Die Stimmung in der Halle ist aufgeheizt. "Wir lassen uns unsere Post nicht kaputtmachen", ruft Streikleiter Matthias Than von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und bekommt tosenden Beifall. Klatschend, johlend, pfeifend machen über 200 Post-Beschäftigte in der dritten Streikwoche in Altenplos ihrem Ärger Luft.


Scharfe Kritik am Vorstand
Die Postler sind kampfbereit. Sie kämpfen, wie es Siegfried Failner am Donnerstag ausdrückt, gegen die Zerschlagung der Deutschen Post AG "aus reiner Profitgier", und für Schutz und Sicherheit der Post-Mitarbeiter. Der Post-Vorstand habe den Streik zu verantworten. Ohne Not seien Verträge gebrochen worden. Denn die Post habe im vergangenen Jahr mit fast drei Milliarden Euro so viel Gewinn gemacht wie noch nie. Aber die Beschäftigten - auch in Bayreuth - sollen bluten und in Delivery-Gesellschaften angestellt werden, wo man nur Niedriglöhne bekommt, wo es keine Mitbestimmung und keine Tarifverträge gibt.

"Wir sind die Guten, wir sind die Post", erklärt der Vorsitzende der ver.di-Betriebsgruppe bei der Post-Niederlassung Bayreuth und erhebt lautstark seine Stimme. Der Applaus zeigt, dass er den Nerv der Kollegen getroffen hat.

Die Deutsche Post hat laut Siegfried Failner im vergangenen Jahr Rekordzahlen geschrieben: An die Aktionäre sei eine Milliarde Euro Dividende ausgezahlt worden, und auch Vorstandsvorsitzender Frank Appel (Bonn) habe eine Gehaltserhöhung von 21, 5 Prozent erhalten. "Mit 9,5 Millionen Euro im Jahr bekommt er 300-mal mehr als ein normaler Postler."

Im Bereich der Post-Niederlassung Bayreuth haben insgesamt 500 Brief- und Paketzusteller die Arbeit niedergelegt. Betroffen ist also fast der gesamte nordostbayerische Raum von Kulmbach bis Beilngries und von Hof bis Schwandorf. Dort bleibt der Großteil der Briefe und Pakete liegen.

Streikfront in Kulmbach steht
Der Einladung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zum Streikstammtisch in der Mehrzweckhalle Altenplos ist auch eine große Gruppe aus Kulmbach gefolgt. "Wir sind 40 Beschäftigte im Zustellstützpunkt, 20 sind hier und streiken", sagt die Betriebsrätin Heike Mehnert. Die Streikfront in Kulmbach steht.

Wie viel Post und Pakete derzeit im Landkreis Kulmbach nicht zugestellt werden, sei ihr nicht bekannt, so die Untersteinacherin. "Wir haben keine Informationen, was im Betrieb abläuft", sagt sie. Teamleiter sowie Beamte, die nicht streiken dürfen, versuchen offenbar, eine eingeschränkte Zustellung aufrechtzuerhalten. Die Kunden, "die schon merken, dass deutlich weniger Post kommt", haben nach ihren Erfahrungen überwiegend Verständnis für die Post-Beschäftigten.

Die Betriebsrätin kann sich bei dem Lärmpegel in der Halle kaum verständlich machen. Zwischendurch setzt sie selber immer wieder die Trillerpfeife an, um Zustimmung zu signalisieren. Zum Beispiel, als Matthias Than versichert: "Wenn es keine Einigung gibt, machen wir halt nächste Woche weiter. Dann sind wir wieder hier und sind noch mehr Leute." Oder, als Siegfried Failner die Parole ausgibt: "Wenn die in Bonn es so haben wollen, dann streiken wir bis Weihnachten."

Privatleute merken mehr
Der Arbeitskampf bei der Post macht sich in Kulmbach unterschiedlich bemerkbar: Privatleute merken den Streik, Firmen und öffentliche Verwaltungen haben Alternativen. "Daheim kommt seit einer Woche nichts, aber in der Praxis schon, wobei wir viele Befunde per Fax oder Boten erhalten", sagt Allgemeinarzt Walter Schindele. "Es kommt nicht viel, aber eine Rechnungen hab' ich gekriegt", so Peter Geißler aus der Stettiner Straße. Er hat "volles Verständnis" für den Streik. "Outsourcing und Lohndumping bringt uns nicht weiter, ich möchte Briefträger haben, die ordentlich bezahlt werden."

Die Sparkasse, so Vorstand Harry Weiß, verschickt viele Informationen auf elektronischem Weg. Durch eventuell verspätet zugestellte Post habe es bisher noch keine Probleme gegeben. Auch in der Stadtverwaltung merkt man relativ wenig. Der interne Verteildienst der Verwaltungen funktioniert, so Pressesprecher Simon Ries. "Und wenn jemand ein Anliegen hat, dann helfen wir ihm auch weiter, wenn sein Brief noch nicht da ist."*