war er halt geschützt. Jetzt ist er in einer Herde mit zwölf Pferden zusammen. Da schlägt mal einer aus, ein anderer beißt mal zu. Und John Loui kann sich ja nicht wehren, weil er mit der Herde nicht mehr mitlaufen kann."
Carmen Trambauers Stimme klingt wenig zuversichtlich. Dabei ist "John Loui" mit neun Jahren noch jung. Ein normales Pferdeleben dauert 25 bis 30 Jahre.