Viel ist über die Schuhschachtel in Petzmannsberg diskutiert worden. Nachbarn haben 130 Unterschriften gesammelt. Die Stadt hat eine Alternativplanung mit einem Mansarddach in Auftrag gegeben. Und herausgekommen ist: nichts. Mit 17:10 Stimmen sprach sich die Stadtratsmehrheit (CSU, WGK, 2 Grüne und AfD) am Donnerstag dafür aus, es bei der ursprünglichen Planung zu belassen und ein städtisches Mehrfamilienwohnhaus mit Flachdach zu bauen. Es ersetzt das alte Laubenganghaus, das abgerissen wird.

Die Mansarde war gleich zu Beginn der kontroversen Diskussion vom Tisch. OB Ingo Lehmann (SPD) teilte mit, dass bei einer so gravierenden Änderung mit Mehrkosten von 200 000 Euro ein komplett neuer Förderantrag bei der Regierung von Oberfranken gestellt werden müsste. Für den Neubau mit Kosten von 3,8 Millionen Euro gibt es immerhin 1,15 Millionen Euro als Zuschuss.

"Grundlegender Fehler"

Ralf Baumann (SPD) warb für die günstigere Kompromisslösung: einen Materialwechsel im obersten Stockwerk , um eine gefälligere Optik zu erzielen - zum Beispiel durch Verkleidung mit Schiefer oder Holz. Der Aufwand der Stadt sei mit 28 000 bis 40 000 Euro, je nach Förderung, vergleichsweise überauschaubar. Man könne das Projekt außerdem noch nach Einsparungen durchforsten.

Wie Baumann ("Das Kind ist schon früher in den Brunnen gefallen") bemängelte auch sein Parteifreund Matthias Meußgeyer, dass die jetzige Bürgerbeteiligung bei der Planung vor zwei Jahren hätte erfolgen müssen: "Ein grundlegender Fehler, eine öffentliche Debatte war damals nicht gewollt." Eine klare Kritik an Ex-OB Henry Schramm (CSU), ohne seinen Namen zu nennen.

Teuere Kosmetik

Die Gegner des Materialwechsels verwiesen auf die Einnahmerückgänge der Stadt durch die Corona-Pandemie. "Viel Geld für ein bisschen Kosmetik", meinte Michael Pfitzner (CSU). Genauso sahen es 3. Bürgermeister Ralf Hartnack (WGK) und 2. Bürgermeister Frank Wilzok (CSU). "Natürlich lernen wir daraus für die Zukunft", räumte Wilzok ein. Aber neben der Bürgerbeteiligung brauche der Stadtrat auch Freiheit für Entscheidungen.

Das Kostenargument konterte Meußgeyer mit dem Hinweis auf den Umbau der Volkshochschule. Bei den Außenanlagen sei anstandslos eine sechsstellige Summe genehmigt worden.

Partynächte: Geld "rausgeblasen"

Und Oberbürgermeister Lehmann erinnerte an die Partynächte im Turbinenhaus der Spinnerei. Unter dem Motto "Die Turbine leuchtet" seien im November 2019 über 50 000 Euro "rausgeblasen" worden. "Das erfährt man alles erst, wenn man OB ist."

Einzelheiten zu den Steuerausfällen der Stadt hatte Kämmerer Alexander Punzelt genannt. Er rechne mit einem Minus von zehn Millionen Euro, davon allein 8,5 Millionen Euro weniger Gewerbesteuer. Bis die versprochenen Ausgleichszahlungen des Bundes fließen, seien deshalb Haushaltssperren über 4,2 Millionen Euro erlassen worden. Nach Punzelts Ansicht müsse die Stadt bis 2022 einen Sparkurs fahren.

Das Ende der Schottergärten

Nach den Vorstellungen der WGK soll es künftig keine Schottergärten in Kulmbach mehr geben. Man müsse dieser Entwicklung per Verordnung Einhalt gebieten, sagte Ralf Hartnack (WGK). Parallel dazu solle die Stadt zusammen mit den Gartenbauvereinen die Grundstückseigentümer aufklären, "wie man einen artenreichen und insektenfreundlichen Garten gestalten kann".

Dagmar Keis-Lechner (Grüne) begrüßte die Initiative. Aber Michael Pfitzner (CSU) und Thomas Nagel (FDP) hielten nicht viel von solchen Verboten. "Wir sehen auch Handlungsbedarf. Ein Verbot sollte nicht im Vordergrund stehen, aber ohne Leitplanken wird man nicht auskommen", meinte Matthias Meußgeyer (SPD).

Die Verwaltung wurde gegen sieben Stimmen (CSU und FDP) beauftragt, eine Vorlage zu erarbeiten.

Turnhalle: TSV 08 Kulmbach darf bauen

Der Stadtrat gab am Donnerstag grünes Licht für ein außergewöhnliches Projekt: Der TSV 08 Kulmbach darf auf dem Sportgelände im Katzbachtal eine Turnhalle - Grundfläche 700 Quadratmeter - bauen. Lediglich, wenn größere Wettkämpfe durchgeführt werden sollen, müsse der Schallschutz für die Nachbarschaft überprüft werden, hieß es. Wie berichtet, wird die Turnerin Maxi Roßberg den Großteil der etwa 500 000 Euro teuren Halle aus eigener Tasche bezahlen.