Schon zu früheren Zeiten kamen erholungssuchende Grafen in die alt ehrwürdigen Gebäude in der Goldenen Adlerhütte. Heute sind es zumeist Menschen mit psychischen Problemen. Seit 100 Jahren gibt es die Privatklinik in dem kleinen Wirsberger Ortsteil, an deren Spitze leitender Arzt Wolfgang Pinkow-Margerie steht. Seine Familie hat dort eine lange Tradition: Er arbeitet bereits in der dritten Generationen in der Klinik.
Die Privatklinik befindet sich in einem Tal des Frankenwalds, nicht weit entfernt vom Hauptort Wirsberg. "Ganz idyllisch", sagt Wolfgang Pinkow-Margerie. Auch wenn der eine oder Patient es etwas abgelegen findet: "Die Naturnähe stößt überwiegend auf positive Resonanz und ist für die meisten etwas ganz Besonderes."
Etwas ganz Besonderes sind für Wolfgang Pinkow-Margerie die Patienten, die in der Regel zwischen vier und sechs Wochen in der Goldenen Adlerhütte leben. "Wir versuchen die Menschen individuell mit verschiedenen Ansätzen zu erreichen, sie nicht in Schablonen zu stecken."

Dazu trägt die Zahl der Patienten bei: Rund 50 sind es, die von Wolfgang Pinkow-Margerie und seinen beiden Kolleginnen betreut werden. "Dadurch entsteht eine persönliche und überschaubare Atmosphäre." Das sei ein Faktor, der den Standort von großen Kliniken unterscheide, erklärt Wolfgang Pinkow-Margerie, der sich seit 1979 auf die nervenärztliche-psychiatrische Ebene spezialisiert hat.
"Das ist ein sehr interessantes Fach."
Auch wenn die Klinik jetzt 100 Jahre alt wird, so sind die Krankheitsbilder die gleichen geblieben, berichtet der Arzt: Depressionen, psychosomatische Erkrankungen, Konflikt-, Angst- und Belastungsreaktionen, Erschöpfungszustände und leichtere Psychosen.

"Wir haben eine ziemlich lange Warteliste über Monate, der Behandlungsbedarf nimmt offensichtlich zu", analysiert Wolfgang Pinkow-Margerie. Als Gründe sieht er unter anderem verschärften Druck und höhere Anforderungen an den Einzelnen, während die Familien nicht mehr so stabil seien wie früher. Zudem seien die Menschen "früher eher bereit gewesen, etwas zu tragen, während sie heute eher nach Hilfe suchen. Vielleicht ist die Leidenstoleranz geringer geworden."

Unter seinen Patienten sind etwas mehr Frauen. "Sie stehen eher zu psychischen Erkrankungen als Männer." Die würden diese eher vertuschen mit Alkohol, Aggressivität, Verhaltensstörungen.
Die Therapien sind vielfältig: von Einzelgesprächen über Gruppenarbeit und - therapie, vonEntspannungsverfahren, Bädern und Massagen bis hin zu Gymnastik, Sport und Wanderungen. Neu dazu gekommen sind soziales Kompetenztraining, Achtsamkeitsübungen, meditatives Tanzen.
Das Einzugsgebiet der Klinik reicht weit: vom Schwerpunkt Mittelfranken über Kulmbach, Bayreuth bis Berlin und Augsburg.

Wolfgang Pinkow-Margerie gibt auch einen Blick in die Vergangenheit: Gegründet wurde die Klinik 1912 von seinem Großvater, dem Nervenarzt Eduard Margerie, der das Haus bis 1953 leitete. Dessen Sohn - Wolfgang Pinkow-Margeries Vater Willi - war wirtschaftlicher Leiter der Einrichtung. Die Mutter betrieb eine Landarztpraxis in einem der beiden Gebäude. Seit 1985 steht Wolfgang Pinkow-Margerie an der Spitze der Privatklinik. Zwischen 25 und 30 Personen (Köche, Büro- und Reinigungskräfte, Schwestern und Psychotherapeuten) stehen - teils in Teilzeit - im Dienste der Klinik.
Um deren Zukunft ist ihm nicht bange: "Der Bedarf der Patienten ist mit Sicherheit da." Nur werde es zunehmend schwerer, Ärzte zu finden.