"Der TSV Ködnitz gehört einfach in die Kreisklasse!" Diesen Satz hatten die eingefleischten TSV-Fans in den vergangenen Jahren mit Sicherheit oft auf den Lippen, aber es hat einfach nicht gereicht. Die Freude bei den Gelb-Schwarzen ist deshalb in dieser Corona-Saison umso größer, auch wenn der TSV die Meisterschaft und den Aufstieg "nur" am Grünen Tisch geschafft hat.

Das Geheimnis des Erfolgs: Mit Marco Dressel hatte der TSV einen Trainer, der genau zur Mannschaft passt. Dass mit Kameradschaft Berge zu versetzen sind, hat in Ködnitz zugetroffen. Den Erfolg konnten die "Kengster" zwar noch nicht richtig feiern, aber er wird, wie Vorsitzender Holger Göhl verspricht, auf jeden Fall nachgeholt. Feiern kann man in Ködnitz, aber: Das Erlebnis, einen Aufstieg nach einem Spiel zu feiern, ist für Fußballer unvergesslich - und bleibt verwehrt. "Es gibt nichts Schöneres, wenn dies unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf dem Platz passiert", sagt Dressel.

Gewachsenes Umfeld

Zur Erfolgsgeschichte gehört auch das Umfeld mit einer engagierten Vorstandschaft und einem umtriebigen Spielleiter, der seit seinem achten Lebensjahr für den TSV am Ball ist: Matthias Kern versteht es, eine Mannschaft zu führen und bei Laune zu halten: "Ich versuche, die Kameradschaft, das Gewachsene im Verein und auch das Erfolgserlebnis vorzuleben. Bei uns spielen Fußballer, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen und die jeder im Verein kennt. Punktuell haben wir uns aber mit Spielern verstärkt, die zum Verein passen. Das ist uns ganz wichtig." Die Mannschaft hatte vom ersten Spieltag den Aufstieg im Blick, hatte beim Zeitpunkt des Saisonabbruchs noch fünf Spiele zu absolvieren und lag zwei Punkte vor Vatanspor.

"Das Team war sehr auf den Aufstieg fokussiert, nachdem wir in der vergangenen Saison im letzten Spiel vom FC Kirchleus von Platz 2 verdrängt wurden. Daran hatte die Mannschaft und auch der Verein ganz schön zu zausen, aber wir haben danach eine Moral an den Tag gelegt, nach dem Motto: Jetzt erst recht", sagt Kern: "Natürlich hat auch unser Trainer viel dazu beigetragen. Er hat eine tolle Menschenkenntnis. Marco Dressel ist für den TSV Ködntz wie Hansi Flick für den FC Bayern."

Dressel hatte zuvor den TDC Lindau trainiert und löste Alexander Degelmann ab: "Alexander hat vier Jahre hervorragende Arbeit bei uns geleistet. Marco war für mich schon immer ein Trainer mit einem Gespür für die Situationen. Von einem Trainer erwarte ich als Zuschauer, dass ich seine Philosophie im Spiel erkennen kann. Die Kreisklasse wird freilich schwer, ich habe aber überhaupt keine Bedenken, dass wir dort nicht bestehen können", so Kern.

"Die Mischung hat gepasst"

Für Dressel kam der Aufstieg nicht unerwartet. "Wir hatten von Anfang an eine super Trainingsbeteiligung, einen gesunden Konkurrenzkampf. Es war auch keiner sauer, wenn er einmal nicht gespielt hat oder ins zweite Glied gerückt ist. Das hat den Erfolg ausgemacht. Wir hatten zwar einige Abgänge, aber auch einige junge Neuzugänge, die Mischung hat definitiv gepasst." In der Kreisklasse sieht Dressel sein Team konkurrenzfähig "Jetzt hat man so lange darauf gewartet, da wollen wir auch so schnell nicht wieder runter. Die Mannschaft wird weiter zusammenwachsen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir vielleicht auch den einen oder anderen Neuzugang."

Kapitän Moritz Preuß spielt am liebsten in der Innenverteidigung, aber meistens auf der "Sechs". Für ihn war das Negativerlebnis beim letzten Spieltag der Vorsaison gegen Kirchleus entscheidend: "Da haben wir den Aufstieg hergeschenkt. Danach gab es zwei Möglichkeiten: Die Mannschaft zerbricht daran oder wir legen noch eine Schippe drauf. Der Wille, wieder zurückzukommen, war einfach stärker."

Fabian Blumenstock war mit Niklas Riediger der beste Torschütze. Zusammen erzielten sie 41 Treffer. "Ich finde, dass wir seit ein paar Jahren stärker an dem Strang ziehen, wieder hochzuwollen. Das hat man dann auch an der Trainingsbeteiligung gemerkt. Einen großen Anteil daran hat unser Trainer, weil er vieles gut macht, auf der einen Seite im Training ziemlich hart zu uns ist, aber auf der anderen Seite danach wieder locker. Was ich gut finde: Er hält einen gewissen Abstand zu uns, er gibt sich nicht als Kumpel", sagt Blumenstock.

Umkleiden in neuem Glanz

TSV-Vorsitzender Holger Göhl ist mächtig stolz auf sein Team. Das kann er auch auf seine Arbeitsleistung sein: Er hat in rund 500 Stunden praktisch im Alleingang die Umkleide/Duschräume im Sportheim zu einem Schmuckkästchen gemacht: "Für mich ist es das Nonplusultra, nicht nur die gelungene Sanierung zu sehen, sondern jetzt auch mit dem Verein und der Mannschaft den Aufstieg zu feiern."