Im kleinen Sitzungssaal 2 am Verwaltungsgericht Bayreuth reicht der Platz nicht aus. Ein Kläger und eine Klägerin, der gemeinsame Anwalt, jeweils dreiköpfige Delegationen der Landratsämter Kulmbach und Kronach, eine große Abordnung des Windpark-Investors und eine Reihe von Zuhörern - das ist eindeutig zu viel. Der Hausmeister trägt noch zusätzliche Stühle rein, alle rücken zusammen, und Vorsitzender Richter Otto Schröppel meint: "Ein bisschen eng, aber es geht schon."

Die Platzprobleme hat man gelöst, aber noch nicht den streitgegenständlichen Fall. Die Parteien sind am Dienstag nach Hause gegangen, ohne zu wissen, wie das Verfahren ausgehen wird - also: ob vier Windkraftanlagen bei Rugendorf-Eisenwind, davon drei Windräder in der benachbarten Gemarkung Gössersdorf, gebaut werden dürfen oder nicht.


"Furchtbare Monster"

Gegen das Projekt der Naturstrom AG Forchheim, die insgesamt sieben Anlagen im Grenzbereich der Landkreis Kulmbach und Kronach bauen will, haben zwei Einwohner des Rugendorfer Ortsteils Eisenwind geklagt. "Die Monster, die sie bauen wollen, sind furchtbar", sagt Jürgen Weiske. Der Kläger sieht sich in seinen Rechten verletzt. Unter anderem durch den ständigen Lärm der Windräder, auch nachts: "Mit offenen Fenster zu schlafen, kann man vergessen, hat man mir gesagt."

Obwohl Abstandsflächen zu seinen Grundstücken nicht eingehalten werden, so der Vollerwerbslandwirt, sei er nie in die Planung eingebunden worden. Er spricht von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" und kritisiert das Landratsamt Kronach, das ihm als betroffenen Nachbarn Akteneinsicht verweigert habe. "Habe ich auch nicht bekommen", ergänzt Rechtsanwalt Stefan Kollerer: Er hätte sich mehr Transparenz gewünscht.

Der Klägeranwalt beantragt, die Genehmigungsbescheide der beiden Landratsämter aufzuheben und erläutert die Gründe im Detail. Das Projekt sei schon bauplanungsrechtlich nicht genehmigungsfähig. Die Antragsunterlagen seien zum Stichtag 4. Februar 2014 nicht vollständig eingereicht worden, so dass kein Vertrauensschutz besteht und nun die so genannte 10 H-Regelung gilt.

Weiter verweist Kollerer auf den unzumutbaren Lärm ("ständiger Heulton") sowie auf die "erdrückende Wirkung" der Windräder. Die Optik der 200-Meter-Riesen wirke wie "eine Drohkulisse für die kleinen Häuser".
Überdies seien im Genehmigungsverfahren Fehler gemacht worden, was den Artenschutz angeht. Die Behörden seien über das Vorkommen von Schwarzstorch und anderer unter Schutz stehender Vögel informiert gewesen. Dennoch habe man keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt.


Unter dem Schallgrenzwert

Die Vertreter der beiden Landratsämter und die Naturstrom AG sind sich einig: Die Klage ist abzuweisen. Laut Hans-Dieter Vießmann vom Landratsamt Kulmbach sei das Verfahren nach den Vorgaben des Wind erlasses ordnungsgemäß gelaufen. Ferner werde laut Messungen an dem Anlagentyp, der auch in Rugendorf errichtet werden soll, der Schallgrenzwert eingehalten. Das gelte auch für tieffrequente Töne und Infraschall, die nach 150 beziehungsweise 250 Metern zu vernachlässigen seien.

Von einer erdrückenden Wirkung, so Rechtsanwältin Dana Kupke aus Leipzig, die den Investor vertritt, könne man in Eisenwind nicht ausgehen. Denn es werde der von der Rechtsprechung geforderte Abstand der dreifachen Anlagenhöhe, also 600 Meter zur Wohnbebauung, eingehalten. Außerdem müssten gerade Dorfbewohner mit einer privilegierten Nutzung im Außenbereich rechnen.


Kein Ermessensspielraum

Nach den Worten des Vorsitzenden Richters wird das Urteil am Mittwoch bekanntgegeben. Dabei, so Schröppel, sei das Gericht weder großzügig noch kleinlich: "Wir haben keinen Ermessensspielraum. Wenn der Anlagenbetreiber die gesetzlichen Vorgaben einhält, dann hat er ein Baurecht."