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Bamberg
Corona-Pandemie

Lockerungen in Sicht: Diese Sportarten dürfen hoffen

Golfen, Tennis, Leichtathletik - diese Sportarten stehen vor der Wiederaufnahme. Andere nicht.
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Die Corona-Krise legt den Sport lahm. Einige Sportarten dürfen aber auf eine Lockerung hoffen. Adobe Stock
Die Corona-Krise legt den Sport lahm. Einige Sportarten dürfen aber auf eine Lockerung hoffen. Adobe Stock

Nach dem Shutdown wird das öffentliche Leben in Teilen wieder hochgefahren, einzelne Geschäfte dürfen wieder öffnen. Ähnliches könnte für den Sport gelten. Denn: Die Bundesländer wollen nach und nach den Trainingsbetrieb im Freizeit- und Breitensport wieder ermöglichen. In einer Sonderkonferenz legten die Sportminister einen Stufenplan vor. Erst soll Training wieder möglich sein, später der Spielbetrieb. Ein genauer Termin wurde aber nicht genannt. Klar ist: Auf Zuschauer müsste noch verzichtet werden und Kontakt- und Mannschaftssportarten müssten sich gedulden. Einzel- und Freiluftsportarten könnten unter Auflagen aber bald wieder loslegen. Wir haben uns bei einigen Sportarten umgehört.

Schießen

Volker Rühle (Hösbach), Bezirkssportleiter in Unterfranken, ist zuversichtlich, dass die Schützen bald wieder schießen könnten. "Unter Auflagen wäre unser Sport problemlos durchführbar", sagt Rühle. Zwischen den Schützen sei sowieso ein Meter Platz. Ließe man einen Schießstand frei, lägen zwei Meter Abstand zwischen den Schützen. "Wir würden auch dafür sorgen, dass sich in einem Raum eine reduzierte Anzahl an Personen aufhält", so Rühle weiter.

In einem ersten Schritt solle der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen, später die ausgesetzte Saison fortgesetzt werden. Eine Tröpfchenübertragung sei beim Schießen nicht zu befürchten. "In unserer Sportart wird nicht geredet und möglichen Schweiß könnte man sofort entfernen." Sollte die aktuelle Saison beendet und die neue gestartet werden können, überlege der Verband auch, Mannschaftsstärken zu reduzieren. "Wir könnten Mannschaften nur mit drei Leuten schießen lassen. Das hätte den Vorteil, dass Vereine mit kleineren Schießständen die Wettkämpfe bei sich durchführen könnten."

Leichtathletik 

"Jede Disziplin lässt sich isoliert trainieren. Deshalb würden wir es begrüßen, wenn wir bald wieder trainieren könnten", sagt Rüdiger Hecht (Forchheim), der oberfränkische Bezirksvorsitzende. Springen, Laufen, Werfen - all das sei mit dem gebotenen Abstand durchführbar. Die größte Differenzierung müsste man bei den Altersstufen machen. "Je jünger die Sportler, umso schwieriger wird es, die Abstandsregelungen einzuhalten", weiß Hecht, dass der Bewegungsdrang der Kinder schwer zu bändigen ist.

Für den Bezirksvorsitzenden ist es denkbar, dass Bundes- und Kaderathleten zuerst wieder trainieren dürfen. Hecht gibt aber zu bedenken: "Wenn die Anlagen wieder öffnen, muss man sehen, dass es nicht überhandnimmt." Es müsse kontrolliert werden, dass die Leute sich daran halten und die Anlagen nicht überlaufen werden. Für Hecht sei klar, dass die Leichtathleten nur zur Ausübung ihres Sports kommen. "Sich danach zusammensetzen, wird nicht möglich sein. Das wird eine relativ sterile Angelegenheit."

Tennis 

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz sind die Tennisanlagen bereits wieder geöffnet, in Bayern noch nicht. "Wenn die Politik entscheidet, Sportarten differenziert zu betrachten, und Öffnungen vornimmt, sollte Tennisspielen wieder möglich sein", sagt Robert Engel (Rödental), der oberfränkische Bezirksvorsitzende. Der nötige Abstand zwischen den Sportlern könne problemlos eingehalten werden. "Selbst ein Doppel wäre möglich. Jeder spielt auf seiner Seite und diagonal beträgt der Abstand acht Meter."

Dass der Ball möglicherweise Viren übertragt, gilt Experten zufolge als extrem unwahrscheinlich. Auflagen müssten beim Duschen und dem Zusammensitzen im Vereinsheim gemacht werden. "Im Tennis ist es üblich, den Gegner zu bewirten. Dafür müssten Regeln getroffen werden, um den Abstand einzuhalten und nicht in Kontakt zu kommen."

Tischtennis 

Hartmut Müller (Lichtenfels), Vorsitzender des Tischtennisbezirks Oberfranken West, glaubt daran, dass seine Sportart eine sein kann, die nach einer Öffnung der Spielstätten durch die Politik recht bald auch wieder in den Spielbetrieb starten könnte. "Durch den Tisch sind die Gegner weit genug voneinander entfernt", sagt Müller. Den Handschlag, als einzigen Kontakt, könne man weglassen. "Einzig im Doppel kämen die Spieler des eigenen Teams in Kontakt. Da wird bereits darüber nachgedacht, den Ligenspielbetrieb ohne Doppel durchzuführen."

