Auf den Fußballplätzen im Landkreis Kronach herrscht offenbar das Faustrecht. Nach dem Zwischenfall vor einer Woche in der A-Klasse 2 in Zeyern, als ein Spieler aus Tschirn durch einen Faustschlag verletzt worden war, hat es diesmal zwei Spieler der SG Gärtenroth/Danndorf getroffen. Die Polizei ermittelt gegen einen Fußballer des FC Gehülz wegen Körperverletzung.

Am letzten Saisonspieltag der A-Klasse Kronach 1 kam es am Samstag zur Partie des FC Gehülz gegen die SG Gärtenroth/Danndorf. Ein Spieler der Heimmannschaft, so die Kronacher Polizei, habe aufgrund eines Foulspiels zunächst einen Freistoß erhalten. Danach habe der Gefoulte seinen Kontrahenten attackiert und dafür die rote Karte gesehen. Nach dem Feldverweis sei der vom Platz gestellte Beschuldigte auf den Gästespieler losgegangen und habe ihm einen Faustschlag aufs linke Auge versetzt.

Während im Polizeibericht von einem verletzten Gästespieler die Rede ist, stellt sich der Vorfall aus der Sicht des SG-Trainers Bernhard Förtsch etwas anders dar. Auslöser für den Tumult sei ein "ganz normaler Zweikampf" in der Schlussphase der Partie - laut Spielbericht die 73. Minute - gewesen. "Unser Spieler Christian Schreiber ist im Kampf um den Ball reingerutscht. Dann ist sein Gehülzer Gegenspieler durchgedreht und hat ihm einen Kinnhaken verpasst, dass er zu Boden ging", so der SG-Coach.

Fünf Minuten Tumult

Schiedsrichter Gunther Beetz (SV Heilgersdorf) zeigt dem Schläger "Rot". Laut Förtsch sind Zuschauer aufs Spielfeld gelaufen. Es sei zu einem Gerangel gekommen. Der Tumult habe zirka fünf Minuten gedauert, bevor der Übeltäter von Platzordnern vom Feld geführt worden sei. Dabei habe sich der Gehülzer aber losgerissen und auch noch Lars Nielsen mit einem Kinnhaken umgehauen. Der zweite Spieler der SG Gärtenroth/Danndorf sei ebenfalls k.o. gegangen.

Vom FC Gehülz gibt es zu dem Vorfall offiziell keine Stellungnahme. Vorsitzender Jens Arnold ("gutheißen können wir das nicht") will sich nicht in Rage reden. Er sagt lediglich, dass man sich zunächst noch intern beraten müsse, bevor sich der Verein äußert.

Provoziert und gewürgt

Allerdings war im Umfeld des Kronacher Klubs zu erfahren, dass der Gehülzer Fußballer vor seinem Ausraster provoziert worden sei. Er sei sogar von einem Gegenspieler "gewürgt" worden, so ein Zuschauer. Nach seinen Angaben habe es "so was beim FC Gehülz noch nicht gegeben".

Trotz der Vorfälle brach der Schiedsrichter die Partie nicht ab und führte das Spiel zu Ende. SG-Trainer Förtsch ließ seine Mannschaft, die durch Tore in der 1. und 27. Minute 0:2 zurücklag, auf dem Feld. Auch die beiden Spieler, die Opfer des Gehülzer Schlägers geworden waren, hielten bis zum Schluss durch. Erst anschließend gingen sie in Kronach zur Polizei.

Schiedsrichter hat regelkonform entschieden

Der Schiedsrichter, so der Kulmbacher Obmann Udo Konstantopoulos, hat sich regelkonform verhalten. "Der Schiedsrichter entscheidet, ob das Spiel ordnungsgemäß über die Bühne gebracht werden kann", so Konstantopoulos. Er müsse abwägen, ob weitere Ausschreitungen drohen und Gefahr für Spieler oder Schiedsrichter besteht. Die Vorkommnisse seien ein Fall fürs Sportgericht, so der Kulmbacher Schiedsrichterobmann, der selbst nicht in Gehülz gewesen ist.

Allerdings wird der Vorfall nicht nur vor dem Sportgericht landen, sondern auch die ordentliche Gerichtsbarkeit beschäftigen. Zwar muss jedem Spieler klar sein, dass er - bedingt durch die Zweikampfsituation - bei seinem Sport eine eigene Verletzung billigend in Kauf nimmt. Aber der Fußballplatz ist auch kein rechtsfreier Raum.


Tschirner Spieler von Zuschauer niedergeschlagen

Eine Woche zuvor war Fabian Pechtold, Kapitän des A-Klassisten SSV Tschirn, in Zeyern Opfer einer Zuschauer-Attacke geworden. Er hatte im Zweikampf einen Spieler der SG Wallenfels/Zeyern gefoult. Darauf stürmte dessen Vater auf den Platz und griff Pechtold an, der mit gebrochener Nase und einem ausgeschlagenen Zahn liegenblieb. Darauf wurde die Begegnung abgebrochen.

Zwischenzeitlich hat das Kreissportgericht die Vorkommnisse geahndet und insgesamt drei Urteile gefällt. Demnach muss die SG Wallenfels/Zeyern, die für den Spielabbruch verantwortlich gemacht wird, einen Strafe von 50 Euro bezahlen. Tschirn bekommt die Punkte, und die Partie wird mit 2:0 Toren für den SSV gewertet, der damals schon mit 1:3 zurückgelegen hat.

Gegen den Zuschauer, der den Spielabbruch verursachte, hat das Sportgericht wegen Verletzung der Platzdisziplin eine hohe Geldstrafe ausgesprochen. Außerdem ist gegen ihn für die Heimspiele der SG Wallenfels/ Zeyern ein einjähriges Platzverbot verhängt worden.