Vorbereitung ist eben alles im Leben — das kann man beim Spazierengehen unterschiedlich interpretieren.
Endlich Sonne! Auch wir waren euphorisch am letzten Wochenende, voller Tatendrang, nach draußen zu gehen und frische Luft zu schnappen. Die Idee: auf den Staffelberg wandern!
Voll motiviert wurden dann die alten, ausgelatschten Turnschuhe ausgepackt, passend zu Jeans, Pullover und Winterjacke. Schon am Parkplatz fühlten wir uns vollkommen "underdressed" - also unpassend gekleidet. Denn in Staffelstein praktiziert man wohl Spazierengehen für Fortgeschrittene.
Die Fußgänger jeden Alters, die aus ihren Autos stiegen, waren quasi dem letzten Katalog für modische Outdoor-Outfits entsprungen: Funktionsjacken, Laufhosen, Wanderschuhe, dazu den passenden Rucksack, das Multifunktionstuch um den Kopf und die Walking-Stecken in der Hand. Alles war in keineswegs dezenten Neonfarben gehalten, hin und wieder auch auf die Kleiderwahl des Partners angepasst.
Beim Anstieg warfen wir dann aber neidische Blicke auf uns entgegenkommende Spaziergänger in Neonorange. Denn die alten Turnschuhe gaben nicht wirklich guten Halt auf dem verwurzelten Untergrund, die Winterjacke wurde schnell mangels ausreichender Belüftung unbedarft um die Hüften geschwungen und so ein Walking-Stecken, schien auf einmal sehr attraktiv.
Oben angekommen - durchgeschwitzt und an der eigenen Ausdauer stark zweifelnd - bot sich modisch das gleiche Bild. Allerdings wanderten die neonleuchtenden Profis nicht dynamisch auf und ab, sondern standen alle in der Schlange für ein kühles Helles und eine Brotzeit an. Wir gingen lässig vorbei, suchten uns eine Bank, öffneten unseren kleinen, ausgebeulten Rucksack und packten aus: Brotzeit für Fortgeschrittene. Die neidischen Blicke der Funktionskleidung-Fraktion waren uns sicher.