Für Richterin Sieglinde Tettmann war die Verhandlung der zweite Versuch, Klarheit zu gewinnen über das, was sich in jener Nacht im Juni zugetragen hatte. Am ersten Verhandlungstag in der letzten Woche hatten sich mehrere Zeugen zum Teil widersprüchlich geäußert. Gericht und Staatsanwaltschaft folgten deshalb dem Antrag von Verteidiger Rechtsanwalt Andreas Piel, die Verhandlung zu unterbrechen und weitere Zeugen zu laden.
Immerhin stand für die junge Frau eine Menge auf dem Spiel: Die Mutter von zwei kleinen Kindern war im Jahr 2009 wegen mehrerer Drogendelikte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Bewährung wurde zwischenzeitlich verlängert, weil sie sich nicht an die Auflagen gehalten und weiterhin Drogen konsumiert hatte.
Eine weitere Verurteilung hätte durchaus dazu führen können, dass diese Bewährung aufgehoben worden wäre und die Frau ihre Gefängnisstrafe hätte antreten müssen.
Das hat ihr ihr Verteidiger wohl nachdrücklich klargemacht. Er hatte sich zuvor mit der Richterin und dem Staatsanwalt darauf verständigt, dass ein Geständnis mildernd berücksichtigt werden und eine neuerliche Bewährungsstrafe verhängt werden könnte. Die 32-Jährige folgte dem Rat ihres Verteidigers. Sie ersparte dem Gericht damit eine weitere Beweisaufnahme, was zu ihren Gunsten gewertet wurde.
tSowohl Staatsanwalt Ludwig Peer als auch Richterin Sieglinde Tettmann hielten ihr zudem zugute, dass sie sich mittlerweile "gefestigt" und offensichtlich auch ihr Alkohol- und Drogenproblem in den Griff bekommen hat. Staatsanwalt Peer forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die seiner Ansicht nach noch einmal, wenn auch "mit gewissen Bauchschmerzen", zur Bewährung ausgesetzt werden könne, zudem eine Geldauflage von 300 Euro.
Verteidiger Andreas Piel hielt eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ebenfalls für angemessen. Richterin Tettmann bestätigte dies in ihrem Urteil, machte der jungen Frau aber statt eines Geldbetrags 50 Stunden gemeinnützige Arbeit zur Auflage. Die 32-Jährige darf sich nun vier Jahre lang nicht das Kleinste mehr zuschulden kommen lassen - andernfalls hat sie ihre Bewährung verwirkt.