Die Tage des alten Laubenganghauses auf dem Anwesen Petzmannsberg 27 sind gezählt. Nächsten Monat soll der Abbruch des Gebäudes aus den sechziger Jahren beginnen. Aber was kommt danach? Ein Flachdachbau mit Konfliktpotenzial? Die Planung der Stadt Kulmbach aus dem Jahr 2018 hatte in Petzmannsberg für Diskussionen und Kritik gesorgt - wie bei anderen Projekten im Spiegel, in Burghaig, in der Luitpoldstraße oder neuerdings in der Blaich. Wegen der modernen Mehrfamilienhäuser mit Flachdach bezeichnete ein Architekt Kulmbach schon als "heimliche Hauptstadt der Schuhschachteln".

Kosten 3,6 Millionen Euro

Das Projekt mit Gesamtkosten von 3,6 Millionen Euro wurde noch von der alten Stadtregierung auf den Weg gebracht. Das bautechnisch veraltete Gebäude sei wirtschaftlich nicht zu sanieren, hieß es, und solle durch einen Neubau mit 13 Wohnungen ersetzt werden.

Künftig soll die Wohnfläche mehr als verdoppelt werden: 500 Quadratmeter im Altgebäude mit zehn Wohnungen und 1170 Quadratmeter im Neubau mit 13 Wohnungen, barrierefrei oder sogar rollstuhlgerecht.

In Petzmannsberg hält sich die Begeisterung über die Schuhschachtel-Architektur in Grenzen. In den vergangenen Wochen wurden 128 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner erklären, dass sie mit dem Erscheinungsbild des geplanten Neubaus nicht einverstanden sind, und fordern von der Stadt eine Nachbesserung der Dachgestaltung. Ein Satteldach mit Dachgauben werde dem bisherigen Charakter des Stadtteils am besten gerecht.

"Den Vogel gezeigt"

Christl Wander, die mit der Unterschriftenliste unterwegs war, berichtet, dass es hauptsächlich positive Reaktionen gab. Dieselben Erfahrungen haben ihre Mitstreiter Ralf Kneitz und Gerhard Fröba gemacht: "Wir haben offene Türen eingerannt." Die Zahl der Befürworter der bisherigen Planung sei "verschwindend gering". Fröba: "Manche haben den Vogel gezeigt und sich gefreut, dass Unterschriften gesammelt werden."

Die Hoffnung der Unterzeichner sei es, so Kneitz, "dass sich bei der Gestaltung noch etwas machen lässt". Man sei nicht generell gegen den Neubau, aber die Planung eines so massiven Blocks passe nicht nach Petzmannsberg.

Offenes Ohr für Kritik

Wie reagiert man bei der Stadt auf die Unterschriftenliste? "Die Stadt Kulmbach nimmt die Bedenken der Nachbarn sehr ernst. Der Architekt wird in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat der Städtebau Kulmbach alternative Erscheinungsbilder erarbeiten, die der Umgebung mehr angepasst sind", verlautete aus dem Rathaus.

Ferner wird ein Ortstermin mit den Nachbarn und den Anwohnern ins Auge gefasst, "um ihnen die Planungen zu erläutern und auf ihre Bedenken einzugehen". Weiter heißt es: "Es ist unser Ziel als Stadt, die Menschen bei derartigen Projekten mit einzubeziehen und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Kritik zu haben. In diesem Stil sollen auch alle zukünftigen Maßnahmen erfolgen." Ob allerdings der Abbruch im August beginnen kann, ist noch fraglich. Die letzte verbliebene Mieterin ist noch nicht ausgezogen.

Wann beginnt der Abbruch?

Vor vier Monaten bekam die Stadt - wie berichtet - bei ihrer Räumungsklage vor dem Landgericht Bayreuth Recht. Die 73-jährige Frau musste einsehen, dass die Kündigung rechtmäßig war und nahm einen Vergleich an. Darin verpflichtet sie sich, bis zum 31. Juli die Wohnung zu räumen, in der sie seit 24 Jahren lebt. Nach ihrem Auszug will die Stadt "schnellstmöglich mit den Abrissarbeiten beginnen".