Vermutlich hätte Bastian Steinlein seinen Führerschein längst in der Tasche. Mitte Januar hätte er seine praktische Prüfung gehabt, wenn der Lockdown den 17-Jährigen - wie viele andere Fahrschüler auch - nicht ausgebremst hätte. Zwei Monate hat der junge Kulmbacher keinen Wagen mehr gelenkt. Zwei Monate, "in denen schon etwas die Routine abhanden gekommen ist", sagt Steinlein, der jetzt wieder am Steuer eines Wagens saß. Seit Montag sind die Fahrschulen nämlich geöffnet.

Es wird teurer

Die Zwangspause hat die Fahrschulen wie auch ihre Schüler getroffen, die zwar das Fahren nicht verlernt, oft aber doch ein gewisses Maß an Vertrauen in das eigene Können verloren haben. Dass die allermeisten, die im Dezember vor der Prüfung standen, deshalb noch die eine oder andere Runde im Fahrschulauto drehen werden, davon ist Bastian Steinleins Fahrlehrer, Jörg Garzke von der Fahrschule Lang, überzeugt. Was diese dann auch im Geldbeutel zu spüren bekommen. Bei Kosten von 45 Euro pro Stunde kann der Führerschein schon 200 bis 300 Euro teurer werden - zumal über die Jahreswende auch die Prüfungsgebühren gestiegen sind.

Finanzielle Hilfe?

Nicht nur die Schüler, auch die Besitzer der Fahrschulen und deren Angestellte müssen infolge des zeitweiligen Berufsverbots finanziell bluten. Von der Politik fühlen sich die Fahrlehrer wie viele andere Berufsgruppen im Stich gelassen. November- und Dezember-Hilfe seien nicht geflossen, das Überbrückungsgeld III konnte zwar beantragt werden - doch was ankommt? Jörg Garzke ist genauso wie sein Kollegen Jürgen Schautzy von der gleichnamigen Fahrschule gespannt.

Der Platzwechsel

Schautzgy, der normalerweise auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, ist in den vergangenen Wochen beruflich auf den Fahrersitz gewechselt. Er hat sich im Lockdown einen "Nebenjob" gesucht ("Irgendetwas musste man ja machen"), Patientenfahrdienste für das BRK übernommen. Eine Tätigkeit, die er gerne ausgeübt hat, doch ist er froh, dass das eigentliche Geschäft nun endlich wieder Fahrt aufnimmt. Er darf in der Theorie wieder den Präsenzunterricht starten und Fahrstunden geben - alles unter Corona-gemäßen Hygienevorschriften.

Maske als Belastung

Die machen es dem Fahrlehrer und seinem Schüler nicht leicht. Beide müssen jetzt im Auto eine FFP2-Maske tragen. Gerade für Brillenträger kann das ein Handicap sein. "Wir werden bei längeren Fahrten Pausen einlegen, zum Luftschnappen und Lüften", sagt Jörg Garzke. Dass die Pausen vonnöten sein werden, das glaubt auch Bastian Steinlein. Er ist froh, dass er die FFP2-Maske ablegen darf, als er beim Neustart nach der ersten Fahrstunde wieder aus dem Auto steigt: "Denn das ist mit der Zeit schon ziemlich unangenehm."

Die Prüfung ist teurer geworden

Auch bei der Theorie spricht Corona ein Wort mit. Der Unterricht darf wieder in den Schulungsräumen stattfinden, doch müssen strikte Vorgaben eingehalten werden. Da die Abstandsregeln gelten, könnten nicht so viele Schüler gleichzeitig teilnehmen wie vor der Pandemie, sagt Jörg Garzke. Die Folge: Die Zahl der Unterrichtstermine, die er halten muss, wird sich erhöhen. Einen Rückstau gibt es seinen Worten zufolge bei den praktischen Prüfungsterminen. Auch er habe viele Schüler, die eigentlich im Dezember dran gewesen wären und nun auf einen neuen Termin warten. Die Prüfungsfahrt wird nicht nur teurer - die Gebühr für die Klasse B hat sich über den Jahreswechsel um 25 Euro auf 116,93 Euro erhöht-, auch die Fahrzeit hat sich verlängert. Um zehn Minuten, weil der Prüfer den Anforderungskatalog jetzt auf einem Laptop kontrolliert. Angst vor der Neuerung müsse niemand haben. Garzke: "Am Ende entscheidet nicht der Computer, sondern weiterhin der Prüfer, ob man den Führerschein bekommt."

"Systemrelevant"

Auf Garzke und seinen Kollegen Jürgen Schautzgy kommt jede Menge Arbeit zu. Denn zu den Schülern, die im Dezember oder Januar vor der Prüfung standen, gesellen sich die hinzu, die im Februar und März neu starten. Anders als Gastronomen ("Das Bier, das heute nicht ausgeschenkt wird, wird morgen nicht mehr getrunken") sei ihm das Geschäft nicht durch die Lappen gegangen, es sei aber ausgebremst worden, teilt Schautzgy mit, der sich ärgert, dass die Politik Fahrschulen so wenig Beachtung geschenkt hat. Viele seien auf ihren Führerschein angewiesen, sagt Garzke: "Fahrschulen sind systemrelevant."

Bastian Steinlein wünscht sich nun, dass sein Prüfungstermin durch das Virus nicht noch einmal verschoben wird. Wie die erste Fahrt nach zwei Monaten Pause war? "Nach den ersten eingerosteten Kilometern hat es wieder geklappt", sagt der 17-Jährige, der hofft, den Führerschein im März in der Tasche zu haben, um endlich mit dem begleiteten Fahren ab 17 starten zu können.