Eine stramme Tagesordnung mit nicht weniger als 13 Punkten hatte der Wirtschafts- und Kulturausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung zu bewältigen. Im Fokus stand dabei die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Zunächst ging es um einen Ausgleich von Schäden im ÖPNV aufgrund der Corona-Pandemie im Freistaat. Hier hatte der Landkreis 100 000 Euro für die Verkehrsunternehmen beantragt, die über die Regierung von Oberfranken auch weitergereicht wurden. Für die vorübergehende Steigerung der Beförderungskapazitäten im Schülerverkehr erhofft man sich eine Förderung von 163 515 Euro.

Hoffnung auf 100 Prozent

Landrat Klaus Peter Söllner und die Mitglieder des Ausschusses war zuversichtlich, dass der Freistaat Bayern wie angekündigt die Kosten zu 100 Prozent übernimmt. "Wir können die Unternehmen nicht im Regen stehen lassen," sagte Söllner. Falls Restkosten nicht übernommen werden, ist der Kreis bereit einzuspringen.

Kenntnis nahm das Gremium von den Ausführungen zur Erfassung und Digitalisierung aller Haltestellen in Bayern. Ziel ist Durchgängigkeit für Fahrgastinformation im Freistaat. Dies kann aber nur erreicht werden, wenn alle Verkehrsunternehmen und -verbünde an das Hintergrundsystem angeschlossen sind. Der Landkreis Kulmbach wird nun bis zum nächsten Fahrplanwechsel alle Haltestellen- und Fahrplandaten der öffentlichen Linien in das System integrieren. Wie Michael Beck von der Verwaltung weiter erklärte, werden die Daten auch in den Bayern-Fahrplan eingespeist. Die Programmierung kostet einmalig 1210 Euro und danach jährlich 243,41 Euro. Fahrplanauskünfte können künftig über das Internet und Apps abgerufen werden.

Auf Zustimmung stießen die Fahrplananpassungen im nordöstlichen Landkreis und das Variobus-Angebot für den Raum Kupferberg, Guttenberg, Marktleugast und Grafengehaig. Die zusätzlichen Haushaltsmittel belaufen sich auf rund 9000 Euro im Jahr.

Fahrradbusse in die Fränkische Schweiz

Als eine tolle Geschichte bezeichnete Landrat Söllner die Erweiterung des Frankenwald- und des Fichtelgebirgsmobils um Fahrradbusangebote für die Fränkische Schweiz. Volker Griesbach von der Verwaltung sprach von einem durchschlagenden Erfolg mit einer außergewöhnlichen Bedeutung.

Die Erweiterung des Netzes der Fahrradbuslinien in die Fränkische Schweiz wird den Landkreis Kulmbach künftig jährlich mit rund 30000 Euro belasten.

Brauchbar nannte Söllner ferner die Umsetzung des Nahverkehrsplans für ein Variobus-Konzept im östlichen Landkreis mit dem Raum Himmelkron, Trebgast, Neuenmarkt und Wirsberg. Die notwendigen Mittel von maximal 30 000 Euro sollen im Haushalt 2021 eingestellt werden. Die Umsetzung ist bis Mitte des Jahres geplant. Eine mögliche Anschlussförderung an das bestehende Variobus-Konzept wird noch mit der Regierung von Oberfranken geklärt.

Noch Klärungsbedarf

Für die Schaffung eines Modellprojekts zur Umsetzung eines autonomen E-Bus-Shuttle-Konzepts zwischen dem Bahnhof Neuenmarkt-Wirsberg und Wirsberg sahen Landrat Klaus Peter Söllner und Michael Beck noch Klärungsbedarf. Dazu lag ein Antrag der Marktgemeinde Wirsberg und von SPD-Kreisrat Hermann Anselstetter vor. Die Verwaltung schlug vor, die in den vergangenen Jahr zum Modellprojekt "Shuttle-Modellregion Oberfranken" geknüpften Kontakte weiter zu pflegen. Fachleuten seien sich dagegen einig, dass die Umsetzung von autonomen Mobilitätskonzepten nicht vor 2025 möglich sein wird. Deshalb, so Beck, habe man unabhängig von dem Antrag eine ÖPNV-Verbesserung im Raum Neuenmarkt/Wirsberg und Himmelkron erarbeitet, die zeitnah umgesetzt werden könnte.

Für Hermann Anselstetter war das zu wenig, er vermisste eine Initiative des Landkreises und war von der Verwaltungsvorlage enttäuscht: "Sie ist vollkommen negativ. Momentan ist unser Landkreis beim autonomen Fahren ein Zaungast und kein Schrittmacher. Wo bleiben da die Begeisterung, die Visionen für ein autonomes Konzept."

Anselstetter sprach sich für eine Testphase aus und war der Meinung, dass ein Abwarten auf den "Tag X" nicht zielführend sei. Eine Machbarkeitsstudie wäre für den SPD-Kreisrat ein erster Schritt, um in die Zukunft zu schauen: "Lasst uns gemeinsam in das autonome Zeitalter einsteigen."

Landrat Klaus Peter Söllner schlug vor, sich mit dem Projektkonsortium der insgesamt zehn Partner in Verbindung zu setzen, um von dort eine konkrete Stellungnahme zu möglichen Modellregionen für autonomes Fahren zu erhalten.