Die Umzugskartons sind gepackt. Die Räume im oberen Stockwerk sind komplett leer. "Nur mein Büro muss ich noch ausräumen und alles sortieren. Das habe ich noch nie gemacht", sagt Traugott Burmann und lacht. Seit 21 Jahren betreut er die zweite Pfarrstelle der Kulmbacher Petrikirche. Ende Januar verabschiedet sich der 65-Jährige in den Ruhestand.

Fast 40 Jahre stand Burmann als evangelischer Pfarrer vor den verschiedensten Altären in ganz Bayern, und das obwohl er diesen Beruf zu Schulzeiten gar nicht auf seiner Liste hatte. Im Gymnasium in Hof lernte er zwar Latein und Griechisch, doch eigentlich wollte er immer etwas mit Mathematik machen. Bis ihn sein damaliger Jugendleiter ermutigt habe, Theologie zu studieren. Auch sein Vater war Pfarrer. "Er hat mir aber nicht viel Mut gemacht. Er meinte, ich könnte das nicht. Für mich war das zusätzliche Motivation", sagt Traugott Burmann.


Stationen von Traugott Burmann

In Neuendettelsau fing er dann an, Theologie zu studieren. Gleichzeitig bekam er seinen Musterungsbescheid. "Da ich bereits mitten im Studium war, hätte ich eigentlich nichts machen müssen. Doch ich wollte mich nicht entziehen." Und so trat Burmann seinen Zivildienst in einem Behindertenheim an. Eine wichtige Zeit, in der er viel Erfahrung gesammelt habe.

Wegen seiner damaligen Freundin zog Burmann nach Berlin und studierte dort weiter. Sein Examen wollte er wieder in Bayern machen. Doch das war gar nicht so leicht. "Das Problem für mich: Ich kannte die bayerischen Professoren nicht, und sie kannten mich nicht. Aber es ging ganz gut."


Seine Frau war eine wichtige Stütze

Während seines Lehrvikariats in Nürnberg, das über eineinhalb Jahre ging, lernte er seine jetzige Frau kennen. "Sie ist sehr engagiert in der Gemeinde. Es ist wichtig, dass man jemanden hat, der einen unterstützt", stellt der 65-Jährige fest.

Nach der Zeit in Nürnberg ging es für das Paar für drei Jahre nach Selb. 1984 hat sich Burmann dann auf die Pfarrstelle in Hilpoltstein beworben, wo er elf Jahre tätig war. Für ihn eine eindrucksvolle Zeit. 1993 erarbeitete er ein Konzept für einen integrativen Kindergarten in Hilpoltstein, wo die zweitgrößte Behinderteneinrichtung ganz Bayerns stand. Und das zu einer Zeit, in der Integration noch etwas völlig Unbekanntes war. "Mir konnte kaum jemand helfen. Ich hatte mit Behörden und Anträgen viel zu kämpfen."


Verwaltungsarbeit wurde lästig

Als er 1984 dort anfing, waren es 1300 Gemeindemitglieder. Elf Jahre später stieg die Zahl wegen neuer Baugebiete auf über 2000. Mit der Bewohnerzahl wuchs der Verwaltungsaufwand. "Ich wollte mich nicht weiter von der Verwaltung auffressen lassen", sagt Burmann heute. Er wollte in eine Gemeinde, in der er nichts mehr damit zu tun hat. Auf der zweiten Pfarrstelle der Petrikirche in Kulmbach fand er "die perfekte Mischung".

Das Einsatzgebiet von Traugott Burmann wurde in Kulmbach mit den Jahren immer größer. Die Arbeit mit Kindern und Familien hat der 65-Jährige immer als besonders wichtig eingestuft. Egal ob Minigottesdienste mit den Kleinsten, die vier Mal im Jahr stattfanden, oder die Arbeit mit den Konfirmanden-Gruppen - Burmann brannte für seine Arbeit.

Auch bei den interkulturellen Wochen engagierte sich der 65-Jährige. Er half bei den Vorbereitungen und führte die interreligiösen Gespräche durch. Nicht nur da kam er mit der türkischen Gemeinde ins Gespräch. Auch mit seinen Schulklassen pflegte er den Austausch. "Man kann nur über andere urteilen, wenn man sich auf sie einlässt."

Die letzten Tage im Dienst nutzt er, um seinen Abschiedsgottesdienst, der am 22. Januar stattfindet, vorzubereiten. Um das "Tagesgeschäft" kümmert sich Burmann bis zum 31. Januar. Dann ist endgültig Schluss. "Ein Jahr werde ich definitiv erst mal keinen Dienst machen. Ich muss mich erst einmal wieder selbst finden. Das habe ich 36 Jahre nicht gemacht."


Er bleibt in Kulmbach

Traugott Burmann und seine Frau verlassen Kulmbach nicht. In Petzmannsberg haben sie eine Wohnung gekauft - das Ehepaar will in der Nähe der beiden Kinder bleiben, die in Melkendorf und Thurnau wohnen. Und wie schaut die Zukunft aus? "Wir werden dieses Jahr einige Mal verreisen", sagt Traugott Burmann und führt an: "Dann wird sich herausstellen, was ich machen will und was nicht."