Comedian Stefan ("Das Eich") Eichner wird sich wundern. Bei einer Baustellenbesichtigung im Turbinenhaus hat er vor einem halben Jahr laut gedacht: "Wir suchen also die eierlegende Wollmilchsau auf kulturellem Sektor." Jetzt soll es genau so kommen. Am Donnerstag wurde im Stadtrat das Konzept für die Kunst- und Kulturhalle vorgestellt. Hochbauamtsleiter Bernd Ohnemüller erläuterte die Planung und zeigte eine Visualisierung, wie das Turbinenhaus innen aussehen wird. Nicht nur Doris Stein (Grüne) war begeistert: "Da bleibt kein Wunsch offen. Sie haben die ganze Kultur in Kulmbach hinter sich."

"Wir wollen mit dem Turbinenhaus weiterkommen und erfolgreich sein", sagte Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD). In dem denkmalgeschützten Gebäude an der Ecke Hans-Hacker-Straße/Heinrich-von-Stephan-Straße solle von der Technoparty über Ausstellungen bis zu Kabarett und Comedy alles stattfinden.

Das größte Industriekraftwerk

Um die äußere Hülle instand zu setzen, wurden in dem Objekt, das die Stadt 2013 kaufte, bisher rund 2,8 Millionen Euro verbaut. Hier war früher die Energiezentrale der Spinnerei. Das 1928 erbaute Turbinenhaus - einer der ersten Betonbauten Kulmbachs - war in den 1950er Jahren das größte Industriekraftwerk Oberfrankens und wurde 1994 stillgelegt. Bei den folgenden Abrissarbeiten wurde der Innenraum vom Vorbesitzer weitgehend zerstört. Der Denkmalschutz konnte die älteste Turbine aus dem Jahr der Inbetriebnahme und den originalen Brückenkran retten.

Zuvor produzierten hier drei Turbinen Strom für den Großbetrieb. Angetrieben wurden sie mit Dampf, erzeugt im Kesselhaus, das zwischen Schlot und Turbinenhaus stand. Die Kessel wurden mit Braunkohle befeuert. Der Brückenkran diente dazu, bei Wartungsarbeiten an den Turbinen schwere Bauteile auszuwechseln.

Die beiden erhaltenen Einbauten geben dem Gebäude den Charakter eines Industriedenkmals, sagte Ohnemüller. Er bezifferte die Kosten für den Innenausbau mit circa 3,8 Millionen Euro. Bei der Finanzierung wolle man eine ähnliche Förderquote erreichen wie beim ersten Bauabschnitt mit über 80 Prozent.

Bar und mobile Bühne

Das Konzept sieht laut Ohnemüller vor, dass das multifunktionale Turbinenhaus für alle Kulturschaffenden, für die Stadt, für die Universität oder für die Wirtschaft nutzbar sein soll. Besucher erreichen das Gebäude, das maximal für 400 Personen Platz bietet, durch den Haupteingang vom Busbahnhof aus. Hier befinde man sich auf der zweiten Ebene mit der Turbine. Unten sei eine mobile Bühne geplant und Platz für 100 bis 120 Zuschauer. Dazu Lager, Technikraum und Toiletten sowie eine Cafeteria-Bar "mit der schönen Fensterfläche" zur Hans-Hacker-Straße.

Problematisch ist Ohnemüller zufolge die Akustik mit erheblichen Nachhallzeiten. Hier müsse einiges getan werden. "Aber mit zusätzlicher Ausstattung bekommen wir es hin", meinte er. So hätten zum Beispiel die Vorhänge auch einen akustischen Zweck. Außerdem brauche man Akustikputz auf den Backsteinwänden: Der bisherige Rohbauzustand im Innenraum "wird so ideal nicht bleiben können".

Das Konzept wurde vom Stadtrat einstimmig gebilligt. Das Fazit von OB Lehmann lautete: "Das kann eine tolle Sache werden."