Passt das überhaupt zusammen: Ein 32-jähriger Musiklehrer und begnadeter Solo-Trompeter als versierter Handwerker? Ja, es passt. Peter Weiß ist seit zwei Jahren mit viel Liebe zum Detail dabei, das Familienerbe zum Ferienhaus umzubauen. Eines darf man jetzt schon verraten, aus der Schmiede seines verstorbenen Großvaters Hans Weiß entsteht ein Kleinod.

Die letzten Arbeiten werden gerade noch erledigt und im Sommer plant Peter Weiß die Eröffnung seines Ferienhauses "Zur Alten Schmiede". Das sicherlich, wie es für einen leidenschaftlichen Musiker gehört, mit Pauken und Trompeten - falls Corona mitspielt.

Die Idee, die alte Schmiede seines Großvaters von 1952 nicht nur zu sanieren, sondern zu einem Ferienhaus mit offener Wohnraumgestaltung auszubauen, trug Peter Weiß schon lange mit sich, zumal er bereits die Schmiede seines Urgroßvaters aus dem vorletzten Jahrhundert zu einem kleinen Wohnhaus umbaute.

Die zweite Schmiede

"Schon bei der Sanierung meines jetzigen Wohnhauses wurde mir klar, ich muss auch was mit der unmittelbar angrenzenden Schmiede aus den 50er Jahren machen. Ich hänge ganz einfach an den alten Gebäuden, auch aus Gründen der Familienhistorie. Ich wollte die Schmiede nicht verfallen lassen. Mir wurde klar, irgendetwas muss ich daraus machen, womit ich auch einen kleinen Nutzen habe."

Die Möglichkeiten waren für Peter Weiß begrenzt, denn nach wie vor liegt der Schwerpunkt seiner Unterrichtstätigkeit in der Region um Forchheim, seit der letzten Kommunalwahl ist er auch als Ortssprecher der Marktgemeinde Mainleus eingebunden und hat daneben noch die musikalische Leitung des Musikvereins Marktleugast in den Händen; last not least ist er seit zwei Jahren verheiratet. Da bleibt nicht viel Zeit.

Es musste deshalb eine Nutzung für die sanierte Schmiede gefunden werden, die für ihn nicht so zeitaufwendig ist. Was Peter Weiß entgegenkam: "Der ganze Ort boomt derzeit mit Ferienwohnungen, nicht zuletzt auch deshalb, weil wir rund um den Patersberg ein gutes Netz von Wanderwegen und auch gute Radwegeverbindungen nach Kulmbach und den Bereich am Obermain haben."

Auch die Sehenswürdigkeiten in Kulmbach mit Plassenburg und Museumslandschaft im Mönchshof oder die Korbstadt Lichtenfels mit Schloss Banz und der Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen seien attraktiv, zudem sei die Domstadt Bamberg in Reichweite.

Eines war für den Hobbyhandwerker Peter Weiß von Anfang wichtig, Alt und Neu zu verbinden: "Das heißt, den Raum der ehemaligen Schmiedewerkstatt von seiner Größe so zu belassen, wie er schon immer war. Dabei will ich auch versuchen, alten Industriemaschinen wie einem uralten Elektrohammer oder einem Amboss als Schauobjekten einen Platz einzuräumen."

Das Highlight schlechthin wird aber die Esse sein, die an ihrer ursprünglichen Stelle als Schauobjekt belassen wird. Weiß baut Drehknopf-Schalter ein, wie sie vor 50 Jahren und älter üblich waren. Vor zwei Jahren begann Peter Weiß damit, die alte Schmiedewerkstatt in wochenlanger Arbeit auszuräumen: "Es dauerte gut ein Vierteljahr, denn drinnen war 50 Jahre altes Gerümpel!"

Echte Knochenarbeit war die Reinigung der Innenwände und der Decke, von denen schwarze Rauch und Russ abgeschliffen werden mussten, bevor sie neu verputzt werden konnten: "Das war die schlimmste Arbeit, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe."

Den Großteil der handwerklichen Arbeiten hat Peter Weiß selbst erledigt, er wurde aber von seinen Musikerfreunden großartig unterstützt. Den neuen Dachstuhl mit einem ordentlichen Kniestock richtete sein Freund Samuel Friedrich auf, der noch nicht allzu lang von seiner "Walz" als Zimmermannsgeselle in seinen Heimatort Veitlahm zurückkam.

Weiß kam bei seinem Projekt i die Corona-Pandemie entgegen: Er musste zwar von Zuhause aus per Video-Konferenz Musikunterricht geben, doch er ersparte sich die täglichen, zeitraubenden Autofahrten nach Forchheim.

Frust kam bei Peter Weiß nie auf, auch wenn er oft allein auf der Baustelle war: "Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann motiviert mich das unheimlich. Das ist in meinem Beruf und auch als Musiker genauso. Und ich weiß, wenn ich fertig bin, wird es auch interessant, denn die alten Stahlträger werden belassen und abgeschliffen, so wie sie auch in der Kommunbräu sichtbar gemacht wurden."

Anschluss an die Kanalisation

Die Schmiede wurde erstmals an den Hauptkanal und die gemeindliche Wasserleitung angeschlossen. Peter Weiß dazu: "Die Stiften mussten früher das Wasser von meiner Oma nebenan holen und in die Werkstatt bringen." Nicht einfach war es, wie Peter Weiß einräumte, die behördlichen Auflagen für den Brandschutz zu erfüllen.

Natürlich sind Vater Reiner Weiß und Onkel Klaus Weiß, der 1961 das Schmiedehandwerk in der elterlichen Schmiede erlernte, stolz und dankbar, dass die Schmiede nicht dem Abrisshammer zum Opfer fiel, obwohl Reiner Weiß ursprünglich vorschlug, die Schmiede abzureißen und auf dem Platz Garagen zu errichten.

Klaus Weiß hatte da schon eine engere Beziehung zur Schmiede, denn die Dorfschmiede war für ihn das Trittbrett zum Landessieger im Schmiedehandwerk: "Gearbeitet wurde von früh um 7 Uhr bis abends um 21 Uhr. Wenn ich eher weiter wollte, hat der Vater geschimpft." Die Arbeiten reichten von der Reparatur landwirtschaftlicher Fahrzeuge bis hin zum Einbau von Wasserleitungen.

Klaus Weiß: "Wir mussten alles machen, ob es ein Kinderwagen oder ein Ofen war - oder ein Pferd beschlagen werden musste." Und die Veitlahmer Schmiede hatte weit über den Ort hinaus einen guten Namen. Klaus Weiß hat natürlich auch manch lustige Geschichte in der Schmiede erlebt und im Winter war die warme Schmiede auch ein beliebter Treffpunkt der Dorfbewohner. Künftig soll sie ein beliebter Treffpunkt für Urlaubsgäste sein.