Zwei Rehkitze wurden in Affalterhof zu Tode gemäht, eines trug schwere Verletzungen davon und wurde schließlich von einer Kulmbacher Tierärztin erlöst. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Deren Pressesprecher Daniel Götz kann über das laufende Verfahren noch nichts Konkretes sagen. Fest steht aber, dass eine Anzeige der Tierschutzorganisation Peta bei der Bayreuther Justiz eingegangen ist und dass der Vorgang geprüft wird.

Generell sei es so, erklärt Götz, dass in erster Linie geklärt werden muss, ob es sich um Sachbeschädigung handelt, möglicherweise sogar um vorsätzliche Sachbeschädigung. Für solch ein Delikt - auch, wenn nur ein einziges Rehkitz zu Schaden komme - könnte dann eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verhängt werden. "Aber man muss immer prüfen, ob es sich um eine fahrlässige Tat handelt - dann ist sie nicht strafbar - oder ob Vorsatz im Spiel war", so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Bewährung und 4000 Euro
Tatsächlich gibt es immer wieder Anzeigen, weil Rehkitze beim Mähen zu Tode gekommen sind. In Günzburg und in Hof haben Jagdpächter Landwirte angezeigt, weil sie vor der Mahd nicht Bescheid gegeben haben. In Wolfach in Baden-Württemberg hat das Amtsgericht einen Landwirt, der zwei Rehkitze "vermäht" hat, zu einem Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung und 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Landwirt hatte zuvor einen Strafbefehl über 3000 Euro nicht akzeptiert. Und in Euskirchen ist der Fahrer eines Kreiselmähers, der mit seinem Gefährt ein Rehkitz getötet hat, zu 30 Tagessätzen à 100 Euro verdonnert worden. Wie im Kulmbacher Fall ist das verletzte Tier liegen geblieben und wurde nicht versorgt oder getötet. Auch der Landwirt aus Euskirchen wurde mitangeklagt.

Bis zu zwei Jahre Gefängnis
Für den Fall, dass Vorsatz nachgewiesen werden kann, könne der Strafrahmen sogar bis zu zwei Jahren Gefängnis betragen, bestätigt Daniel Götz. Basis für die Verurteilung sei das Tierschutzgesetz. Demnach sei es verboten, ein Wirbeltier ohne erkennbaren Grund zu töten oder ihm länger anhaltende Schmerzen zuzufügen. Auch hohe Geldstrafen könnten verhängt werden, so Götz. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft wagte jedoch noch keine Aussage darüber, ob es sich in Affalterhof um einen schweren oder minder schweren Fall handelte.
 
Leserbrief: Rehe, nicht Landwirte in Schutz nehmen

Kreisjagdberater Clemens Ulbrich freut sich, dass im Landkreis inzwischen ein Umdenken stattgefunden hat. "Beim Großteil der Landwirte klappt die Kommunikation - ich würde sagen bei 90 Prozent", so Ulbrich, der die Quote weiter verbessern will. Persönlich hat er soeben 20 neue Metallstecken bestellt, um für alle Einsätze bestens vorbereitet zu sein. Die Stangen, die mit Säcken bestückt werden und rascheln und knistern, eignen sich besonders gut, um sie in die Wiese zu stellen. Die Rehgeißen fühlen sich dadurch gestört und führen dann ihre Kitze weg. "Auf einer Wiese von sechs bis acht Hektar brauchen wir mindestens 20 Scheuchen", erklärt Ulbrich das Prozedere.

Mindestens einen Tag vor der Mahd müssen die Scheuchen gestellt werden. "Aber das ist eine Arbeit, die wir gerne machen. Und die meisten Landwirte nehmen die Scheuchen auch gerne beim Mähen wieder raus", sagt Ulbrich. Anfang Mai haben die Rehkitze die ersten Jungen gesetzt. "Jetzt sind die Kitze schon so groß, dass sie von den Geißen aus der Wiese geführt werden können. Aus eigener Erfahrung weiß der Kreisjagdberater, dass trotz akribischer Absuche nicht immer jedes Rehkitz gerettet werden kann. Doch bei vielen wäre das möglich.
"Dass wir Jagdpächter und Jäger durch die Wiesen gehen, dazu gehört viel Idealismus. Aber wir unternehmen etwas", sagt Ulbrich und betont, dass in See, in Ködnitz und in Melkendorf das Miteinander sehr gut funktioniert. "Natürlich wissen wir auch, dass die Bauern flexibel reagieren müssen."

Gute Erfahrungen mit Scheuchen
Sehr gute Erfahrungen mit den Scheuchen hat übrigens auch Harald Höhn von der Jarosch-Forstverwaltung gemacht. Auch Höhn ist über die große Resonanz auf die Berichterstattung erstaunt und positiv überrascht. Sogar Freiwillige, die mithelfen würden, die Wiesen abzusuchen, haben sich bei ihm gemeldet. "In diesem Jahr ist die Zeit fast vorbei, aber nächstes Jahr komme ich gerne auf die Angebote zurück", sagt Höhn. Nicht nur Rehkitze könnten durch die Scheuchen zum Verlassen der Wiese gebracht werden, sondern auch junge Hasen, die sich sonst ebenfalls in das hohe Gras hineinducken.
 
Hupe auf dem Mäher und Flüstertüten sollen Tiere schützen

Für keine gute Lösung hält Jagdberater Clemens Ulbrich die Idee, die Wiesen vorher mit einer Drohne abzusuchen. Denn bei 250 Euro Kosten pro Stunde sei der Aufwand einfach zu hoch - und könne auf keinen Fall von den Jagdpächtern geschultert wernden. Hinzu kämen noch die Unkosten für eine Wärmebildkamera.
"Man muss einfach sagen, dass es für die Rettung der Kitze keine Patentlösung gibt. Aber wichtig ist, dass man etwas tut", unterstreicht der Jagdberater.