Markus Rinderspacher tritt in die Pedale. Etwa 200 Kilometer hatte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion schon hinter sich, als er am Montagmorgen in Marktschorgast zur sechsten Etappe seiner Sommertour startete, die ihn mit SPD-Mitgliedern, den "Roten Radlern", durch den Landkreis Kulmbach führte.


Bis dato höhengleicher Übergang

Seit Jahren strampelt sich der 48-Jährige ab und erkundet Bayern. Er will die Parteibasis kennenlernen, mit Menschen in Kontakt treten, sich ihre Sorgen und Nöte anhören. Sorgen haben die Marktschorgaster. Nicht die, die mit dem Rad fahren, aber all die, die auf die Bahn angewiesen sind und bis dato in ihrem Heimatort den Weg von Bahnsteig zu Bahnsteig höhengleich über die Gleise nehmen.

Aus Sicherheitsgründen sei das nicht mehr möglich, sagt die Deutsche Bahn, die den Bau einer 650 000 Euro teuren Überführung plant. Ein Brückenbauwerk, mit dem die Barrierefreiheit aber verloren ginge. Denn einen Aufzug wird es dann nicht mehr geben. Den müsste die Marktgemeinde selbst finanzieren. Bei Kosten von einer halben Million Euro steht das aber nicht zur Diskussion.


Ein Dilemma

SPD-Ortsvereinsvorsitzende Angela Munk machte das Dilemma deutlich. 470 Zuggäste würden täglich in Marktschorgast gezählt. Laut Bahn. Eine Zahl, die viele Marktschorgaster aber zu hoch gegriffen sehen. Wie Munk erläuterte, müsse die Bahn erst ab 1000 Personen für die Barrierefreiheit sorgen. Die Marktschorgaster würden eine Lösung präferieren, wie es sie in Trebgast gibt. Dort ("Laut Bahn sind es dort 300 Zuggäste") gibt es einen ebenen Übergang mit einer Schranke. "Den bekommen wir nicht. Denn dafür haben wir leider wiederum zu viel Leute, die mit der Bahn fahren."


Rinderspacher: Freistaat muss helfen

Von einem "Schildbürgerstreich ohnegleichen" sprachen nicht nur Landtagsvizepräsidentin MdL Inge Aures und Bundestagskandidat Thomas Bauske, sondern auch Markus Rinderspacher. "Jetzt haben die Marktschorgaster einen barrierefreien Zugang, nach dem Umbau nicht mehr. Das ist nicht nachvollziehbar", betonte der SPD-Landtagsfraktionschef, der das Land in der Pflicht sieht. Es gebe ein Förderprogramm für den barrierefreien Ausbau kleinerer Bahnhöfe, teilte Rinderspacher mit: "Ich hoffe, dass der Freistaat erkennt, dass Marktschorgast in das Ausbauprogramm aufgenommen und die Marktgemeinde unterstützt werden muss", sagte er.
Nach dem Ortstermin stieg der SPD-Politiker nicht in den Zug einstieg, sondern machte sich mit den "Roten Radlern" weiter auf den Weg durch den Landkreis Kulmbach.


Weitere Stationen

In Wirsberg spricht Rinderspacher mit den Radlern der Naturfreunde", in Ludwigschorgast informiert er sich um den geplanten Bau eines Regenrückhaltebeckens. In Untersteinach legen die "Roten Radler" einen Stopp am Umgehungsbau ein Stopp und besichtigen die Kindertagesstätte. Nach dem Besuch der Kulmbacher Bierwoche geht es nach Mainleus. Dort wird über den Sanierungs- und Investitionsbedarf gesprochen, in Mainroth schließlich über die Ortsumfahrung und DSL-Versorgung.