Unbemerkt von den meisten Bewohnern Kulmbachs und sogar von vielen Schülern der Lehranstalten im Langheimer Amtshof wurde in den vergangenen 18 Monaten das Barockgebäude im Rentamtsgäßchen unterhalb der Plassenburg mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestattet. Der Geschäftsführer der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs-GmbH, Rolf Peilnsteiner, hatte zusammen mit der Bauabteilung der Stadt Kulmbach noch vor dem Brand der Kathedrale Notre Dame de Paris 2018 eine Initiative zur Verbesserung der Sicherheitsausstattung des riesigen Baukomplexes in der Kulmbacher Altstadt gestartet.

"Der Brand des Pariser Wahrzeichens hat uns dann deutlich vor Augen geführt, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind - ein in enger historischer Bebauung stehendes Großgebäude kann von Feuer vernichtet und auch noch zur Gefahr für die Umgebung werden", so der Jurist. Von Anfang an trug der Aufsichtsrat der Gesellschaft diese Maßnahmen und deren Finanzierung stets einstimmig mit.

Mehr als Mindeststandards

Zwingend notwendig sei eine Ausrüstung mit einer Brandmeldeanlage nicht gewesen, da das Anfang der 1980er Jahre von Grund auf sanierte Bauwerk nach den damals geltenden Brandschutzvorschriften eingerichtet und genehmigt wurde. Peilnsteiner wollte sich darauf aber nicht ausruhen: "Gesetzlich vorgegebene Mindeststandards sind das eine, sinnvolle moderne Technik für die Sicherheit von weit über einhundert Lehrkräften, Mitarbeitern, Studenten und Schülern das andere."

Brandschutz stehe seit der Übernahme des Gebäudes durch die Sanierungs- und Verwaltungsgesellschaft im Jahr 1981 im Zentrum aller Bau- und Sicherungsmaßnahmen. Dabei geht es nach Angaben des Geschäftsführers erst in zweiter Linie um den Schutz des kulturhistorisch wertvollen Barockgebäudes. Wichtiger sei der Schutz der Menschen. Dies gelte für die im Gebäude arbeitenden und lernenden Menschen wie auch für die Nachbarschaft. "Hier in der Kulmbacher Altstadt stehen die Häuser dicht an dicht und die Straßen Röthleinsberg und Rentamtsgäßchen sind sehr eng und stellen für die Feuerwehr und ihre Fahrzeuge ein Nadelöhr dar." Es galt daher zu verhindern, dass Brände entstehen können und einmal begonnene Feuer sich auf Nachbargebäude ausbreiten würden.

Der Klosterhof erhielt schon zu Beginn der 1980er Jahre ein zusätzliches breites Treppenhaus im nördlichen Teil des Bauwerks, dem sogenannten Zehntstadel. Die Planungen lagen seinerzeit beim Kulmbacher Architekten Fritz Schmidt. Wo es aus denkmalpflegerischer Sicht möglich war, wurde damals eine ganze Reihe selbstschließender, feuerhemmender Türen eingebaut. Zusätzlich wurde der mehr als 70 Meter lange, mehrstöckige Dachstuhl aus dem 17. Jahrhundert mit seinen über 60 Gauben mittels Mauern und Stahltüren in mehrere Brandabschnitte unterteilt. Der Amtshof wurde 1983 mit einer manuell auszulösenden Brandmeldeanlage mit direkter Verbindung zur Notrufzentrale ausgestattet, deren Auslöser in kleinen feuerroten Kästchen im gesamten Haus verteilt sind. Zudem erhielt der Hof die notwendige Anzahl an Feuerlöschern und Notausgängen sowie ausgeschilderte Fluchtwege.

Keine Zuschüsse vom Landesamt

Dennoch hält es Peilnsteiner für unumgänglich, die Sicherheit weiter zu verbessern. Ohne automatische Brandmeldeanlage bliebe es oft dem Zufall überlassen, ob ein Brand bereits in der Entstehungsphase bemerkt wird. Für Peilnsteiner galt es, die vielen Beteiligten an den Planungen zu koordinieren, die federführend von Kreisbaumeister Andreas Schülein in Abstimmung mit Kreisbrandrat Stefan Härtlein und Stadtbrandinspektor Heinrich Poperl entwickelt wurden.

