Das ist eigentlich gar nicht so verwunderlich, wenn man sich die "Geburtsurkunde" etwas genauer betrachtet, denn das "Kind" hat auch ungewöhnliche "Eltern": Die Wasserfee Yvonne Wernlein von der Brauerei Haberstumpf in Trebgast, die Malzfee Isabella Straub vom Brauereigasthof "Drei Kronen" in Memmelsdorf, die Hopfenfee Gisela Meinel-Hansen und Hefefee Monika Meinel-Hansen von der Meinel-Bräu in Hof.

Im November letzten Jahres sorgten sie erstmals für Aufsehen. Ihre erste "Geburt", der Feentrunk "HolladieWaldfee", den sie der Frauenwelt widmeten, war ein durchschlagender Erfolg. Da war es geradezu logisch, die "Familie" zu vergrößern.



Nach seiner "Zeugung" unter Zuhilfenahme von weichem Trebgaster Brauwasser, fünf verschiedenen Malz- und drei Hopfensorten in der Brauerei "Drei Kronen" in Memmelsdorf hat sich der "Embryo" durch Zugabe von weiteren hochwertigen Lebensmitteln, sprich Rohstoffen wie Ale- und Champagnerhefen, so rasant
entwickelt, dass es seine "Eltern" nach der Hauptfütterung, sprich Hauptgärung, in ein größeres "Zimmer", sprich Lagerkeller, in die Meinel-Brauerei nach Hof umbetten konnten. Dort wurde es noch einige Wochen gehätschelt, bis es nach acht Wochen die richtige Reife erlangt hatte, die "Geburt" eingeleitet werden und ein neues, obergäriges, unfiltriertes Sommerbier zur Welt gebracht werden konnte.

Großes Medieninteresse
Das Medieninteresse zur "Taufe" in der Bräuschänke in Trebgast war riesengroß. Dpa, Bayerischer Rundfunk, überörtliche und lokale Medien bedrängten die "glücklichen Eltern".

Ist Bier eigentlich auch was für Frauen? So lautete die spannende Frage bei der Präsentation, als die vier Brau-Feen ihr "Kind" in edlen Champagnergläsern servierten. "Selbstverständlich", antwortete Gast Ulrike Löffler. "Die Rollentrennung gibt es heute nicht mehr. Frauen arbeiten, fahren Auto oder Motorrad, während Männer den Haushalt versorgen und Kinder betreuen."

Genau zu der Zielgruppe, die die Braumeisterinnen ansprechen wollen, gehört Roswitha Duczmal-Keyssner. "Ich bin keine Biertrinkerin. Aber mir hat es gut geschmeckt, ich bin begeistert." Sehr gut kommt bei beiden die Idee an, das Bier in Champagnergläsern anzubieten. "Da wird Bier zelebriert, hebt das Niveau des Inhalts, und grenzt es vom Bauarbeiter-Image ab."

Die "Bierhühner" erzählen
Wir haben die "vier verrückten Bierhühner", wie sich selbst bezeichnen, nach ihrem Beitrag zum Gelingen befragt. "Wasserfee" Yvonne hat die Grundlage jeden Bieres, frisches Quellwasser, in KEG-Fässern nach Memmelsdorf geschafft. "Das Treb gaster Wasser ist weicher und ergibt rundere Biere."

"Malzfee" Isabella steuerte fünf verschiedene Malzsorten bei: "Die zwei Caramelmalze bewirken die etwas rötliche Bernsteinfarbe. Dinkelmalz gibt dem Bier einen feinen, kernigen Charakter. Als Ergänzung dienten Gersten- und Pilsner Malz."

"Hopfenfee" Gisi hat verschiedene Aroma-Hopfen-Sorten verwendet, darunter eine bayerische Neuzüchtung mit dem vielversprechenden Namen Mandarina Bavaria. "Das bringt den ausgeprägten Duft von Mandarinen- oder Orangenschale mit, und geht eine hervorragende Verbindung mit den traditionellen alten Sorten ein."
Den letzten Part hat die "Hefefee" Moni. "Neben der herkömmlichen Ale-Hefe haben wir dieses Mal während der Gärung französische Champagnerhefe zugesetzt. Sie bringt nicht nur Alkohol und Spritzigkeit auf die Zunge, sondern kitzelt mit ihrem wunderbar fruchtigen, durchaus trockenem Charakter den Gaumen."

0,33- und 0,75-Liter-Flaschen
Die "Bierfee" wird in 0,33- und 0,75-Liter-Champagnerflaschen abgefüllt, mit einem Naturkorken versehen und in den drei Brauereien angeboten. Für die Abfüllung hat "Papa Hansen" im Hof eine hundert Jahre alte Abfüllanlage umgebaut. "Sie stand auf dem Speicher und stammt aus der Zeit des Beginns der mechanischen Abfüllerei", wie er betont. "Ich wusste, wie sie funktioniert, weil sie teilweise noch nach 1945 verwendet wurde, habe sie zerlegt und funktionsfähig wieder hergerichtet." Die Flaschen werden einzeln von Hand gefüllt, verkorkt und etikettiert, deshalb ist das Produkt auch nicht so ganz billig. "Wenn wir unsere ganzen Stunden, die wir da hineingesteckt haben, mit kalkulieren würden, wäre das Bier unbezahlbar", versichert Yvonne Wernlein.