Und Herr U. ist erst am Nachmittag wieder zu sprechen. Sein Sprößling pubertiert, und der Klassenlehrer hat Herrn U. zu einem dringenden Gespräch in die Schule bestellt. Woher ich das alles weiß? Das haben mir die Kollegen von Herrn H. und den anderen am Telefon erzählt. Ich habe nicht danach gefragt. Aber immer wieder treffe ich am Telefon auf gesprächige Menschen, die mir berichten, was ich gar nicht wissen möchte. Was mich auch nichts angeht. Die Auskunft "Herr H. ist im Moment nicht da. Probieren Sie es doch am Nachmittag noch mal" hätte genügt.
Bei kleinen Kindern, ja, da kann das drollig sein, wenn sie sagen: "Die Mama kann nicht ans Telefon, die sitzt grad auf dem Klo!". Erwachsene sollten sich selbst zu einer gewissen Diskretion verpflichten.
Mir jedenfalls wäre es höchst peinlich, würde mir jemand am Samstag auf dem Marktplatz über zwei Gemüsestände hinweg zurufen: "Na, alles wieder gut mit dem Fußpilz? Ich hab neulich angerufen - Ihre Kollegin hat gesagt, dass Sie grad in der Apotheke sind, Salbe kaufen!" (Das wird natürlich nicht passieren. Meine Kollegen sind zurückhaltend. Hoffe ich wenigstens.)
Manchmal freilich kann auch professionelle Zurückhaltung erheiternd sein. Neulich rief ich bei einem guten Freund im Büro an. Herr A. sei "zu Tisch" wurde mir knapp von seiner Mitarbeiterin mitgeteilt . Da musste ich lachen. Ich kenne A. gut. Ich weiß, wann seine Bandscheibe zwickt und wann er Urlaub macht. Und ich weiß : Der ist nicht "zu Tisch". Der steht an einer Bude und isst Currywurst. Zwei Stück. Im ganzen Stollen. Aber das muss ich seiner Mitarbeiterin wirklich nicht erzählen.