Auch die Gebietsreferentin des Landesamts für Denkmalpflege, Kathrin Gentner, war eingebunden. "Leider beschied uns das Landesamt, dass die Brandmeldeanlage, obwohl sie dem Schutz des historischen Barockgebäudes dient, keinen denkmalpflegerischen Mehraufwand darstellen würde und somit von dieser Behörde nicht gefördert werden könne", bedauerte der Geschäftsführer. Die Kosten von rund 85 000 Euro tragen Stadt und Landkreis Kulmbach als Eigentümer der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs-GmbH gemeinsam.

Die Firma Siemens erhielt den Auftrag für Planung und Lieferung der Anlage. Aus der Ausschreibung für die Verlege- und Elektroarbeiten ging die Kulmbacher Firma Elektro Hetz als Sieger hervor. Die Brandmeldeanlage besteht aus einer zentralen Komponente, der Brandmeldezentrale (BMZ), die die Informationen der im ganzen Amtshof verteilten Sensoren aufnimmt und die wichtigste Anlaufstelle für die Feuerwehr sein wird. Hier finden sich die für eine Lokalisation und Brandbekämpfung notwendigen Informationen, unter anderem die Feuerwehrlaufkarten. Dadurch wird auch Unkundigen das Zurechtfinden im verwinkelten Gebäude mit seinen Gängen, Sälen, Kellern, Laboren, Lagern und Wendeltreppen ermöglicht. Über 100 Brandmelder mussten im Amtshof verteilt werden. Mehr als vier Kilometer Kabel wurden neu verlegt.

Als besondere Herausforderung stellte sich die unterschiedliche Beschaffenheit der Mauern und Decken, der Gewölbe und die gebotene Rücksichtnahme auf die denkmalgeschützte Bausubstanz dar. "Man kann nicht einfach mit Steinsäge oder Schlaghammer durch die Decken und Mauern fräsen, wie es einem gerade passend erscheint. Es muss auf Denkmalschutzbelange und die unterschiedlichen Materialien wie Sandstein, Holz oder Stuck geachtet werden", beschrieb Peilnsteiner die Probleme beim Einbau der Brandmeldeanlage.

Melder fallen nicht auf

Tatsächlich wurden in den mehr als 30 Sälen und Zimmern des Amtshofs mit erhaltener Stuckausstattung aus Barock, Rokoko, Klassizismus und Historismus die Melder so platziert, dass sie meist erst auf den zweiten oder dritten Blick auffallen und nirgendwo die zarten Gipsfiguren und Ornamente beschädigen.

Die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie seit Mitte März 2020 verzögerten die endgültige Fertigstellung. Doch ein Ende ist laut Peilnsteiner nun absehbar: "In den kommenden Sommerferien wird die Anlage auf die zuständige Notrufzentrale in Bayreuth aufgeschaltet und damit in Betrieb genommen."

Ab August sind dann die Nutzer des Amtshofs und die Kulmbacher Altstadt noch besser als bisher geschützt.

Der Langheimer Amtshof

Der Amtsof geht auf eine 1321 erstmals erwähnte Katharinenkapelle zurück. Der Barockbau wurde auf Betreiben von Abt Gallus Knaur aus Langheim in den 1690er Jahren als Außenstelle des Zisterzienserklosters Langheim nach Plänen von Johann Leonhard Dientzenhofer errichtet. Er ist heute im Besitz der von Landkreis und Stadt Kulmbach getragenen Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH. Geschäftsführer ist seit der Gründung 1981 Abteilungsdirektor a. D. Rolf Peilnsteiner. Die Anlage besteht aus dem Prälatenbau, dem Mönchsbau und dem sich nördlich daran anschließenden Zehntstadel, sowie einem ummauerten Innenhof und einem südlich gelegenen von Mauern eingefassten Barockgarten auf zwei Terrassenebenen. Der prachtvoll verzierte Amtshof wird heute als Bildungseinrichtung genutzt von der wohl schönsten Schule für Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA-Schule), von der Akademie für Neue Medien, der Akademie der Bayerischen Presse und kleineren Forschungs- und Lehreinrichtungen der Universitäten Bayreuth und Bamberg.

Der Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH setzt sich seit Mai 2020 wie folgt zusammen: Aufsichtsratsvorsitzender: Landrat Klaus-Peter Söllner, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender: Oberbürgermeister Ingo Lehmann, Kulmbacher Stadträte: Matthias Meußgeyer (SPD), Dieter Hegele (CSU), Thomas Nagel (FDP), Kreisräte:

Rainer Ludwig (FW), Christina Flauder (SPD), Bürgermeister Frank Wilzok (CSU)