Der Mann hatte die Tat abgestritten, Verteidiger Franz Stübinger deshalb auf Freispruch plädiert. Doch das Gericht unter Vorsitz von Alois Meixner hatte "nicht die geringsten Zweifel" an der Schuld des Mannes, blieb mit seinem Urteil jedoch unter dem Antrag des Staatsanwalts, der fünf Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe gefordert hatte.

Die Anklage hatte dem 41-Jährigen zur Last gelegt, er habe zwischen September und Dezember 2011 ein damals 13-jähriges Mädchen mehrmals sexuell missbraucht. Tatort: der Schulbus, den der Angeklagte nur mit seinem Opfer besetzt in ein Waldstück bei Höferänger und auf den Parkplatz am Schwedensteg gelenkt habe. Staatsanwalt Michael Hofmann ging dabei davon aus, dass der Mann das Mädchen zum Sex überreden konnte.
Aufgeflogen war die Sache, als sich die Schülerin, gerade 14 geworden, aus Angst vor einer Schwangerschaft einer Ärztin anvertraute.

In einer mehrere Stunden dauernden Vernehmung schilderte das Mädchen am ersten Verhandlungstag detailliert die Vorgänge. Sie sprach davon, wie peinlich ihr das Ganze sei und dass sie sich sehr schäme. Auf ausdrückliche Nachfrage der Richter gab sie zu, dass sie anfangs für den Busfahrer geschwärmt habe. Doch als er immer aufdringlicher geworden sei, habe sie nicht mehr gewusst, wie sie damit umgehen soll.


Schilderung ist "stimmig"
Das Gericht hatte keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit der Schilderung der Schülerin. Es sei unwahrscheinlich, dass sich ein 13-jähriges Mädchen eine solch perfide Geschichte ausdenke. Einem Gutachten zufolge seien die detaillierten Aussagen des Mädchens sogar "hochgradig stimmig". Dafür sprächen auch Chats mit Freundinnen.

Der Busfahrer blieb dagegen bei seiner Darstellung, das Mädchen sei in ihn verliebt gewesen und habe ihn regelrecht verfolgt, während er seine Ruhe haben wollte. An dem Vorwurf sei nichts dran, beteuerte der verheiratete Mann.


Zeuge landet selbst hinter Gittern
Am 18. März hatte Verteidiger Franz Stübinger plötzlich mit einem neuen Beweisantrag für Aufsehen gesorgt. Die Fortsetzung des Prozesses wurde unterbrochen, um am Mittwoch die Aussage eines eigens aus Mazedonien eingeflogenen Entlastungszeugen zu hören. Dieser behauptete, an einem der genannten Tattage im Bus mitgefahren zu sein, und zwar genau zur Tatzeit. Es habe keine sexuellen Übergriffe gegeben.

Bei dem Zeugen handelt es sich um einen Sohn des Cousins des Angeklagten, und für ihn wäre es wohl besser gewesen, er wäre in Mazedonien geblieben. Staatsanwalt Michael Hofmann ließ ihn nämlich im Gerichtssaal verhaften - wegen des Verdachts auf Falschaussage.