Ein Ausrutscher im Training hat für Jacob Schramm böse Folgen. Der 21-jährige Skifahrer aus dem Frankenwald musste nach einem Sturz an der Hand operiert werden. Auf seiner Instagram-Seite posiert der Eppenreuther (Gemeinde Grafengehaig) mit Gipsarm. "Es war ein Leichtsinnsfehler. Ich bin mit dem Skischuh im Innenski auf den Schnee gekommen und so unglücklich gefallen, dass ich mir das Daumensattelgelenk und den Ellbogengelenk am Handgelenk gebrochen habe", erklärt der amtierende Deutsche Jugend-Meister im Super G.

Passiert ist das Malheur in Sulden am Ortler in Südtirol - nur eine Piste weiter, wo sich Jacob Schramm vor drei Jahren einen Kreuzbandriss eingehandelt hat. "Wenn noch mal ein Trainer vorschlägt, dort zu fahren, verweigere ich", sagt der Rennfahrer sarkastisch. Sulden und Schramm - das wird wohl keine große Liebe mehr.

Riesenslalom-Starts als Training

Einen bzw. zwei Tage vor dem neuerlichen Sturz ist Jacob Schramm bei zwei Riesenslalom-Läufen in Sulden die ersten Rennen des Winters gefahren - "um wieder Wettkampfgefühl zu bekommen", wie er sagt. Beim ersten FIS-Rennen belegte der Oberfranke Rang 70, einen Tag später bei der italienischen Meisterschaft den 38. Platz.

Die Resultate erscheinen enttäuschend, doch Riesenslalom ist nur eine Rand-Disziplin für ihn, konzentriert sich doch Schramm seit Jahren auf Super G und Abfahrt. In den schnellen Disziplinen gehört er auch zum Nationalkader B, quasi der deutschen Talentschmiede. Doch weil seine beiden Teamkollegen aus dem Speed-Kader, Christoph Brence und Tobias Neuber, ausfielen, durfte der 21-Jährige sogar mit der deutschen Weltcup-Mannschaft in Sölden (Österreich) trainieren.

Während die Stars um Thomas Dreßen zum Training in den USA geflogen sind, kuriert Jacob Schramm seine Verletzung in der alten Heimat in Eppenreuth aus. "Ich kann ja mit einem Arm nicht mal Auto fahren", sagt der 21-Jährige - und ist deshalb über die Hilfe der Eltern froh. Die meiste Zeit des Jahres lebt der Frankenwälder aber in Berchtesgaden in Oberbayern, wo er näher an den Skigebieten und auch bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr stationiert ist.

Die Brüche wurden sofort in der Orthopädischen Chirurgie München (OCM) operiert. "Die Knochen wurden mit Metalldrähten fixiert", berichtet Schramm, der in ein paar Tagen zumindest wieder joggen will. Noch vor Weihnachten möchte er ins Schneetraining zurückkehren, Mitte Januar beim Europacup in Wengen in der Schweiz wieder um FIS-Punkte fahren. Doch Jacob Schramm ist skeptisch, ob der Plan aufgeht - nicht wegen seiner Verletzung, sondern wegen der Corona-Krise. "Die Schweiz gilt ja als Risikogebiet. Ob da gefahren werden kann, ist fraglich."

Versteigerung für guten Zweck

Die Verletzungs-Zwangspause nutzt Jacob Schramm derweil, um seine alten Rennanzüge und Bekleidung der Nationalmannschaft zu versteigern. Die Auktion läuft auf der Plattform E-Bay-Kleinanzeigen (Stichwort Spendenaktion DSV). Den kompletten Erlös spendiert Schramm den SOS-Kinderdörfern und seinem früheren Kindergarten in Eppenreuth.