Wenn Mathias Füssel von der Firma Tiepner an seiner Ampel bei Seidenhof steht, dann lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Ob Stinkefinger oder wüste Beschimpfungen der Autofahrer im Vorbeifahren - jeder Kommentar lässt ihn kalt. "Wenn mir wieder jemand den Stinkefinger zeigt, dann lache ich eben. Ich mache ja auch nur meinen Job", sagt er.

Täglich von 7 Uhr bis 19 Uhr werden die Baustellenampeln an der Bundesstraße B 289 manuell geregelt. Das heißt: Ein Mitarbeiter der Leihampelfirma steht an dem Schaltgerät und schätzt die Lage selbstständig ein. "Der Verkehr staut sich in beide Richtungen. Mit normalen Schaltungen kriegt man die Autos nicht weg, man muss dann manuell durchschalten", erklärt Füssel seine Aufgabe. Schon acht Jahre lang ist er "Ampelschalter". "Das ist kein Lehrberuf, sondern man wird eingewiesen.
Aber ein halbes Jahr braucht man schon, bis man alles drauf hat", erzählt Mathias Füssel und zeigt, wie die Schaltung funktioniert. Obwohl Füssel erst dreißig Jahre alt ist, hat er gelernt, sich nicht provozieren zu lassen und nimmt die Ungeduld mancher Autofahrer einfach hin. "Mein Kollege, der am ersten Tag da war, hat sich auch schon einiges angehört", erzählt Füssel. "Ich kann verstehen, dass manche sauer sind, aber sie kriegen ja auch eine neue Straße. Das ist doch auch gut", sagt Füssel.
Und damit spricht er dem Staatlichen Bauamt Bayreuth, das die Sanierung betreut, aus der Seele. 130 000 Euro kostet die Maßnahme. Bei Seidenhof werden seit Beginn der Woche die Deckschicht und die zweite Schicht abgefräst. Dann wird die Straße mit einer komplett neuen Schicht versehen. Dass das Gewerbegebiet Seidenhof nur durch die Bundesstraße erschlossen ist, stellt die Planer vor eine besondere Herausforderung. So gliederten sie die Sanierung der 400 Meter langen Strecke in drei Bauabschnitte.

In den ersten beiden Tagen wird die komplette rechte Fahrbahnseite von Kulmbach Richtung Mainleus saniert. In einem zweiten Abschnitt wird der hintere Teil der gegenüberliegenden Straßenseite in Angriff genommen - genau bis zur Mitte der Kreuzung, wo das Industriegebiet auf die Bundesstraße trifft. Und in einem dritten Abschnitt kommt dann der Teil von der Einmündung des Gewerbegebietes Richtung Kulmbach an die Reihe.

Kompliziertes Projekt

"Die Baustelle ist ganz schön kompliziert, denn wir können ja das Gewerbegebiet nicht abschneiden", gibt Helmut Eulefeld vom Staatlichen Bauamt Bayreuth zu. "Aber wir haben die Schilder schon frühzeitig aufgestellt, die die Autofahrer warnen sollen", kommentiert Friedhelm Schmidt vom Staatlichen Bauamt sein Projekt.
Eigentlich sollte die Firma Markgraf schon in der letzten Woche anrücken, doch das Wetter hat zu Verzögerungen einer Autobahnbaustelle geführt. "Uns macht das Wetter, so wie es angekündigt ist, ein bisschen Sorgen. Denn zum Asphaltieren darf es nicht gerade schütten", erklärt Stefan Schwarzbauer von der Firma Markgraf.
Doch den gestrigen schönen Nachmittag nutzte die Baufirma voll aus. Der erste Bauabschnitt wurde asphaltiert - und ist schon wieder befahrbar.
"Es ist klar, dass es zu Stauungen kommt, aber wir können diese Baustelle nicht auf andere Art und Weise machen", bittet auch Stefan Schwarzbauer vom Bauunternehmen Markgraf die betroffenen Verkehrsteilnehmer um Verständnis und hofft auf gutes Wetter, damit die Baustelle an dem empfindlichen Nadelöhr nach Kulmbach möglichst schnell wieder beendet ist - und der Verkehr wieder ungehindert fließen kann.