Auch wenn eine Ansteckung über den Ball eher unwahrscheinlich ist, hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) dafür einen Lösungsvorschlag. Jeder Spieler benutzt einen eigenen Ball, den nur sie aufschlagen. Der sollte dann auch dem des Gegners unterscheidbar sein.

Verboten wäre auch das Abwischen des Handschweißes am Tisch und das Anhauchen des Balles vor der Angabe. Um ganz sicher zu gehen, soll es auch keinen Seitenwechsel geben. Müller sieht bei Einhaltung dieser Vorschriften keine Probleme, wieder mit dem Trainings- und später mit dem Spielbetrieb zu starten. "Ob man allerdings angesichts der Krise die Meldefrist für Mannschaften am 16. Mai und die Wechselfrist zum 31. Mai aufrechterhalten soll, stelle ich zur Diskussion. Aber das ist sicher ein kleineres Problem, das es zu lösen gilt", sagt der Bezirksvorsitzende.

Golf 

Als prädestiniert sehen sich die Golfer an, dass ihre Sportstätten baldmöglichst wieder geöffnet werden. Mark Bohn, stellvertretender Präsident des Golfclubs Reichmannsdorf (Landkreis Bamberg), sieht bei der Ausübung seines Sport nahezu keine Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken. "Unsere Sportart und der Deutsche Golf-Verband haben sich zu Beginn der Krise solidarisch gezeigt, als man nicht wusste, wie man mit Corona umzugehen hat.

Doch inzwischen sehen wir die Sperrung der Golplätze als Farce an. Der Staat schützt uns vor etwas, wo es nichts zu schützen gibt." In Rheinland-Pfalz etwa darf Golf bereits wieder gespielt werden. Mögliche Ansteckungsgefahren schließe man mit Hygiene-Maßnahmen aus. Bei der Ausübung des Sports halte man naturgemäß Abstand. Gegenstände, die beim Golfen von verschiedenen Spielern angefasst werden, sind der Bunker-Rechen, die Fahnenstange im Loch und auf der Driving-Range die Körbchen für die Bälle.

"Als Rechen im Bunker sollen die Spieler nun ihren eigenen Schläger verwenden, um den Sand wieder etwas zu begradigen. Die Fahnenstange darf seit vergangenem Jahr im Loch stecken bleiben und das Ball-Körbchen sollen die Spieler nach Gebrauch desinfizieren", beschreibt Bohn die Maßnahmen, die eine mögliche Virusübertragung verhindern sollen. Mit einem Modul (per App oder telefonisch) können die Spielerduos in zehnminütigem Abstand ihre Startzeit buchen. So kommt es nicht vor, dass man mit anderen Spielern in Kontakt kommt.

"So viel erlauben wie möglich"

"Derzeit arbeiten wir an einem Konzept für die Freigabe weiterer Sportarten ab circa Anfang Mai", sagt der bayerische Sportminister Joachim Herrmann. Laufen, Radfahren und Wassersport auf natürlichem Gewässer sei schon wieder möglich, weitere sollen folgen. "Wir wollen den Menschen so viele Sportarten wie möglich erlauben. Dabei werden wir das aktuelle Infektionsgeschehen aber sehr genau im Blick behalten. Im Zweifel geht der Infektionsschutz vor", so Herrmann.

Die Zwischenbilanz gebe Anlass zur Hoffnung: Nach vollständiger Einstellung des Sportbetriebs und Schließung aller Sportstätten sehen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Landes-Sportbünde Signale, die eine Wiederaufnahme des Sporttreibens in den einzelnen Bundesländern ermöglichen. Dazu gab es bei einer Videokonferenz der 16 Landessportbünde (LSB-Konferenz) gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ein einstimmiges Votum.

Gesundheitsexperte: Öffnung möglich

Prof. Dr. Eckhard Nagel vom Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth hält eine Wiederaufnahme des Sportbetriebes für möglich. Allerdings nur in Einzelsportarten und unter den bekannten Auflagen. "Generell geht es ja darum, Abstand zu halten und eine Tröpfcheninfektion zu vermeiden. Insofern gilt im Rahmen des Sports das Gleiche wie bei der Bewegung im öffentlichen Raum", sagt Nagel, "kommt man mit Personen zusammen, mit denen man die Wohnung nicht teilt oder keinen engeren sozialen Kontakt hat, muss auch beim Sport beachtet werden, was im öffentlichen Raum gilt.

Trainingszentren könnten auch geöffnet werden, wenn diese so besucht werden, dass diese Grundbedingungen eingehalten werden." Dass über Sportgeräte Viren übertragen werden, kann Nagel nahezu ausschließen. "Nach dem heutigen Kenntnisstand können über Flächen keine Viren übertragen werden. Deshalb kann man mit vorsichtiger Sicherheit sagen, dass etwa vom Tennisball keine Gefahr ausgehen kann. Einen Tischtennisball darf man eben auch nicht in den Mund nehmen - dann geht auch keine Gefahr davon aus."

Dass sich Menschen über den Schweiß eines anderen anstecken könnten, davon ist nicht auszugehen. "Alle Untersuchungen bisher haben keine Hinweise dafür gegeben, dass das Coronavirus über eine sogenannte Schmierinfektion übertragen werden könnte. Dementsprechend ist dies auch kein Problem - und dennoch bleibt es bei den allgemeinen Hygieneregeln: Abstand halten, Hände waschen, nicht mit den Fingern ins Gesicht", sagt Nagel.us/the

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