Am Samstagabend (18 Uhr) empfängt Basketball-Bundesligist Medi Bayreuth "Kellerkind" SC Rasta Vechta. Die Niedersachsen haben im Kampf um den Klassenerhalt vor wenigen Tagen die Notbremse gezogen, den glücklosen Thomas Päch beurlaubt, Assistant Coach Derrick Allen auf den Trainersessel beordert und setzen jetzt auf den Trainerwechsel-Effekt: Medi Bayreuth sollte gewarnt sein.

Bundesliga, Männer

Medi Bayreuth - SC Rasta Vechta

"Es mag abgedroschen klingen, entspricht aber der Situation: Wir brau-chen einen anderen Impuls", erklärte Vechtas Geschäftsführer Stefan Niemeyer die Trennung von Coach Thomas Päch. "Die Entwicklung der vergangenen Wochen war, auch unabhängig von der Situation um unsere verletzten Leistungsträger, nicht zufrieden stellend." Mit vier Siegen und 21 Niederlagen teilen sich die Niedersachsen mit den Gießen 46ers punktgleich den letzten Tabellenrang, der Rückstand auf den rettenden 16. Platz beträgt bereits sechs Punkte. Das "Fass zum Überlaufen" brachte die desaströse 79:103-Heimniederlage am vergangenen Wochenende gegen die BG Göttingen, bei der Vechta vor der Pause bereits rekordverdächtige 69 Gegenpunkte kassierte.

Den neuen Impuls soll der langjährige Bundesliga-Center und bisherige Assistant Coach Derrick Allen setzen, der sich einen neuen Assistenten aussuchen durfte und sich für den 48-jährigen Mauro Parra entschied, den er unter anderem aus einer gemeinsamen Station bei ALBA Berlin (2010 bis 2012) kennt und schätzt. "Mauro hat schon sehr viel Erfahrung. Und ich habe Vertrauen in seine Arbeit und denke, dass er uns ins dieser schwierigen Situation helfen kann", freut sich Allen auf die Zusammenarbeit.

Vor zwei Jahren noch die Überraschung der Liga

Die Gründe für die derzeitige Misere beim "geilsten Club der Welt" (O-Ton Internetseite), der in den beiden vorangegangenen Jahren zu den positiven Überraschungen der BBL zählte, 2019 bis ins Play-off-Halbfinale vordringen konnte und erstmals auf internationaler Ebene an der Basketball Champions League teilnahm, sind vielschichtig. Erfolgscoach Pedro Calles wechselte zu Ligakonkurrent Hamburg Towers, Abgänge konnten - bedingt durch Einnahmeverluste der Corona-Krise - nicht gleichwertig ersetzt werden und Verletzungsprobleme von Leistungsträgern taten ein Übriges.

Jungnationalspieler Philipp Herkenhoff absolvierte seine letzte von überhaupt nur sechs Liga-Partien am 27. Dezember, der belgische Topscorer Jean Salumu führte Vechta in seinen letzten drei Partien mit durchschnittlich 24,3 Punkten zu drei Erfolgen in Serie im Januar, bevor ihn eine Fußverletzung lahm legte. Eine Rückkehr der beiden Leistungsträger soll aber unmittelbar bevorstehen, vielleicht schon in Bayreuth. Zudem sucht der auf Leihbasis aus Berlin geholte serbische Nationalspieler Stefan Peno noch immer seine Form, die ihn vor seiner schweren Knieverletzung im Februar 2019 ausgezeichnet hatte.

Korner ist stolz auf sein Team

Bei den Oberfranken ist die Stimmungslage deutlich besser. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft: Wir haben einen harten Fight abgeliefert und waren nahe dran. Aber jetzt gilt es, den Fokus auf Vechta zu richten. Diese Spiele sind, auf dem Papier, die zu gewinnenden Spiele", hakte Medi-Coach Raoul Korner die knappe und Niederlage am vergangenen Sonntag bei Tabellenführer Ludwigsburg ab und richtete den Blick auf das Heimspiel gegen Vechta, in dem die Bayreuther Saisonsieg Nummer elf anpeilen.

Das Hinspiel in Vechta am 4. Spieltag endete 92:89 für Medi Bayreuth. Rasta-Center Dennis Clifford erzielte 20 Punkte, Medi-Topscorer Frank Bartley, der zuletzt in Ludwigsburg mit 31 Punkten eine neue persönliche Saisonbestleistung aufstellte, kam auf 18 Zähler. Gegen eine Wiederholung hätte wohl kein Bayreuther etwas einzuwenden.